Bei gesundheitlichen Folgen durch eine Corona-Impfung spricht man vom Post-Vac-Syndrom. Foto: imago//Rüdiger Rebmann

Was ist der Unterschied zwischen Post-Covid und Post-Vac? Und wie intensiv wird an den Phänomenen in Deutschland geforscht?

Schaut man sich die Besucherzahlen auf Konzerten und Partys an, ist Corona aus den Köpfen vieler fast verschwunden. Andere werden täglich daran erinnert: Sie leiden an Long-Covid oder an Post-Vac. Doch was ist das eigentlich und wie weit ist die Forschung in Deutschland?

Was versteht man unter Post-Vac beziehungsweise Long- und Post-Covid?

Long-Covid und Post-Covid bezeichnen beide gesundheitliche Langzeitfolgen, die nach einer Infektion mit dem Coronavirus auftreten können. Von Long-Covid spricht man, wenn die Symptome länger als vier Wochen nach Krankheitsbeginn noch bestehen. Dauern sie länger als zwölf Wochen an, spricht man von Post-Covid. Die Symptome selbst sind in ihrer Intensität und Dauer oft sehr unterschiedlich und manchmal nur schwer von anderen Krankheitsbildern abzugrenzen, sagt Judith M. Reichel, Sprecherin des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Der Begriff Post-Vac-Syndrom wird bei den selten auftretenden gesundheitlichen Langzeitfolgen nach einer Corona-Impfung verwendet, die sich mit den Symptomen von Long-/Post-Covid überlappen. „Es gibt derzeit jedoch keine spezifische medizinische Definition für das Post-Vac-Syndrom, entsprechend schwierig ist die Diagnose und die Abgrenzung zu Long-/Post-Covid.“

Wie intensiv wird an den Phänomenen in Deutschland geforscht?

Laut Judith M. Reichel fördert das BMBF die Forschung zu Ursachen, Behandlungen und Therapien von Long-/Post-Covid. Insgesamt wurden bisher rund 22,5 Millionen Euro bereitgestellt. Eine gesonderte Forschung zum Post-Vac-Syndrom gibt es nicht. Sie erfolgt wegen der genannten Überlappungen zumeist im Zusammenhang mit Long-/Post-Covid. Aus Sicht der Länder reicht das nicht aus. Bereits Ende März haben die Gesundheitsminister der Länder einen gemeinsamen Beschluss gefasst, in dem sie eine Intensivierung der Forschung fordern. Diese Erforschung der schweren gesundheitlichen Impffolgen „ist von hoher Relevanz für die zeitnahe Unterstützung Betroffener und für die Stärkung des Impfgedankens“, heißt es von Florian Mader, Sprecher des Landesgesundheitsministeriums.

Welche Erkenntnisse gibt es bisher?

„Bislang gibt es zu verschiedenen wissenschaftlichen Fragen bereits erste Befunde, aber nur wenige gesicherte Erkenntnisse“, so die Sprecherin des BMBF zur Long-/Post-Covid-Forschung. „Eine Besonderheit bei dem Krankheitsbild ist, dass sowohl die Symptome als auch die betroffenen Patientinnen und Patienten sehr unterschiedlich sind.“ Die Krankheitsmechanismen seien noch nicht vollständig verstanden. Unterschiedliche Ursachen werden noch diskutiert, zum Beispiel eine andauernde Virusinfektion in den Organsystemen, eine chronische Entzündungsreaktion oder eine Autoimmunität, die durch das Virus ausgelöst wurden.

Wie werden die Daten erfasst?

Für Long-/Post-Covid-Fälle gibt es derzeit keine zentrale Erfassung in Deutschland, sagt Judith M. Reichel. Das Netzwerk Universitätsmedizin sammelt aber systematisiert Patientendaten als Grundlage für weitere Forschungen. Für Folgen der Corona-Schutzimpfung gibt es zwar ein Spontanmeldesystem, bei dem Ärzte oder andere im Gesundheitswesen tätige Personen Verdachtsfälle melden können. „Eine solche Meldung ist jedoch nicht verpflichtend.“ Post-Vac-Patienten selbst können Verdachtsfälle zentral unter nebenwirkungen.bund.de melden.

Wo finden Patienten Hilfe?

Erster Ansprechpartner in medizinischen Fragen ist zunächst der Hausarzt, der gegebenenfalls an andere Fachärzte überweist. Das BMBF hat zudem eine Website online gestellt, die als erste Anlauf- und Informationsquelle dienen soll: bmg-longcovid.de. Auch der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe kann hilfreich sein. Unter www.long-covid-plattform.de sind viele Gruppen zu finden, eine davon in Böblingen.

Persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse der Forschung zur Verfügung zu stellen, ist nicht möglich. „Für die Forschung ist es wichtig, dass Daten standardisiert und qualitätsgesichert sind“, erklärt Judith M. Reichel. „Deshalb kommen in der Regel die Forschenden auf die Patienten zu.“

Gibt es bei Post-Vac eine Entschädigung?

Wer glaubt, einen Impfschaden erlitten zu haben – egal ob durch eine Corona- oder eine andere Impfung –, kann wegen der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen einen Antrag auf Versorgung stellen. Das Land bezahlt dafür, erklärt Florian Mader. „Zuständig ist das jeweilige Versorgungsamt, das im Landratsamt angesiedelt ist.“

Die offizielle Anerkennung eines Impfschadens ist jedoch kompliziert und oft langwierig. Bei den Versorgungsämtern in Baden-Württemberg wurden zwischen Dezember 2020 bis Ende Juni 2023 bislang 919 Anträge auf Entschädigung wegen eines Corona-Impfschadens gestellt. Davon wurden 30 Anträge bewilligt, 200 wurden abgelehnt und 51 haben sich aus sonstigen Gründen erledigt. Über 638 Anträge ist demnach noch nicht entschieden worden.