Bei Bürgercafés in vier Stuttgarter Stadtbezirken diskutieren Menschen über die Klimaerwärmung, Parkplätze und die Wärmewende. Dabei zeigen sich gewisse Interessenskonflikte.
Als die Sprache auf die berüchtigtste Empfehlung des Bürgerrats Klima kommt – der Wegfall von fünf Prozent aller Parkplätze pro Jahr – wird es einer Dame im Publikum zu bunt. Sie ruft: „Die Parkplätze werden ja gebraucht! Oder werden die Leute, die nicht mehr Fahrrad fahren können, dann künftig mit der Drohne befördert?“ So wie oft, wenn es in Stuttgart um das Thema Autos geht, wurde es auch beim Bürgercafé in Möhringen emotional und etwas lauter. Auf zweieinhalb Stunden war die Veranstaltung angesetzt – und Diskussionsstoff hätte es noch für viele Stunden mehr gegeben.
Demokratie passiere jenseits der eigenen Blase, sagt Teilnehmerin
Denn das Thema der Bürgercafés, von denen es erste Veranstaltungen bereits in Stuttgart-Süd und in Möhringen gab und die auch in Weilimdorf und Wangen angeboten werden, ist das Klima. Beziehungsweise der Bürgerrat Klima, dessen Mitglieder 24 Empfehlungen ausgearbeitet haben, wie die Stadt bis 2035 emissionsfrei werden kann. Und da wurden gewisse Interessenskonflikte deutlich.
Davon berichtete Isabella Kessel, eines der 61 zufällig ausgewählten, aber repräsentativen Mitglieder: „In dem Gremium waren Menschen mit Vorwissen, andere hatten vom Klimawandel noch nie gehört.“ Sie selbst sei „leidenschaftliche Radfahrerin“ und zufällig in einer Gruppe gelandet, die sich mit Radfahren beschäftige. Abgesehen von ihr seien vier Menschen in der Gruppe gewesen, die noch nie oder fast noch nie auf einem Fahrrad gesessen seien. „Aber genau da geschieht Demokratie: Wenn man mit Menschen diskutiert, die nicht aus der eigenen Blase stammen“, sagte sie.
Wünsche: Begrünen, Regenwasser sammeln, entsiegeln
Genau das passierte dann auch beim Bürgercafé in Möhringen: In Gruppen diskutierten bis dato Fremde miteinander, welche klimabezogenen Herausforderungen sie für wichtig halten – und entwickelten Ideen. Da ging es um die Begrünung von Häusern, Kreisverkehren und Bahnschienen, aber auch um Gebäudesanierungen und die Wärmewende, Flächenentsiegelung, das Speichern von Regenwasser (Stichwort: Schwammstadt) – und eben das umstrittene Thema Autos.
Auf die ironisch formulierte Frage der Frau aus dem Publikum, ob Menschen künftig mit Drohnen transportiert würden, wenn Parkplätze wegfielen, entgegnete Isabella Kessel: „Viele Wege, die mit dem Auto zurückgelegt werden, sind ein bis zwei Kilometer weit.“ Diese könnten oft auch anders erledigt werden: mit Bus und Bahn, zu Fuß oder eben mit dem Rad. Generell müssten die Stuttgarter weniger Fahrzeuge besitzen und sich stattdessen Autos teilen – da sei sich das Gremium recht einig gewesen, sagte sie.
Schach spielen, wo früher Autos parkten
Ein Mann nannte den Schützenplatz in Stuttgart-Mitte als Vorzeigebeispiel. Der Platz wurde in den vergangenen Jahren erheblich umgestaltet: „Früher war das ein Parkplatz, heute stehen da Bäume und man kann schön Schach spielen.“ Auch wenn man es sich im Vorhinein manchmal kaum vorstellen könne, so könnten autoarme Plätze und Quartiere eine echte Bereicherung für die Menschen seien, schwärmte er.
Bei der Fortsetzung des Bürgercafés in Möhringen am Montag, 15. April, 18 bis 21 Uhr, sollen die Menschen konkrete Projektideen entwickeln. Ort ist das Bürgerhaus am Filderbahnplatz 32. Zudem gibt es einen Bürgercafé-Auftakt am Samstag, 3. Februar, 14 bis 16.30 Uhr, im Alten Rathaus an der Ditzinger Straße 5 in Weilimdorf sowie am Donnerstag, 7. März,18 bis 20.30 Uhr, in der Kelter in Wangen, Ulmer Straße 334. Anmeldungen sind online unter www.stuttgart.de/anmeldung-buergercafes-klima möglich.