Louisa Schneider bei den Waldrodungen in Brasilien Foto: /Markus Mauthe

Louisa Schneider ist für Greenpeace an fünf Klima-Kipppunkte des Planeten gereist. Was der Klimawandel bedeutet, wird ihr dabei erst richtig bewusst. Ihre Eindrücke schildert sie bei Live-Shows in der Region Stuttgart.

Als besonders aufrüttelnd hat Louisa Schneider ihre Reise nach Brasilien im Kopf. „Zwei Stunden nach der Ankunft stand ich schon im brennenden Regenwald“, erinnert sie sich. „Man hat es überall zischen und knacken gehört. Über mir sind brennende Vögel geflogen.“ In der bedrohlich wirkenden Szenerie war die Hitze für die Klimajournalistin kaum auszuhalten. Auch sei die gerodete Fläche so groß gewesen, dass man sie mit den Augen nicht habe überblicken können.

Für die Landwirtschaft werden in dem südamerikanischen Land jährlich riesige Waldflächen gerodet. Durch die beabsichtigten Brände gelangt CO2 in die Atmosphäre. Gleichzeitig kann auf den Flächen kein CO2 mehr gespeichert werden, weil die Bäume fehlen. Der Regenwald könnte durch zu viel Abholzung dauerhaft die Fähigkeit verlieren, sich zu regenerieren.

Reise an die Kipppunkte des Klimasystems

Die Klimajournalistin Louisa Schneider, die vier Jahre lang in Stuttgart gewohnt hat, stand nicht nur im brennenden Regenwald, sondern sah auch das arktische Eis schmelzen und stand vor von Stürmen zerstörten Häusern. Für Greenpeace ist sie zusammen mit dem Naturfotografen Markus Mauthe an fünf Kipppunkte des Planeten gereist, an denen die Auswirkungen der Erderwärmung besonders deutlich zu spüren sind. Diese Orte stehen aufgrund des Klimawandels am Übergang zu einem gefährlichen Zustand, der nicht rückgängig gemacht werden kann, wie etwa wenn das Eis in Grönland unwiederbringlich schmilzt.

In Grönland kann Louisa Schneider Nordlichter über dem Eisfjord in Illulisat beobachten. Foto: Greenpeace/Markus Mauthe

Louisa Schneiders Hoffnung ist groß, dass es gelingt, die Erderwärmung zu stoppen. Die 25-Jährige ist überzeugt: „Es ist so viel veränderbar.“ Auch darum geht es bei den neuen Live-Shows, Premiere ist am Samstag, 16. März, in Nürtingen. Es folgen Esslingen am 24. März und Stuttgart am 26. März. Mit den Live-Shows in Kooperation mit Greenpeace möchte sie weder belehren noch das Ende menschlicher Existenz prophezeien. Vielmehr will Louisa Schneider den Klimawandel für alle verständlich erklären.

Steigender Meeresspiegel bedroht Senegal

Eine weitere Etappe auf Louisa Schneiders besonderer Reise war der Senegal im Westen Afrikas. Die Klimajournalistin erinnert sich an ihren Besuch in der Hafenstadt Saint-Louis, die von der Unesco in Teilen zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Durch den ansteigenden Meeresspiegel droht die Stadt in den Wellen des Atlantiks zu versinken. Schon heute seien zahlreiche Häuser an der Küste des Senegals zerstört, vor allem durch Sturmfluten in den vergangenen Jahren, erklärt Louisa Schneider.

Der Aktivist Yero und Louisa Schneider auf den Trümmern einer Schule, die durch Sturmfluten an der Küste Saint-Louis im Senegal eingestürzt ist. Foto: Greenpeace/Markus Mauthe

Nicht nur die direkten Auswirkungen der Klimakrise seien dort zu spüren gewesen, sondern auch die Verzweiflung der Menschen vor Ort. Die Bevölkerung könne sich kaum schützen. Ihnen fehle die Möglichkeit, ausreichend in Infrastruktur und Dämme zu investieren. Viele fordern Geld und Materialien von Europa, als Ausgleich für die starke Ausbeutung über Jahrhunderte hinweg.

Louisa Schneider kam mit dem einheimischen Fischer Barbacar ins Gespräch, der die intensive Fischerei europäischer Konzerne vor den Küsten Afrikas scharf kritisiert. Er müsse heute immer weiter in den Ozean hinaus, um genug Fisch zu fangen. Die globale Überfischung zerstöre die Lebensgrundlage der Bevölkerung und zugleich das marine Ökosystem. „Den Menschen wird so viel genommen – historisch wie heute“, so die Klimajournalistin.

Bunte Unterwasserwelt vor Australien

In Australien sammelte Louisa Schneider Hoffnung. Im Great Barrier Reef tauchte sie vorbei an zahlreichen Korallen, Fischen, Haien und Schildkröten. „Eine Unterwasserwelt in voller Pracht“, schwärmt sie. „Hoffentlich bleibt es so bunt.“ Nur an einigen Stellen konnte sie ausgebleichte Korallen aufgrund steigender Meerestemperaturen erkennen.

Wenn die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werde, könnten rund zehn bis 30 Prozent der Korallenriffe weltweit erhalten bleiben. Das sei wichtig, denn „uns ist nicht bewusst, wie wichtig sie sind“, betont Louisa Schneider. Sie stellen für viele Menschen eine Einkommensquelle durch Fischfang und Tourismus dar, und sie helfen, Küstenstädte zu schützen. Durch ihre Struktur brechen sie Wellen, sodass die Gefahr von Überflutungen abnimmt.

Veranstaltung „Grad°jetzt – Gegen die Angst“

Nicht jeder kann wie sie an die Klima-Kipppunkte reisen, das ist Louisa Schneider bewusst. Daher möchte sie andere, so gut es geht, mitnehmen. Zum Beispiel auf Instagram. Und sie hat mit Greenpeace eben jene Live-Show entwickelt über ihre Reisen an die Kipppunkte der Erde, mit Fotos und Filmen in Kinoleinwand-Größe.

Die erste Veranstaltung findet am Samstag, 16. März, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Nürtingen statt. Am Sonntag, 24. März, 19.30 Uhr, steht Louisa Schneider im Esslinger Kino „Kunstdruck CentralTheater“ auf der Bühne. In Stuttgart ist die Show im Kulturzentrum Merlin am Dienstag, 26. März, 19.30 Uhr. Im April folgenden weitere Termine etwa in Heidelberg, Frankfurt am Main oder Bonn. Der Eintritt ist jeweils frei.