Wegen einer Kinderbuchlesung mit einer Dragqueen stehen sich in Ludwigsburg Rechte und Linke am Sonntag gegenüber. Die Polizei geht auf Nummer sicher.
Die linke Szene hat in Ludwigsburg groß gegen die Junge Alternative (JA) Baden-Württemberg, die Jugendorganisation der AfD, mobilisiert. Die Partei die vom Verfassungsschutz als „rechtsextremistischer Verdachtsfall“ beobachtet werden darf, hatte zum Protest gegen eine Kinderbuchlesung der Dragqueen Candy Licious aufgerufen. Daraus wurde am Ende eher ein Protestchen. Am Sonntagmorgen standen in der Wilhelmstraße rund 200 Linke etwa 30 AfD-Sympathisanten gegenüber.
Die Lesung mit der Dragqueen aus Wien fand im Rahmen des Literaturfestivals Wort Welten statt. Die Künstlerin, mit bürgerlichem Namen Berni Ledinski, las aus dem Buch „Schwanenteich“ von Michael Fleischmann und Markus Kuhn vor. Darin geht es um einen kleinen Krötenjungen, der eine Balletttänzerin werden will.
Die rechtspopulistische AfD sieht in solchen Veranstaltungen unter anderem die „Frühsexualisierung“ von Kindern, im Vorfeld war vom „Eindringen Pädophiler in die Erziehung unserer Kinder“ die Rede. In Ludwigsburg wetterten Reimond Hoffmann aus dem Landesvorstand, der unter anderem Verbindungen zur „Identitären Bewegung“ pflegen soll und der stellvertretende Vorsitzende der JA im Land, Manuel Schneider, in derber Sprache gegen die Veranstaltung. Schneider bezeichnete sie unter anderem als „säuisch, fast satanisch“. Es gehe den Organisatoren um die „Vernichtung des klassischen Familienbildes“. Hoffmann hetzte unter anderem auch gegen die Medienberichterstattung im Vorfeld.
Schwer uniformierte Beamte im Einsatz
Die Polizei hatte das Konfliktpotenzial früh erkannt und ging auf Nummer Sicher. Die beiden Gruppen waren durch Gitter etwa 50 Meter voneinander getrennt, das Gebiet war großräumig abgesperrt. Unter den Beamten waren auch Einsatzkräfte in Schutzausrüstung. Wie viele Polizisten im Einsatz waren, wurde nicht bekannt gegeben. Die Taktik ging auf, es blieb ruhig.
Das DemoZ hatte die Kundgebung direkt vor der Tür als eine Art Fest organisiert, „damit die Kinder von dem Trubel draußen nicht mehr mitbekommen als von einem bunten Straßenfest“, hieß es. Die Lesung war dann auch gut besucht. Währenddessen versuchten die Aktivisten vor der Tür immer wieder die AfD-Kundgebung mit Sprechchören zu stören. „Wir hätten uns den ganzen Zirkus am liebsten erspart und einfach eine fröhliche Veranstaltung gehabt“, sagte Yvonne Kratz vom DemoZ.
In unserer Galerie zeigen wir einige Bilder von den beiden Demonstrationen in Ludwigsburg.