Viele Ludwigsburger Grundschulen platzen aus allen Nähten. Die Stadt versucht der Situation mit Modularbauten Herr zu werden – doch die Rückkehr von G9 könnte alle bisherigen Anstrengungen zurückwerfen.
Der Platz in den Ludwigsburger Schulen ist knapp, die Einschulungen sind rekordverdächtig. Für die Grundschulen sind Modulbauten geplant, um Mensen und Klassenräume auszubauen. Doch besonders die Gymnasien bereiten Sorgen. Die Stadt Ludwigsburg muss mit immer höheren Schülerzahlen rechnen, da kommt der Erfolg der baden-württembergischen G9-Initiative ungelegen. Eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium würde die angespannte Lage verschlimmern.
Doch von vorne: Am Mittwochabend stellte Daniel Wittmann, Abteilungsleiter Schulen der Stadt Ludwigsburg, den aktuellen Schulentwicklungsplan vor. Auffällig sind die hohen Geburtenzahlen der Jahre 2016 und 2017 – diese Kinder werden jetzt eingeschult. Doch auch langfristig wird die Geburtenrate und der Zuzug hoch bleiben. Grundschulen müssen stadtweit mit einem dauerhaften Plus von 400 Kindern rechnen.
Neue Mensen für Grundschulen
Die neue Fuchshofschule und beschlossene Investitionen für andere Grundschulen helfen, den Anstieg abzufedern. Lösungen braucht es noch für die Schubartschule, Oststadtschule, Grundschule Hoheneck, Grundschule Pflugfelden und Eichendorffschule. In allen fünf Gebäuden hapert es vor allem an der Mensa, die in Zeiten des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung immer wichtiger wird. Laut Wittmann arbeitet die Stadt an einem modularen Gebäude, das einmal geplant wird, und dann auf mehreren Schulcampus aufgestellt werden könnte.
Wittmann gab sich optimistisch. Die Stadt habe sich im Bereich Grundschulen bereits auf die wachsenden Ansprüche und steigenden Schülerzahlen vorbereitet. Zudem geht er davon aus, dass die Kosten für die Modulgebäude mit 50 Prozent vom Land gefördert werden.
Etwas kritischer ist die Situation an den Gymnasien der Stadt. Mittlerweile nehmen diese rund 60 Prozent der Grundschüler auf. 2015 waren es noch 50 Prozent. Unterm Strich müssen die Gymnasien der Stadt dauerhaft mit einem Plus von rund 300 Schülern rechnen. Der Neubau des Bildungszentrums West ist dabei nur eine kleine Entlastung. Das dortige Otto-Hahn-Gymnasium bekommt zwar einen Zug pro Klassenstufe hinzu – Anfang der 2030er Jahre werden aber stadtweit 2,2 Züge fehlen.
G9 könnte Krise an Gymnasien auslösen
Die klare Botschaft: Die Kapazitätsgrenze der Gymnasien ist erreicht. Da kommt die Elterninitiative G9 zur Unzeit. Die hat Ende Oktober mehr als 100 000 Unterschriften für die Rückkehr des neunjährigen Gymnasiums an Landtagspräsidentin Muhterem Aras übergeben. Das Thema wird nun in der Landesregierung und im Landtag besprochen, die Chancen stehen nicht schlecht.
Das G9-Comeback würde noch mehr Gymnasiasten und weniger Platz bedeuten. Zudem bräuchte es mehr Lehrer, die aktuell schwer zu finden sind. Die Sorge vor einer Gymnasiumskrise ist groß. Im Sozialausschuss sprachen Bildungsbürgermeisterin Renate Schmetz und einige Räte offen, dass ein Erfolg der Initiative ein Schreckensszenario für die Stadt wäre. Falls es so weit kommen sollte, müsse die Landesregierung die Kosten für Lehrer, Betreuungspersonal und neue Räume übernehmen, stellte Schmetz klar. „Wer bestellt, muss auch zahlen.“