Die Forstwirte Tobias Knödler (links) und Thomas Gerstner bereiten mit dem Pflanzlochbohrer die Pflanzungen vor. Foto: oh

Die Forstleute im Kreis Esslingen nutzen das Frühjahr und den durchfeuchteten Boden, um den Wald zu verjüngen: Landkreisweit werden für den Zukunftswald in dieser Saison rund 50.000 Setzlinge in den Boden gebracht.

Kreis Esslingen - Mit Hochdruck werden dieser Tage in den Wäldern des Landkreises Esslingen Tausende junger Bäume gepflanzt. Aufgeforstet werden Lücken, die durch die Folgen des Klimawandels entstanden sind. Landkreisweit werden für den Zukunftswald in dieser Saison rund 50.000 Setzlinge in den Boden gebracht.

Winterfeuchtigkeit nutzen

Um den steigenden Temperaturen und der zunehmenden Trockenheit in den Wäldern Herr zu werden, brauchen die Förster einen langen Atem. „Wir arbeiten seit 30 Jahren daran, den Wald klimastabil zu machen“, sagt Elke Rimmele-Mohl, Försterin in Diensten des für den 10.500 Hektar umfassenden Kommunalwald im Landkreis Esslingen zuständigen Forstamts. Damals hatten die Jahrhundertstürme Vivien und Wibke den Fachleuten die Augen geöffnet. Seither werden, wo immer es sich anbietet, die sturmanfälligen Fichten durch die standhafteren Eichen ersetzt. „Unsere Hauptverjüngungsverbündete bleibt die Natur. Aber auf Flächen, auf denen wir die einen Baumartenwechsel anstreben, müssen wir selbst Hand anlegen. Da ist dann die Pflanzung das Mittel der Wahl“, sagt die Försterin.

So plant beispielsweise Förster Eckard Hellstern vom Forstrevier Filderstadt-Aichtal in seinem Revier die Pflanzung von mehr als 3000 jungen Bäumen. „Wir starten immer so früh wie möglich mit den Pflanzarbeiten“, erläutert der Forstmann, denn nur so könne die Winterfeuchtigkeit voll ausnutzt werden. Derzeit sind die Bedingungen gut, weil auch in 30 Zentimeter Tiefe die Erde noch ordentlich durchfeuchtet ist. Trotzdem hofft der Revierleiter auf weitere Niederschläge. Noch immer sei der Boden in tieferen Schichten viel zu trocken. Nicht nur Hitze und Trockenheit machen dem Wald zu schaffen. Eingewanderte Schädlinge rufen neue Krankheitsbilder hervor. Ein Beispiel ist das Eschentriebsterben, bei dem ein aus Asien eingeschleppter Pilz Eschen flächig absterben lässt. „Der Verlust der Esche schmerzt uns Forstleute sehr“, bekennt Eckard Hellstern. Eine so entstandene Kahlfläche wird aktuell in Filderstadt aufgeforstet.

Esskastanie und Elsbeere

„Wir setzen auf standortangepasste, naturnahe Mischwälder, in denen trockenheitstolerante Baumarten besonders gefördert werden“, erläutert Eckard Hellstern die Strategie. Hohe Priorität hat die Eiche, aber auch Esskastanie, Elsbeere, Hainbuche, Roteiche, Winterlinde und Douglasie stehen in den Wäldern rund um Filderstadt auf dem Pflanzplan. Ausgerechnet diese Baumarten gelten beim Rehwild jedoch als Leckerbissen. Deshalb, und zum Schutz vor Witterungsextremen, müssen die Pflänzchen mit einer Hülle geschützt werden.

Sehr großer Wert wird auf eine gute Qualität der Pflanzen und eine professionelle Ausführung der Pflanzung gelegt, denn oft müssen die Bäumchen schon im ersten Jahr Trockenphasen überstehen. Ideal ist eine Pflanze mit großer Wurzel und reichlich Feinwurzelanteil. Entsprechend groß müssen die Pflanzlöcher sein. Für Eichen wird deshalb in Filderstadt ein Pflanzlochbohrer eingesetzt. Mit Motorkraft werden Löcher ausgehoben, sodass die üppigen Wurzeln bequem in der Erde Platz finden. Das Kreisforstamt Esslingen lässt die Pflanzarbeiten grundsätzlich von Fachpersonal durchführen.

30 Hektar neu aufgeforstet

Insgesamt wird eine Flächen von rund 30 Hektar neu aufgeforstet. „Das klingt viel, ist aber im Verhältnis zur Gesamtfläche doch überschaubar“, erläutert Forstamtsleiterin Cordula Samuleit, denn gepflanzt werde trotz allem nur im Ausnahmefall. „Wir arbeiten nach dem Konzept der naturnahen Waldwirtschaft und übernehmen, wenn möglich, die Sämlinge, welche die Natur uns schenkt“, erklärt die Amtsleiterin.

Als Indiz für die große Naturnähe der Wälder im Landkreis gilt der große Buchenanteil von rund 40 Prozent. Reichlich Buche ist auch in der nächsten Waldgeneration vertreten, die in Form der Naturverjüngung bereits strauchhoch heranwächst. Ausgerechnet die Buche hat sich seit den Dürresommern 2018/2019 zum Sorgenkind der Forstleute entwickelt. Vor allem alte Buchen ertragen schlecht hohe Temperaturen und bis in tiefe Schichten ausgetrocknete Böden. „Doch genau diese beiden Phänomene erwarten uns mit fortschreitendem Klimawandel“, befürchtet Eckart Hellstern.

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