Ins Steinheimer Lamm ist wieder Leben eingekehrt. Foto: Archiv (Sandra Brock)

Im Lamm in Steinheim werden mehr als 40 Ukrainer beherbergt, im Marbacher Krankenhaus hat die Belegung nun begonnen. Doch die Lage ist weiter angespannt.

Der russische Angriffskrieg hat nicht nur viel zu viele Menschenleben gekostet, sondern auch einen gewaltigen Flüchtlingsstrom gen Westen in Bewegung gesetzt. Und so groß die Hilfsbereitschaft hierzulande auch war und ist: Alle Schutz suchenden Ukrainer konnten nicht privat untergebracht werden. So musste auch der Landkreis Ludwigsburg in die Bresche springen. Neue Unterkünfte ließ das Kreishaus unter anderem im ehemaligen Gasthaus Lamm in Steinheim und im einstigen Marbacher Krankenhaus vorbereiten – in die nun langsam Leben einkehrt beziehungsweise sogar schon eingekehrt ist.

Größere Gruppen in der Stadt unterwegs

„Im Lamm sind 43 Personen eingezogen“, berichtet Tanja Glück, die das Ordnungsamt in der Urmenschstadt leitet. Die Geflüchteten seien in zwei Schwüngen eingetroffen, einmal am 13. und dann am 21. April. Die Frauen, Kinder und Männer seien allesamt neu in Steinheim, also vorher nicht etwa in privaten Haushalten im Ort untergebracht gewesen. Im Stadtbild schlage sich das schon nieder, wenn größere Gruppen gemeinsam unterwegs sind, berichtet Glück. „Für die Betreuung ist der Landkreis zuständig“, konstatiert die Chefin des Ordnungsamts.

Mehr als 3000 Ukrainer aufgenommen

Das wird auch in Marbach so sein, wo im alten Krankenhaus bis zu 100 Personen ein Dach über dem Kopf finden können. Ehemalige Patientenzimmer sind in den vergangenen Wochen für den Tag X präpariert worden, der nun gekommen ist. An diesem Mittwoch sind die ersten rund 50 Bewohner eingezogen, berichtet Andreas Fritz, Pressesprecher im Landratsamt. Das verschafft dem Kreishaus zwar etwas Luft, aber zurücklehnen können sich die Verantwortlichen nicht. „Da das Land auch in den kommenden Wochen noch eine große Anzahl Geflüchteter verteilen muss, kann noch nicht von Entspannung gesprochen werden“, betont Andreas Fritz. Bislang seien 3209 Frauen, Kinder und Männer aus der Ukraine aufgenommen worden.

Landkreis sucht weitere Standorte

Noch reichten die vorhandenen Räumlichkeiten aus, um Menschen auf der Flucht beherbergen zu können. Allerdings sei man weiter auf der Suche nach geeigneten Standorten, um dort Betten für diesen Personenkreis anbieten zu können. Schon fix ist, dass der Landkreis in Erdmannhausen in der Nähe des Bahnhofs ein Wohnheim für bis zu 96 Personen errichten lassen möchte.

Bürgermeister lobt Hilfsbereitschaft

Inwieweit auch die Kommunen, die für die Anschlussunterbringung der Geflüchteten verantwortlich sind, weitere Bautätigkeiten entwickeln müssen, ist ungewiss. Fakt ist jedenfalls, dass nicht nur aus der Ukraine Menschen in Deutschland eintreffen. Unabhängig vom Krieg in Osteuropa stiegen schon seit Monaten die Geflüchteten-Zahlen, hebt der Marbacher Bürgermeister Jan Trost hervor. „Für die momentane Situation reichen unsere Kapazitäten aber“, betont der Rathauschef. Den Mitarbeitern, die sich um die Integration kümmern, sei es gelungen, etlichen Personen eine Wohnung außerhalb einer Gemeinschaftsunterkunft zu vermitteln. Und die Ukrainer seien sogar alle privat untergekommen. „Die Hilfsbereitschaft ist sensationell, es wurden mehr als 130 Personen in Marbach privat aufgenommen“, sagt Trost. Das entlaste die Kommune und werde bei der Zuweisung angerechnet.

Notfalls wird eine Turnhalle belegt

„Wir sind aber auch für den Fall gewappnet, dass sehr, sehr viele Personen dazukommen“, betont er. Dann werde eine Turnhalle belegt, Betten und Matratzen stünden parat. Trost hofft allerdings, dass diese Karte nicht gespielt werden muss, weil der Krieg bald endet und die Ukrainer in ihre Heimat zurückkehren können – oder eben längerfristig in den Privatwohnungen bleiben können. Für Letzteres spreche der Umstand, dass ein signifikanter Teil der Geflüchteten nicht direkt im selben Haushalt wie die Gastgeber wohne, sondern in separaten Einheiten.

Gefühl sagt: Es braucht eine neue Unterkunft

Nicht ganz so optimistisch zeigt sich Tanja Glück, dass die Stadt Steinheim über kurz oder lang ohne eine neue Unterkunft auskommt. „Gefühlsmäßig denke ich, dass es so, wie es jetzt ist, auf Dauer nicht reichen wird, da es den Anschein hat, dass der Krieg in der Ukraine leider noch länger andauern könnte“, erklärt die Steinheimer Ordnungsamtsleiterin. „Aber das ist natürlich nur Kaffeesatzleserei, uns bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten und entsprechende Vorbereitungen zu treffen“, fügt sie hinzu.

Gleichmäßige Verteilung als Ziel

Etwas mehr Klarheit werden sie und ihre Kollegen in Sachen Flüchtlingszahlen dennoch bald haben. Der Landkreis ermittelt aktuell, wie viele Ukrainer in den einzelnen Kommunen bisher aufgenommen wurden, so Andreas Fritz. „Auf dieser Grundlage können wir dann eine gleichmäßige Verteilung der Geflüchteten im Landkreis vornehmen“, erklärt der Landratsamtssprecher.

Neue Kapazitäten am Marbacher Bahnhof

Nachholen
Auch in der Marbacher Flüchtlings-Unterkunft am Bahnhof werden die Kapazitäten erweitert. Einer von vier Trakten war nach einem Brand zunächst nicht wiederaufgebaut worden. Das wird nun nachgeholt.

Genehmigt
„Der Wiederaufbau des abgebrannten Gebäudeteils unserer Gemeinschaftsunterkunft in der Bahnhofstraße wurde inzwischen baurechtlich genehmigt, und es findet derzeit das Ausschreibungsverfahren für die Bauarbeiten statt“, teilt Andreas Fritz, Pressesprecher des Landratsamts Ludwigsburg, mit. Die Bagger sollen im Juli oder August anrücken. Derzeit seien 42 Personen in dem Heim untergebracht, das wegen einer Sanierung aber nicht voll ausgelastet ist. Bis zu 112 Frauen, Kinder und Männer können laut Kreishaus nach der Modernisierung und der Erweiterung aufgenommen werden.