Nicht nur bei Almhütten wurde gerne auf Holz gesetzt – mittlerweile gibt es auch viele Hochhäuser aus dem Material. Foto: imago/Westend61

Bei Bau von Gebäuden entstehen Unmengen CO2. Verwendet man Holz statt Beton, könnte das viele Probleme lösen. Aber ist das praktikabel?

Stuttgart - Während diese Kolumne auf deinem Bildschirm auftaucht, bin ich schon im Urlaub. Vielleicht radle ich gerade an einem See in Österreich vorbei, in dem sich die Spitzen eines Berges spiegeln. Höchstwahrscheinlich hatte ich schon einen ordentlichen Teller mit Kaspressknödeln auf Salat. Ziemlich sicher habe ich mich für eine besonders harte Etappe mit einer großen Portion Kaiserschmarrn belohnt. Und hoffentlich habe ich schon eine Nacht auf einer Hütte verbracht. Eine aus Holz, außen von den Jahreszeiten verfärbt, innen kuschelig, wenn es mal stürmt.

Seit Jahrhunderten wird mit Holz gebaut. Das älteste erhaltene Holzgebäude der Welt ist eine Pagode im Horyu-ji-Tempel in Japan. Sie wurde vermutliche Ende des 7. Jahrhunderts gebaut.  Aber Ziegel und Stahlbeton haben Holz über die Jahrzehnte als Baustoff zu einem Großteil abgelöst. Lange habe ich den Bausektor bei der Klimaschutzthematik nicht groß beachtet. Aber die Auswirkungen der Branche auf das Erreichen der Pariser Klimaziele sind enorm, denn die CO2-Bilanz von Beton ist nicht gerade gut, und es werden riesige Mengen davon verbaut. 

Die Hälfte des Mülls ist Bauabfall

Pro Jahr werden je nach Quelle zwischen 4,1 Milliarden und 4,6 Milliarden Tonnen Zement, der Rohstoff für Beton, verbraucht. Bei der Produktion einer Tonne Zement fällt mindestens eine halbe Tonne CO2 an. Das ergibt bis zu 2,8 Milliarden Tonnen Kohlendioxid jährlich aus der Zementproduktion. Laut den Zahlen des Global Carbon Project entspricht das etwa acht Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes.

Rechnet man alle Emissionen zusammen, die durch Bau und Betrieb unserer Häuser anfällt, kommt man laut einem Bericht des UN-Umweltprogramms auf 38 Prozent der weltweiten Emissionen. Dazu entfallen etwa die Hälfte aller Abfälle in Deutschland auf Bau- und Abbruchabfälle, ergeben Zahlen des Umweltbundesamtes. Unsere Häuser sind also größere Klimasünden als ein spontaner Flug nach Hawaii. Glaubt man John Schellnhuber, muss das aber nicht so sein.

Schellnhuber hat die Bundesregierung zum Klimaschutz beraten, sitzt in zahlreichen Umweltgremien, ist Mitglied des Club of Rome (der 1972 für den Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ bekannt wurde) und hat sogar den britischen Thronfolger Prinz Charles zu einem Klima-Workshop empfangen. Der ehemalige Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung ist also kein Anfänger in Umweltfragen. Und er wurde selbst in einem Holzhaus geboren. Aber es dauerte Jahrzehnte, bis ihm klar wurde, dass genau das die Lösung sein soll: Holz als Baustoff. Denn es hat zwei Vorteile, wie er schildert:  

„Wenn ich mit organischem Material baue, kann ich genau den gegenteiligen Effekt von Beton erzielen: Ich entnehme CO2 aus der Atmosphäre, über die Photosynthese, und speichere dieses durch das Verbauen langfristig im Holz.“

Die Umstellung auf Holz ist nicht einfach

Von nun an einfach alles aus Holz zu bauen, ist natürlich trotzdem nicht ganz einfach. Holz ist in Deutschland ohnehin gerade knapp. Und es gibt auch ernstzunehmende Kritiker dieser Idee. Aber Schellnhuber meint: „Erste Analysen sagen uns, dass die verfügbaren Holzmengen ausreichen würden.“ Wie das Ganze funktionieren soll, erklärt er in dem Interview, das ich unten verlinkt habe.

Übrigens gibt es Holzhäuser nicht nur in altmodischer Hütten- oder schlichter Fertigteil-Form. Im norwegischen Brumunddal steht mit dem Mjosa Tower das mit 85 Metern höchste Holzhaus der Welt. Vielleicht ja eine Idee für deinen nächsten Urlaub. Ich radle einstweilen dem nächsten Kaiserschmarren entgegen – am besten auf einer urigen Holzhütte.

Florian Gann bemüht sich im Alltag, möglichst nachhaltig zu leben, und kommt doch immer wieder zur Erkenntnis, dass die eigenen Klimaziele noch lange nicht erreicht sind.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: