Abgeblasen: In diesem Jahr wird es in Esslingen weder einen Weihnachtsmarkt, noch eine Weihnachtszeit geben Foto: SDMG/Kohls

Die Corona-Pandemie fordert ihren Tribut. Die Weihnachtszeit 2020 wurde jetzt abgesagt. Auch der „Heilige Vormittag“ und der Fackellauf stehen auf der Kippe.

Esslingen - Die Stadt Esslingen zieht die Notbremse. Angesichts ungebremst steigender Ansteckungszahlen mit dem Coronavirus wird die „Esslinger Weihnachtszeit 2020“ ersatzlos gestrichen. Einen Ersatz wird es nicht geben. Darauf verständigte sich jetzt der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger mit allen Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderates und der veranstaltenden Esslinger Markt und Event (EME) Gesellschaft.

Der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt alter Prägung war schon Ende August der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Zwischenzeitlich hatten die Organisatoren mit einer Insellösung geliebäugelt, auf dem Marktplatz, dem Rathausplatz und dem Hafenmarkt hätten überschaubare Themeninseln zum Verweilen eingeladen. Auch diese Variante ist jetzt verworfen worden.

Esslingen ist Corona-Hotspot

Einer Mitteilung aus dem Rathaus zufolge ist die einmütig, auch in Absprache mit der Gastronomie und dem Handel in der Stadt, beschlossene Absage der dynamischen Entwicklung der Infektionszahlen im Landkreis Esslingen geschuldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei 80,2. Im Stadtgebiet Esslingen hat es, hochgerechnet auf 100 000 Einwohner, in den vergangenen sieben Tagen 58,4 Ansteckungen gegeben.

Aktuell zählt Esslingen bundesweit zu den Landkreisen mit den höchsten Infektionswerten. Es gilt die Eingriffsstufe, von der an verschiedene Maßnahmen in Kraft treten und die tags zuvor von der Bundeskanzlerin Angela Merkel in Absprache mit den Länderchefs noch einmal verschärft worden war. So wird die Teilnehmeranzahl ab Samstag, den 17. Oktober, bei privaten Feiern im privaten Kreis auf zehn Teilnehmer aus höchstens zwei Haushalten begrenzt, private Feiern in öffentlichen Räumen ebenfalls auf zehn Teilnehmer. Wird, wie zuletzt in Stadt und Kreis, ein Inzidenzwert von 50 überschritten, dann ist in den Gaststätten und Restaurants spätestens um 23 Uhr Zapfenstreich.

Sicherheit stehe an erster Stelle

 

„Das übergeordnete Ziel der Stadt Esslingen ist der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung und die Eindämmung des Infektionsgeschehens“, sagt Jürgen Zieger. Die Sicherheit der Bürger stehe an erster Stelle. Es müsse alles dafür getan werden, tun, Infektionsketten zu durchbrechen und die Anzahl der Neuinfektionen zu reduzieren. „Dazu gehört leider auch der Verzicht auf öffentliche Veranstaltungen wie es die ‚Esslinger Weihnachtszeit’ gewesen wäre“, so der Verwaltungschef.

Auch die Esslingen Markt und Event Gesellschaft bedauert die Absage. „Mit der Esslinger Weihnachtszeit 2020 wollten wir den Menschen in der dunklen Jahreszeit einen Lichtblick geben und der Innenstadt einen Frequenzbringer schenken“, sagt deren Geschäftsführer, Michael Metzler. Gegen eine Durchführung habe auch gesprochen, dass die Wirtschaftlichkeit für die Marktbeschicker nicht garantiert hätte werden können. Bei einem Inzidenz-Wert von mehr als 50 hätte eine kurzfristige Unterbrechung oder der Abbruch der Veranstaltung gedroht – mit finanziellen Einbußen für alle Beteiligten. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht und bis zum Ende versucht, in einem Esslinger Weg möglich zu machen, was möglich ist“, sagt Metzler. Letztlich sei jedoch der Korridor immer enger geworden.

Herber Verlust für den Handel

Für Handel, Gewerbe und Gastronomie in der Stadt ist die Absage des Mittelalter- und Weihnachtsmarkts ein herber Verlust. Einer Untersuchung der Universität Tübingen zufolge lässt jeder Besucher des weit über die Grenzen des Landes hinaus beliebten Spektakels rund 35 Euro in der Stadt liegen. In den vergangenen Jahren hatte die geschätzte Besucherzahl regelmäßig die Millionenmarke gerissen.

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