Wenige Wochen vor Semesterbeginn sind Wohnungen für Studierende in Ludwigsburg knapp. Tiny Häuser will die Verwaltung aber nicht aufstellen.
Wohncontainer genießen keinen allzu guten Ruf. Sie gelten als Notunterkunft: Geflüchtete leben in ihnen alles andere als bequem. Angesichts der hochgradigen Wohnungsnot und hohen Mieten in Ludwigsburg stellt sich die Frage: Könnten in solchen engen Containern auch Studenten bezahlbar wohnen? Ein Studentendorf auf dieser Basis lehnt die Ludwigsburger Verwaltung jedoch ab.
Die Nachfrage in Ludwigsburg ist hoch, berichtet das Studierendenwerk Stuttgart. Erst im Mai nahm das Werk 229 zusätzliche Zimmer in einer modernen Wohnanlage an der Königsallee in Betrieb. Drei solcher Anlagen gibt es in Ludwigsburg, die Zimmer kosten warm 308 bis 500 Euro. Nicht jeder kann sich das leisten, zumal viele Studenten für Jobs nur begrenzt Zeit haben. „Containerdörfer sind eine Alternative, wenn dadurch schnell und günstig Wohnraum für Studierende geschaffen wird und die Wohnqualität nicht auf der Strecke bleibt“, sagt Johannes Spindler, der stellvertretende Asta-Vorsitzende an der Pädagogischen Hochschule.
Generell sei die Situation für Studierende schwieriger geworden, moniert Spindler: Wer etwa mit der alten Familienkutsche aus dem Umland anreise, müsse von 2024 an für Parkplätze an der PH zahlen. Der Ludwigsburger Gemeinderat habe zudem eine Parkraumbewirtschaftung für den Osten des Stadtteils Eglosheim beschlossen.
Die Stadtverwaltung verweist auf fehlende Flächen
Wären Containerdörfer also eine Lösung wenigstens für die ärmsten der Studierenden an den fünf Hochschulen der Barockstadt? Die Stadtverwaltung von Ludwigsburg sagt Nein und verweist auf fehlende Flächen in der Kernstadt und auf die hohen Kosten rund um das Aufstellen der Wohncontainer.
Ein Lied davon zu singen weiß Torsten Bartzsch, Bürgermeister der Gemeinde Murr. Er hat für etwa 60 bis 70 Geflüchtete auf einem Areal Wohncontainer angemietet. Allein die Erschließungskosten bewegen sich bei rund 185 000 Euro, die Miete der 13 Quadratmeter großen Container summiert sich auf jährlich 150 000 Euro. Später mal an Studierende vermieten wolle die Gemeinde nicht, so Bartzsch: „Die Unterkünfte sind temporär – sie liegen in der Nähe einer Trasse für eine Stadtbahn.“
Tatsächlich bräuchte die Stadt Ludwigsburg für ein Studentendorf aus Wohncontainern ein Baufeld, erklärt die Erste Bürgermeisterin Renate Schmetz, die für Bildung und Soziales in der Stadt zuständig ist. „Wir können nicht einfach Container auf die Bärenwiese stellen.“ Wegen der Erschließungskosten seien Tiny Häuser kaum günstiger als Neubauten. Stelle man die Container zweigeschossig auf, stiegen die Kosten nochmals, da – wie auch in Murr – zusätzliche Metalltreppen für Brandfluchtwege angebracht werden müssten. Der Hauptgrund gegen solche Studentendörfer seien aber fehlende Flächen. Alle möglichen Areale der Stadt seien für den Wohnungsbau oder für das Gewerbe verplant. Und in entlegenen Stadtteilen wie Poppenweiler wären nur kleine Einheiten möglich, was sich nicht lohne. Schmetz ist ohnehin dagegen: „Studentenwohnungen sollten in der Stadt liegen, damit ein kommunikativer Austausch unter den jungen Leuten möglich ist.“
Strategisch fährt die Ludwigsburger Stadtverwaltung mehrgleisig, um der Wohnungsnot zu begegnen. Die Lage hält Renate Schmetz in Ludwigsburg nicht nur für Studierende für schwierig. „Auch andere Berufstätige wie etwa Handwerker oder Pflegende suchen preiswerten Wohnraum.“ Die Mieten bewegten sich durchschnittlich deutlich über 10 Euro pro Quadratmeter – besonders begehrt seien Wohnungen unter dieser Grenze. Teuer werde es bei Neubauten, aber auch bei Kernsanierungen. „Wir stehen deshalb mit Eigentümern im Gespräch darüber, ob auch eine weniger intensive Sanierung möglich ist, um preiswerten Wohnraum zu erhalten.“
Auf dem Gelände eines Sex-Shops entstehen 27 Studentenappartements
Grünes Licht hat das Ludwigsburger Bauamt kürzlich auf dem Gelände eines Sexshops an der Mathildenstraße gegeben. Dort sollen 27 Studentenappartements entstehen. Noch im Frühjahr hatten Stadträte moniert, dass das Projekt zu wenig Parkplätze aufweise und die 31 geplanten Appartements zum Teil eine zu geringe Wohnqualität hätten. „Der Bauherr hat nun das Untergeschoss umorganisiert und sieben Tiefgaragenplätze geplant“, sagt Peter Fazekas, Leiter des Bürgerbüros Bauen bei der Stadt Ludwigsburg. Damit seien die Voraussetzungen für die Baufreigabe erfüllt worden. Wichtigste Adresse für Wohnraum bleibt das Studierendenwerk Stuttgart. Dort ist man bereit, flexible Lösungen zu entwickeln.
Beim Projekt „Mobile Living“ der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart sollen Fertigbau-Module zum Einsatz kommen. „Wir sind mit der Hochschule über eine Zusammenarbeit im Austausch“, sagt Sprecherin Anita Bauer. Bisher sei von anderen Städten nur das Beispiel Kiel bekannt. Dort habe das Studierendenwerk zwei Tiny Häuser als Sozialprojekt aufgestellt. Auf temporäre Vermietungen hat das Studierendenwerk Stuttgart ein Auge. Es hat von 2020 bis 2023 im Stadtteil Rot 23 Wohnungen einer Genossenschaft befristet vermietet. Die Häuser sollten abgerissen werden – bis dahin könne man dort wohnen.
Wie unterstützt das Land die Studierendenwerke?
Aufgabe
Das Studierendenwerk Stuttgart ist für rund 58 000 Studierende von 15 Hochschulen da – an den Standorten Stuttgart, Stuttgart-Vaihingen, Ludwigsburg, Esslingen, Göppingen und Horb. Das Werk betreibt 31 studentische Wohnanlagen mit 5801 Wohnplätzen.
Förderung
Das Land fördert Wohnbau und Sanierungsarbeiten des Studierendenwerks. Der Zuschuss von 8000 Euro pro Bettplatz ist laut Studierendenwerk angesichts der heutigen Baukosten zu gering. Das Land habe eine Erhöhung des Zuschusses zugesagt.
Erhöhung
Das Wissenschaftsministerium des Landes muss die Höhe des Zuschusses noch ermitteln. Es verfügt 2023 über 42 Millionen Euro aus dem Programm „Junges Wohnen“ auf fünf Jahre. Die Studierendenwerke planten 1100 neue Wohnheimplätze.