Ukrainische statt russische Lieder: Die Maxim Kowalew Don Kosaken singen am 30. Dezember in Bondorf. Foto: Engels Konzertbüro

Alle Jahre wieder geht Maxim Kowalew mit seinen Don Kosaken in Deutschland auf Weihnachtskonzerttournee. Im Jahr des Ukrainekriegs ist vieles anders.

Jedes Jahr um die Festtage kommen Maxim Kowalew und seine Don Kosaken auf ihrer Weihnachtskonzertreise auch in die Region. Die Konzertberichte danach lasen sich dabei bisher ähnlich: „Die tiefe russische Seele lebt“, lautete eine beliebte Überschrift, „Zauber der russischen Stimme“ eine andere. Seit Jahren fand der von dem gebürtigen Danziger Maxim Kowalew begründete Chor mit russisch-orthodoxen Kirchengesängen sein Publikum. Im Jahr des Ukrainekriegs jedoch ist vieles anders.

Das zeigt sich bereits in der Ankündigung zu den für diesen Winter geplanten Konzerten. Hier wirbt der Veranstalter jetzt mit „ukrainisch-orthodoxen Kirchengesängen“, mit „ukrainischen und deutschen Weihnachtsliedern“ sowie mit „einigen ukrainischen Volksweisen und Balladen“. Die Worte „russisch“ oder „Russland“ tauchen nirgendwo mehr auf. Stattdessen verspricht der Veranstalter ein „festliches Weihnachtskonzert für die Völkerverständigung“ und betont dass der Chor aus Weißrussland mit dem Konzert „seine Solidarität mit dem ukrainischen Volk“ ausdrücken möchte.

Chorsänger stammen aus Weißrussland

„Es ist natürlich schwierig, dass unser Konzertformat zur Zeit eventuell nicht angesagt ist aufgrund des Ukrainekriegs“, sagt der Kölner Konzertveranstalter Detlef Engels. Allerdings gelte es, die Sache differenziert zu betrachten. „Wir machen keinen Hehl daraus, dass die Sänger aus Belarus stammen“, sagt Engels. „Aber das sind auch nur Menschen, die keinen Krieg wollen – und wenn sie sich öffentlich dagegen positionieren, landen sie im Gefängnis“, betont er.

Der Chor mache eben das, was er am besten könne: Musik aus dem östlichen Kulturkreis Europas. „Und da sind die Übergänge zwischen Ukraine, Belarus und Russland fließend“, meint Engels. Seiner Ansicht nach sind neben dem Ukrainekrieg auch Corona und Inflation schuld daran, dass seine Agentur im Vergleich zur Zeit vor 2020 Umsatzeinbrüche von rund 50 Prozent verzeichne.

„Kalinka“ aus dem Programm gestrichen

Offenbar kamen Konzertbüroleiter und Chor zu dem Schluss, dass der russische Angriffskrieg Einfluss auf die Liedauswahl haben sollte. Deshalb habe man ukrainische Lieder hinzugefügt und dafür russische geopfert. Zum Beispiel hat der Chor Lieder wie „Kalinka“ aus dem Programm entfernt. „Das steht einfach für Russland“, erklärt Detlef Engels, der die Streichung aber eigentlich für „eine Schande“ hält. Schließlich gehe es in dem Lied nur um Beeren und ein schönes Mädchen. „Und es ist ein gutes Stück.“ Das zähle in diesen Tagen aber wohl nicht.

Wer die Maxim Kowalew Don Kosaken mit ihrem veränderten Programm im Konzert erleben möchte, hat dazu am Mittwoch, 28. Dezember Gelegenheit. Um 19 Uhr treten sie in der Markuskirche in Althengstett (Kreis Calw) auf. Am Freitag, 30. Dezember, singen sie, ebenfalls um 19 Uhr, in der Remigiuskirche in Bondorf (Kreis Böblingen).

Karten für beide Konzerte gibt es über www.reservix.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Für das Konzert in Bondorf gibt es zudem Karten im Ort beim Schreibwaren-Geschäft Herbstreit in der Hindenburgstraße 30.