Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst bei der Segnung einer Friedensglocke in Polen Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart/Arkadius Guzy

Auf der Polen-Reise einer Delegation der Diözese Rottenburg-Stuttgart um Bischof Gebhard Fürst ist es zu einem kuriosen Vorfall gekommen. Nach einem Gottesdienst kam der Bischof plötzlich nicht mehr aus der Kapelle.

Es war Zeit fürs Abendessen, die Mägen knurrten, alle sehnten hungrig dem letzten großen gemeinsamem Mahl auf dieser Reise entgegen. Doch das Warten dauerte an, weil der Platz von Bischof Gebhard Fürst erst einmal leer blieb. Der 74-Jährige war am Freitag mit einer Delegation seiner Diözese Rottenburg-Stuttgart nach Polen ins Ermland aufgebrochen, um drei von den Nazis während des Zweiten Weltkriegs requirierte Kirchenglocken an die polnischen Heimatgemeinden zurückzubringen. Ein Friedensprojekt, das auch der baden-württembergische Ministerpräsident für zwei Tage begleitete.

Die Gruppe hatte den Pfarrer gebeten, die Kapelle aufzuschließen

Am Sonntagabend erwartete die Teilnehmer zum Ende der Reise ein üppiges Buffet in einem Hotel im polnischen Lidzbark Warmiński. Um 19 Uhr sollte es losgehen, aber zu diesem Zeitpunkt: vom Bischof keine Spur. Die Mitgereisten warteten hungrig vor ihren leeren Tellern, vertrieben sich die Zeit mit Gesprächen.

Die Erlösung folgte, nachdem sich die ersten Gläser allmählich geleert hatten und plötzlich die Stimme des Bischofs im Speisesaal ertönte. Gebhard Fürst bat die Hungrigen um Verzeihung für die Verspätung und klärte auf, dass hinter dem kurzfristigen Verschwinden kein böser Wille steckte: Der Bischof wurde eingeschlossen – mit einem kleinen Kreis an Begleitern in einer nahe gelegenen Kapelle. Zuvor hatte die Gruppe den Pfarrer der polnischen Kirchengemeinde gebeten, die Kapelle für einen Gottesdienst aufzuschließen.

Die kuriose Geschichte sorgte für Gelächter im Speisesaal

Doch als alles beendet war und der Bischof und seine Begleiter zum Abendessen aufbrechen wollten, ließ sich die Tür nicht mehr öffnen. Offensichtlich hatte jemand versehentlich abgeschlossen – ohne vorher zu überprüfen, ob noch jemand in der Kapelle zu Gange war. Mit Klopfen versuchten die Eingeschlossenen auf sich aufmerksam zu machen – vergeblich. Erst ein Anruf beim Pfarrer der Gemeinde läutete die Befreiung ein. „Gut, dass es Handys gibt“, sagte das Diözesen-Oberhaupt später.

Im Speisesaal angekommen, eröffnete der Bischof mit einem Gebet schließlich das Buffet. Übel nahm ihm die Verspätung unter den Hungrigen niemand, im Gegenteil: Die kuriose Geschichte sorgte für losgelöstes Gelächter.