Die Besucher wurden nach dem Einbahnstraßenprinzip durch die Messehalle geleitet. So wurde Gedränge an den Ständen vermieden. Foto: Rainer Hauenschild

Im Neckar Forum hat am Wochenende die erste Messe seit Corona-Beginn stattgefunden. Die Rückmeldungen sind nur positiv.

Esslingen - Ordnung anstatt Gedränge waren am Wochenende im Esslinger Neckar Forum angesagt. Dort fand die Aus- und Weiterbildungsmesse „Karriere 2020“ statt – aufgrund des Coronavirus mit einigen Besonderheiten. Blaue Pfeile auf dem Boden leiteten die Gäste über die Messe, rote Einlass-Chips regulierten die Besucheranzahl, Desinfektionsspender gab es an jeder Ecke und der Mund-Nase-Schutz war Pflicht. Rund 500 Besucher hatten sich vorab ein Online-Ticket besorgt. Aber auch ohne Reservierung war es am Einlass möglich, in die Messehalle zu gelangen.

Die rund 30 Aussteller, ausgestattet mit Spuckschutz, Masken und einem Minimum an Aktionen, begrüßten die Gäste. Das Coronavirus konnte die Laune an diesem Tag nicht trüben. An den Ständen der Arbeitsagentur, von Ceramtec oder der Polizei tummelten sich interessierte Schülerinnen und Schüler mit ihren Eltern und Freunden. Wir haben die Besucher und Aussteller nach ihren Eindrücken und Meinungen gefragt: Wie war die Messe in Corona-Zeiten?

Die Antworten der Aussteller auf diese Frage, fielen sehr positiv aus. Erstaunlich gut sei die Messe gelaufen, berichten Rebecca Lung und Julia Stöhr vom Landratsamt Esslingen. Die beiden hatten mit deutlich weniger Besuchern gerechnet. Umso größer ist die Freude, dass nun doch so viele gekommen sind. „Die Schüler und deren Eltern waren sehr interessiert“, erzählt Lung. Die Maske sei bei den Gesprächen mit den Besuchern kein Hindernis gewesen, betonen die beiden. Veranstaltungen wie die Karrieremesse sind für Unternehmen wichtig, um potenzielle Bewerber zu erreichen. „Viele Auszubildende finden ihren Weg zu uns über solche Veranstaltungen“, sagt Stöhr. Gerade der persönliche Kontakt zu den Schülern sei wichtig. Auch die Stuttgarter Netze sind froh, dass die Veranstaltung stattgefunden hat. Allerdings fanden es die Mitarbeiter schwierig, sich mit der Maske mit den Besuchern zu unterhalten. „Man erkennt durch die Maske die Mimik des Gegenübers nicht und muss lauter reden“, sagt ein Mitarbeiter. Insgesamt seien sie aber zufrieden mit der Messe.

Auch unter den Besuchern kam die Karrieremesse sehr gut an. „Ich finde es beeindruckend, dass trotz Corona diese Messe stattfindet“, sagt der 19-jährige Sam Stevens aus Baltmannsweiler. Er lobt die Organisation, ein gutes Beispiel seien die Pfeile auf dem Boden, die den Besuchern zeigten, wie der Rundgang verläuft. „Sehr übersichtlich“, sagt auch Jamie-Valentin Becke-Beutelschieß, 16, ganz unironisch. Zwei Unternehmen würden den Schüler besonders interessieren. „Ich suche gerade nach einen Betrieb, wo ich ein Praktikum und auch eine Ausbildung machen kann.“ Vater Dieter Becke schätzt die Mischung an Ausstellern: „Es werden Berufe aus der Verwaltung, aus dem sozialen Bereich und der Industrie vorgestellt.“ Zwar sei die Anzahl der Stände überschaubar gewesen, doch für einen ersten Überblick sei das nicht schlecht.

Die limitierte Auswahl an Unternehmen sorgte aber auch für Kritik. „Ich hätte mir mehr Aussteller aus dem kreativen Bereich oder der Gastronomie gewünscht“, sagt die 15-jährige Leonie Weiß aus Köngen. Dina Özdemir hätte sich gerne über den Zoll als Arbeitgeber informiert. „Man muss dazu sagen, ich bin 26 Jahre alt. Das Berufseinstiegsjahr ist deshalb nichts für mich.“ Trotzdem ist die gelernte Friseurin nicht mit leeren Händen nach Hause gegangen. „Polizei und Arbeitsagentur haben mir sehr weitergeholfen“, sagt sie.

Eine Mädchengruppe, 14 bis 17, besucht die Messe, um sich allgemein zu informieren. „Wir haben uns nicht unsicher gefühlt“, sagt eine von ihnen. Durch das Einbahnstraßenprinzip sei an den Ständen nie zu viel los gewesen. „Ich fand es sehr übersichtlich“, resümiert die 16-jährige Kaja Wessler aus Aichwald. „Ich mache bald Abi und bevorzuge danach eigentlich ein Studium. Vielleicht wäre auch eine Ausbildung interessant, diese Option halte ich mir offen.“ Julia Ott, 16, aus Esslingen fühlt sich „sehr gut informiert.“ Sie erkundigte sich wegen eines freiwilligen sozialen Jahres.

Sowohl die Eltern als auch die Schüler verlassen mit einer dankbaren Miene im Gesicht das Messegelände. Für sie gab es die Möglichkeit, sich mit Unternehmen auszutauschen und über den weiteren Berufsweg zu informieren. Wenn um 16 Uhr die letzten Besucher das Forum verlassen, wird zudem jeder mit einer neuen Erfahrung nach Hause gehen: Eine Messe während der Corona-Pandemie.

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