Sollen Menschen, die gegen das Corona-Virus geimpft wurden, schneller wieder mehr Freiheiten erhalten? Diese Frage wurde in den vergangenen Tagen heiß diskutiert. Die EZ hat die Esslinger gefragt, was sie denken.

Esslingen - Nicht einmal drei Prozent der Menschen in Deutschland waren Anfang Februar gegen Covid-19 geimpft. Dennoch wird seit einigen Tagen die Diskussion darüber geführt, ob Geimpfte schneller von Einschränkungen zum Infektionsschutz befreit werden sollten, als der Rest der Bevölkerung. Ob sie beispielsweise bald in Restaurants essen dürfen oder reisen. Der Ethikrat sprach sich gegen Erleichterungen nur für Impflinge aus. Doch es gibt auch Stimmen, die mahnen, dass die Einschränkung der Grundrechte für Geimpfte nicht mehr zu rechtfertigen ist. Beide Meinungen sind auch bei Passanten in Esslingen vertreten, wie eine Straßenumfrage zeigt.

Alexandra Bauer (24), Esslingen:

Solange nicht geklärt ist, ob Geimpfte weiter ansteckend sein können, sollte man Einschränkungen für sie nicht lockern. Wenn nur sie selbst durch die Impfung geschützt wären, sie sich frei bewegen und dabei andere anstecken würden: Das wäre nicht sozial. Wenn klar ist, dass Geimpfte nicht ansteckend sind, sind Lockerungen okay.

Ingrid Hällfritzsch (60), Esslingen:

Ich bin dafür, dass Menschen mit einer Impfung gegen das Coronavirus schneller Erleichterungen bekommen. Alles andere fände ich unverständlich. Die Gegenstimmen erinnern mich an die Neidgesellschaft. Es gibt doch immer Menschen, die mehr haben als man selbst. Warum sollten die, die geimpft sind, nicht Vorteile haben, und die anderen warten? Damit hätte ich kein Problem. Ich finde eher schlimm, dass der Ethikrat das ablehnt.

Martina Kleske (50), Süßen:

Nein, ich finde nicht, dass Geimpfte schneller Erleichterungen bekommen sollten. Es dauert ja, bis alle durchgeimpft sind. Das kann sich noch sehr lange hinziehen. Deswegen wäre es sehr ungerecht, wenn nur die, die schon geimpft sind, Erleichterungen bekämen.

Anna P. (27), Stuttgart:

Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist, sich impfen zu lassen. Privilegien für Geimpfte fände ich aber schwierig. Meiner Meinung nach würde dabei schon allein durch den Fakt, dass nicht genügend Impfstoff vorhanden ist, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entstehen, die nicht aus der Bereitschaft zur Impfung heraus resultiert, sondern daraus, dass gar nicht die Möglichkeit besteht, dass sich alle impfen lassen können.

Thomas K. (29), Stuttgart:

Darüber sollte man sich erst dann Gedanken machen, wenn man ausreichend Impfstoff für alle Schichten zur Verfügung hat. Und es ist wichtig, dass geklärt ist, ob Geimpfte andere anstecken können oder nicht. Erst wenn da belastbares Material da ist, kann man eine vernünftige Entscheidung treffen.

Peter Huber (39), Esslingen:

Wenn es um Senioren in Pflegeheimen geht, bin ich stark dafür, dass diese aus ihrer sozialen Isolation wieder ein stückweit rauskommen. Bei Leuten, die nicht in einer Betreuungseinrichtung leben, fände ich Erleichterungen grenzwertig. Man muss einfach so solidarisch sein und sagen: Solange es nicht für alle gilt, gilt es für den Einzelnen auch nicht.

Christian Ottersbach (49), Esslingen:

Ich sehe es wie Peter Huber. Zumal nicht ganz geklärt ist, ob man, auch wenn man geimpft ist, die Krankheit weiter übertragen kann. Insofern sollte man auch weiter vorsichtig sein und hier Rücksicht nehmen.

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