Die Debatte um Böblinger Windräder in diesem frühen Stadium zu führen, ist ein richtiger und demokratischer Vorgang. Die Diskussion sollte aber sachlich bleiben.
Die Diskussion um Windräder hat in Böblingen ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Zwar waren die dunklen Wolken schon länger im Anflug, doch am 9. Juni ist schließlich Kommunalwahl und die Fraktionen im Böblinger Gemeinderat nehmen das Thema zum Anlass für eine Standortbestimmung in Sachen Windkraft. Obwohl beim Entscheid zum gemeinsamen Windpark mit Ehningen und Holzgerlingen das Böblinger Gremium noch der einhelligen Meinung war, die Voruntersuchung dieses Projektes zu befürworten, hat sich der Wind mittlerweile mehrmals gedreht.
Der Technik-Ausschuss trat – mit konservativer Mehrheit – zunächst noch einmal auf die Bremse. Am Freitag gaben die Freien Wähler den Ausschlag pro Vorranggebiet. Dabei sollte zunächst Klarheit darüber herrschen, was eigentlich beschlossen wurde. Denn es ging mitnichten um eine finale Entscheidung für oder gegen den Bau von Windrädern. Es ging um die Stellungnahme der Stadt Böblingen in Richtung des Verbands Region Stuttgart, wie mit den potenziellen Vorranggebieten umzugehen sei. Ob sich auf der fraglichen Fläche BB-14 einmal Rotoren drehen werden, ist selbst nach einem Beschluss noch keineswegs ausgemacht. Es ist lediglich einer von vielen Schritten getan.
Region muss erst zustimmen
Erst wenn die Region der Ausweisung zustimmt – wovon auszugehen ist –, gehen die Untersuchungen zum interkommunalen Windpark in die nächste Runde. Und erst wenn daraufhin eine ganze Reihe von Punkten abgearbeitet sind – Flugsicherung, Artenschutz, Zuwegung et cetera – herrscht Klarheit, ob dort überhaupt Windräder in den Himmel wachsen könnten. Und dies tun sie auch nur, wenn ein Investor ein tragfähiges Konzept vorlegt und die Gemeinderäte der drei Orte dem zustimmen. Das liegt noch in weiter Ferne. Heißt im Klartext: Noch ist nichts entschieden.
Dass die Diskussion schon in diesem frühen Stadium intensiv und leidenschaftlich geführt wurde, ist dennoch richtig. Denn wie oft regt sich Volkes Stimme erst, wenn die Planungen schon viel zu weit fortgeschritten sind, um noch etwas ändern zu können. Insofern ist der Streit um die Windräder ein zutiefst demokratischer Vorgang. Doch die Debatte ist sachlich zu führen und auf der Basis stichhaltiger Argumente. Stimmungs- oder gar Angstmache ist kontraproduktiv.
Argumente entbehren fundierter Grundlage
Leider geraten gerade bei der Windkraft schnell Argumente und Befürchtungen in den Umlauf, die einer fundierten Grundlage entbehren. Aus den Reihen der Windkraftgegner ist zu hören, dass die Windräder höher werden sollen als der Stuttgarter Fernsehturm, massenweise geschützte Vögel von den Rotoren zerfetzt würden und überhaupt der Infraschall die Gesundheit aller Menschen in der Umgebung stark beeinträchtige und zu allem Überfluss zig Hektar Wald gerodet werden müssen. All diese Punkte als Tatsachen anzunehmen, geht weit an der Wirklichkeit vorbei.
Weder steht die Höhe der Windräder in diesem frühen Stadium fest, noch, wie viele es sein werden und ob sie überhaupt gebaut werden. Ob es schützenswerte Arten in der Umgebung gibt und wie die Anlagen diese gefährden, müssen fachkundige Experten untersuchen. Und dass der Infraschall von Windrädern der Gesundheit schadet – darüber gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.
Gemeinderäte haben letztes Wort
Ob und wie viel Wald den Windrädern letztlich zum Opfer fallen muss, darüber haben die Gemeinderäte von Böblingen, Holzgerlingen und Ehningen zu entscheiden. Es gilt, Aspekte des Landschafts- und Naturschutzes gegen die Chancen der regenerativen Energieerzeugung auf gemeindeeigenem Gebiet abzuwägen. Keine leichte Entscheidung. Umso mehr gilt es, sie auf der Basis nachprüfbarer Fakten zu treffen.