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Bauen & Wohnen29.02.2016

Heizen im Altbau – was ist zu beachten?

Hohe Räume, dünne Wände und oftmals eine nicht dem Stand der Technik entsprechende Dämmung, die Lücken aufweist. Wer im Altbau lebt, muss beim Heizen einige Umwege gehen, um Behaglichkeit und Energieverbrauch zu optimieren.

Ein Traum: Ein gepflegter Altbau im Grünen. Leider ist der aber nur durch energetische Sanierung auf einen zeitgemäßen Energieverbrauch zu bringen – mit einigen Tricks geht es aber zum Teil auch in Eigenregie. Foto: foerstemann (CC0-Lizenz) © pixabay.com
Altbau im Jungestil. Die Deckenhöhe von über drei Metern bedeutet jedoch, dass sich die aufwendig erwärmte Luft dort sammelt, wo sich die Bewohner nicht aufhalten: Unter der Decke.  Foto: dietwalther © fotolia.com
Die abgehängte Decke reduziert die Raumhöhe und kann zudem auch mit Dämmmaterial zusätzlich bestückt werden. Foto: Jürgen Fälchle © fotolia.com
Auch die alten Heizkörper können durch den Einsatz von elektronischen Thermostaten auf Vordermann gebracht werden – sogar in Eigenregie. Foto: Unsplash (CC0-Lizenz) © pixabay.com
Altbau-Dachstuhl. Durch ihn verschwindet Wärme fast ungehindert nach oben. Die Lösung: Dämmung des Speicher-Fußbodens. Foto: jörn buchheim © fotolia.com
Der Charme eines Altbaus lässt sich durch ein neues Haus kaum erzielen, aber er bedeutet eben auch einen Mehraufwand beim Heizen.  Foto: Traumbild © fotolia.com
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Wer der TV-Werbung Glauben schenkt, könnte den Eindruck bekommen, dass die meisten Deutschen in schicken Neubauten wohnen. Dabei sieht die Realität anders aus: Noch 2011 lebten je nach Bundesland zwischen 16 und 54 Prozent der Einwohner in einem Gebäude, das vor 1950 entstand. Und auch, wenn viele davon totalsaniert sind und bei Energieverbrauch und Heizen Neubauten in nur wenigen Punkten nachstehen, bleibt dennoch eine hohe Zahl von Altbauten, bei denen noch viel energetischer Nachholbedarf existiert. Hier wird es für die Bewohner wichtig, clever zu heizen, damit die Kosten nicht ausufern. Glück hat da vor allem derjenige, der im eigenen Haus wohnt und dort in Eigenregie Heizung und Dämmung optimieren kann. Und darum dreht sich dieser Artikel: Tipps, Tricks und Kniffe für das Heizen im Altbau.

Erstes Problem: Die hohen Decken

Oft ist es Bauphysik, die die Heizkosten im Altbau nach oben treibt: In früheren Zeiten waren die Deckenhöhen ein gutes Stück höher als heute – laut dem Berliner Mietverein vor allem aus Prestigegründen. Ein normaler Raum mit 30m² Grundfläche hat deshalb durch die größere Deckenhöhe einen erheblich gesteigerten Rauminhalt im Vergleich mit einem Gebäude, das vielleicht erst in diesem Jahrtausend gebaut wurde. Doch was hat das mit dem Heizen zu tun? Ganz einfach: Je mehr Rauminhalt, desto mehr Luft befindet sich darin, die erwärmt werden muss. Und weil warme Luft nach oben steigt, verlängert sich bei einer hohen Decke einerseits die Zeit, bis der Raum aufgeheizt ist. Und andererseits muss viel mehr Energie aufgewendet werden, um das Zimmer auf angenehmen Temperaturen zu halten, weil im unteren Raumbereich die Luft schneller abkühlt.

Lösung 1: Raumhöhe verringern

 Ein erster Schritt kann also darin bestehen, Räume schlicht niedriger zu machen. Das funktioniert relativ einfach, durch abgehängte Decken. Dabei werden an der eigentlichen Raumdecke Trägerelemente befestigt, die nach unten ragen. Die Länge dieser Halter ist frei konfigurierbar. An ihrem unteren Ende werden Querprofile befestigt und daran eine zweite, tieferhängende Decke aus Holz, Gipskartonplatten oder Ähnlichem – einen Überblick über die Möglichkeiten gibt die Zeitung „Selbst ist der Mann“. Das verringert einerseits das zu beheizende Raumvolumen. Und andererseits kann der Platz zwischen alter und neuer Decke mit Dämmmaterial befüllt werden. Das sorgt dafür, dass die erwärmte Luft gehindert wird, durch die dünne abgehangene Decke nach oben zu entweichen und bringt zusätzlich auch noch Schalldämmung.

Lösung 2: Wärme umpumpen

Doch auch, wenn die Decke abgehangen wurde, besteht nach wie vor das physikalische Problem, dass die wärmste Luft sich nach wie vor im oberen Teil des Raumes sammelt. Eine Lösung dafür nennt das Portal Creoven: Das TDA-System, kurz für Temperatur-Differenz-Ausgleichs-System. Das besteht prinzipiell aus einem elektronisch gesteuerten Deckenventilator. Dessen Rotorblätter sind beweglich befestigt: Im Winter sorgen sie dafür, dass der Ventilator von oben die warme Luft ansaugt und sie nach unten drückt, wo sich die Menschen im Raum aufhalten. Umgekehrt kann das System im Sommerbetrieb dafür sorgen, dass kühle Luft besser verteilt wird. Gesteuert wird das Ganze durch Temperaturfühler. Wichtig ist jedoch: Das Prinzip TDA funktioniert nur bis zu einer Deckenhöhe von 2,80 Metern wirklich effektiv. Daher sollte vor seiner Installation der Raum durch eine abgehangene Decke auf dieses Maß gebracht werden.

Zweites Problem: Alte Heizungen

Wer in einem alten Haus wohnt, in dessen Keller werkelt auch oft eine ebenso alte Heizung. Natürlich: Solange solche Gas- oder Ölzentralheizungen noch die gesetzlichen Abgasvorgaben einhalten, scheuen viele verständlicherweise den Einbau eines neuen Geräts. Einfach, weil dieser schlicht mehrere Tausend Euro alleine für die Heizung kostet – ohne die fachmännische Montage, die ja noch zusätzlich berechnet wird. Jedoch bedeuten solche Altheizungen nicht nur weniger Komfort bei der Steuerung – jeder Heizkörper muss einzeln eingestellt werden – sondern auch noch höheren Energieverbrauch und somit Unterhaltskosten. Das bedeutet, es muss cleverer geheizt werden. Und das wiederum ist mit Mehraufwand verbunden, der aber eine Menge Geld sparen kann.

Lösung: Richtig heizen

Bei einer nagelneuen Brennwertheizung wird einfach eine Wunschtemperatur eingegeben und den Rest erledigt das Gerät – und spart dabei viel Energie. Bei alten Heizungen kann aber ebenfalls durch moderne Technik viel getan werden: Im ersten Schritt sollte für jeden Heizkörper in den bewohnten Räumen ein elektronischer Thermostat angeschafft werden. Der regelt gradgenau, wie viel heißes Wasser in den Heizkörper fließen muss, um die Wunschtemperatur zu halten. Die Heizungsanlage muss also weniger Energie aufwenden, um Wasser zu erhitzen, das eigentlich gar nicht benötigt wird. Der Einbau ist auch von Laien mit einigen Grundkenntnissen zu bewerkstelligen, wie dieses Video zeigt:


Doch auch dann stehen Altbaubesitzern noch weitere Möglichkeiten offen. Denn wie das Umweltbundesamt meldet, sollte beileibe nicht in jedem Raum gleiche Temperaturen herrschen. Vor allem hängen diese nämlich davon ab, wie lange sich in einem Zimmer aufgehalten wird:
Im Wohnbereich sollte die Temperatur bei 20°C liegen, sofern dies allen Bewohnern warm genug ist.
Bei der Küche reichen 18°C aus. Unter anderem, weil durch das Kochen hier auch zusätzliche Wärme erzeugt wird.
In Schlafzimmern darf es auch noch etwas kühler sein, hier reichen 17°C. Wer es wärmer haben möchte, sollte eher auf dickere Bettdecken zurückgreifen. Auch, weil Schlaf in kühleren Räumen erholsamer ist.
In Badezimmern und Fluren genügt es, die Temperatur auf 15°C zu regeln. Bei Bedarf, etwa vor dem Duschen, kann auch für einen kurzen Zeitraum zugeheizt werden, um die Behaglichkeit zu erhöhen.
Zudem sollte den Heizkörpern die Möglichkeit gegeben werden, frei in den Raum abzustrahlen. Daher sollten Sofas und ähnliches weit weggerückt, oder gänzlich anders im Zimmer verteilt werden.
Der Trick beim energiesparenden Heizen mit alten Geräten ist einfach, deren Defizite im Energieverbrauch durch ein Mehr an Regulierung auszugleichen. Gänzlich ersetzen kann das aber freilich eine moderne Heizung nicht.

Drittes Problem: Unzureichende Dämmung

Wessen Altbau nicht durch Fassadendämmung, umfassende Isolierung des Dachs und anderer Maßnahmen energetisch auf Vordermann gebracht wurde, der muss den Tatsachen ins Auge sehen: Hier verschwindet die erzeugte Wärme durch die Wände, durch Wärmebrücken in der Konstruktion oder durch sämtliche Etagendecken hindurch nach oben durch das Dach. In der Summe bedeutet das: Die sowieso schon vergleichsweise verschwenderische alte Heizung muss noch mehr Leistung liefern, um die Räume auf Wohlfühltemperaturen zu bringen – und die teuer erzeugte Wärme verschwindet dennoch flugs wieder, solange nicht kontinuierlich nachgeheizt wird. Natürlich sind solche umfassenden Maßnahmen wie am Anfang dieses Abschnitts mit sehr hohen Kosten im fünfstelligen Bereich verbunden. Aber auch hier geht es in Eigenregie ein gutes Stück günstiger – auch wenn niemand die gleichen Ergebnisse erwarten solle. Aber etwas ist schließlich besser als gar nichts.

Lösung: Dämmung in Eigenregie

Der Umgang mit Dämmstoffen ist nicht schwer. Und wer über genug Fingerfertigkeit verfügt, um an seinem Auto die Räder zu wechseln, wird auch die nachgenannten Maßnahmen problemlos ausführen können. Das gesamte Material gibt es in den meisten deutschen Heimwerkermärkten zu kaufen. Fahrten zu Fachgeschäften sind daher nicht erforderlich.

1) Im ersten Schritt muss die Wärme daran gehindert werden, ihren natürlichen Weg nach oben zu gehen. Wie hohe Raumdecken gedämmt werden, wurde bereits in beim ersten Problem skizziert. Aber es geht noch weiter: Beim Dach. Hier besteht das Problem, dass das Gewicht einer Zwischensparrendämmung gerade bei sehr alten Dachstühlen oft deren Tragfähigkeit übersteigt. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte daher ein Level tiefer denken und den Boden des Dachstuhls dämmen. Das hat zudem den Vorteil, dass dieser Raum gar nicht erst mitgeheizt wird. Die Ausführung ist denkbar einfach: Dämmwolle wird auf dem gesamten Dachboden Stoß an Stoß ausgelegt. Baumarktkette Obi zeigt in diesem Video, wie es geht.

2) Über alte Türen und Fenster verschwindet ebenfalls eine Menge Wärme nach draußen. Dies vor allem, weil sich deren Dichtungen durch Alterungsprozesse mit der Zeit auflösten. Auch hier halten Baumärkte Abhilfe vorrätig. In Form von selbstklebenden Dichtprofilen. Diese müssen nur auf die richtige Länge gebracht und zwischen Tür/Fenster und Rahmen angebracht werden.

3) Wer abends die Rollläden frühzeitig herablässt, verhindert, dass durch die Fenster zu viel Wärme verschwindet. Dann aber ist der Rollladenkasten darüber leer – und zudem oft nur durch dünnes Holz von der Außenwelt getrennt. Auch hier bieten Heimwerkermärkte Nachrüst-Kits an. Diese bestehen aus einem halbkreisförmigen Dichtschaum-Element, welches einfach bei von innen geöffnetem Rollladenkasten eingeklebt wird und somit den gesamten Rollladen vom Innenraum abkapselt.

Fazit

 In einem Altbau zu leben, das bedeutet nicht nur viel baulichen Charme früherer Zeiten, sondern oft genug auch erhöhten Energieverbrauch. Nicht jeder kann und will sich die finanzielle Bürde einer kompletten energetischen Sanierung auflasten. Damit Heizen aber nicht zum teuren Spaß wird, sollten wenigstens die hier genannten Kniffe angewendet werden. Sie sind in der Summe viel billiger als eine Komplettsanierung, kommen aber zumindest teilweise in ähnliche Leistungsregionen. Grundsätzlich gilt jedoch: Ein altes Haus hat die gleichen Probleme wie ein altes Auto: Beide haben viel Charme, benötigen aber auch sehr viel mehr Aufwand, um zeitgenössische Leistungen zu liefern.


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