Hier dürfen Radler noch strampeln. Doch kurz vor dem Bahnhof müssen sie absteigen. Würde die Stadt die Baustraße (links) asphaltieren, könnten sie den Engpass umfahren. Foto: Horst Rudel

Das neue Bauwerk über den Rossneckar steht. Doch die Radler müssen unterhalb des Bahnhofs nach wie vor schieben. Grüne und Linke haben deshalb im Rathaus noch einmal in Sachen Rampe nachgehakt.

Esslingen - Mit Interesse und durchaus auch mit Beifall haben Grüne und Linke im Esslinger Gemeinderat die städtische Pressemitteilung über die neue Fußgänger- und Radlerbrücke bei der Einmündung des Rossneckars in den Neckar gelesen. Über die Formulierung, mit dem Bauwerk könne „der Neckarradweg wieder vom beziehungsweise bis zum Esslinger Bahnhof genutzt werden“ sind sie dann aber doch heftig gestolpert. Schließlich heiße es seit vier Jahren zumindest auf dem Streckenabschnitt hinter dem Bahnhof aus Sicherheitsgründen: Radeln verboten.

„Wird dieses Verbot jetzt endlich aufgehoben?“, fragt Tobias Hardt, der Fraktionsvorsitzende der Linken, spitz. Natürlich nicht, heißt es aus dem Rathaus: „An der beengten Situation zwischen Bahnhof und Vogelsangbrücke hat sich durch die Fertigstellung der Rossneckarbrücke nichts verändert, sodass dieser genannte Streckenabschnitt entlang des Neckars nur für Fußgänger freigegeben werden kann.“ Radfahrer müssten aus Sicherheitsgründen nach wie vor schieben oder die Innenstadt-Route nehmen.

Antragsteller wollen Begehung

Hardt verweist in seiner gemeinsamen Stellungnahme mit Andreas Fritz von den Grünen auf den Antrag, den Grüne und Linke – mit ADFC und VCD im Sattel – im Herbst gestellt hatten: die Stadt solle die Rampe, die sie für Baufahrzeuge in der Nähe der Rossneckarbrücke aufgeschüttet hatte, asphaltieren und als Provisorium für den Radverkehr freigeben. Damit könnten die Radler auf dem schon existierenden Wirtschaftsweg entlang der Bahngleise die Engstelle umfahren.

Das Provisorium koste kaum Geld. „Die Bauverwaltung unter dem ehemaligen Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht hat mit einem Vor-Ort-Besichtigungstermin vertröstet. Jetzt ist die Rossneckarbrücke fertig und die Antragsteller fordern jetzt eine gemeinsame Begehung beim neuen Baubürgermeister Hans-Georg Sigel ein“, heißt es in der interfraktionellen Mitteilung.

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Die könne man auch gerne machen, so der Rathaussprecher Niclas Schlecht auf Anfrage dieser Zeitung. An der Argumentation, mit der die Verwaltung seinerzeit aber den Antrag der beiden Fraktionen abgelehnt hatte, hat sich aus Sicht der Verwaltung jedoch nichts geändert. Damals hieß es, man wisse um die Bedeutung der Neckartalverbindung für den Radverkehr. Nicht zuletzt deshalb unterstütze man die Bemühungen des Landes um den geplanten Radschnellweg zwischen Stuttgart und Reichenbach und habe die „Route mit hohen Standards“ in die Planung des Neckaruferpark aufgenommen.

Aber bedingt durch den – mittlerweile ja abgeschlossenen – Neubau der Rossneckarbrücke und den mutmaßlich Anfang kommenden Jahres anstehenden Bauarbeiten für den ohnehin schmalen Steifen des Neckaruferparks wäre die Interimslösung über die Rampe nur für sehr kurze Zeit nutzbar. Denn ein Provisorium durch die Baustelle sei nicht verkehrssicher genug. Aber unverhältnismäßig teuer: Mit ein bisschen Asphalt für 30 000 Euro sei es nicht getan. Die Stadt kommt vielmehr auf 130 000 Euro. Zudem seien dort vermutlich Mauereidechsen zuhause, die vor baulichen Eingriffen erst einmal vergrämt werden müssten.

Mobilitätsausschuss soll noch einmal ran

An alledem hat sich auch aus heutiger Rathaussicht nichts geändert. „Jedoch wurde den Fraktionen zugesagt, den dazugehörigen Antrag noch einmal im Mobilitätsausschuss zu diskutieren. Diesem werden wir gerne nachkommen und eine Entscheidung der Gremien dazu abwarten“, heißt es aus dem Esslinger Rathaus.

Es gehe immerhin um 3000 Radfahrende täglich, deren Zahl in wenigen Jahren auf 6000 anwachsen solle, begründet Andreas Fritz die Hartnäckigkeit der beiden Fraktionen. „Wenn 3000 Kraftfahrzeuge betroffen wären, würde niemand auch nur geringste Zweifel hegen, dass die Rampe sinnvoll ist.“

Bewegung am Esslinger Neckarufer

Neckaruferpark
Seit rund 20 Jahren Jahren soll die Esslinger Weststadt einen Park am Neckarufer bekommen. 2018 hat die Stadt dafür zwei Hektar Fläche von der Bahn erworben. Das Modellprojekt soll etwa 8,7 Millionen Euro kosten. Die Stadt hat eine Förderzusage über 2,4 Millionen Euro aus dem Energie- und Klimafonds zur Anpassung von Park- und Grünflächen.

Radschnellweg
Der Radschnellweg Neckartal, den das Land zwischen Stuttgart und Reichenbach/Ebersbach plant, durchquert im Esslinger Westen den neuen Neckaruferpark. Das Regierungspräsidium wollte ihn auch im Osten weiter auf dem nördlichen Neckarufer führen, die Stadt will ihn auf Höhe des Landratsamts über den Fluss lenken. Entschieden ist noch nichts.