Mit feinem linken Fuß: Enzo Millot vom VfB Stuttgart Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Beim Erstrundensieg im DFB-Pokal zeigt sich, dass Enzo Millot im Mittelfeld des VfB Akzente setzen kann – aber das ist nicht der einzige Fortschritt bei den Stuttgartern.

Da lag er nun. Auf dem Rasen des Reutlinger Stadions, von einem Krampf geplagt. Nach nur einer Stunde war für Enzo Millot die Luft raus. Der Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart musste ausgewechselt werden – und der Trainer rätselt über die Hintergründe. „Da müssen wir schauen, wie das sein kann“, sagt Sebastian Hoeneß.

Klar, der 21-jährige Franzose fehlte während der Saisonvorbereitung zehn Tage lang im Mannschaftstraining, absolvierte aufgrund von muskulären Problemen nur ein individuelles Programm. Doch es ging im DFB-Pokal gegen die TSG Balingen, einen Regionalligisten. Tempo und Intensität waren beim sicheren 4:0-Erfolg des Bundesligisten nicht allzu hoch.

Dass Millot viel gelaufen ist, erklärt die vorzeitige Herausnahme dann auch nur bedingt. Mehr als ein zusammengezogener Muskel ließ sich am Sonntag nicht feststellen. Bis dahin ist beim VfB aber auf jeden Fall viel über den Techniker gelaufen. Das 1:0 erzielte der Mann mit der Rückennummer Acht selbst (25.), das Tor zum 3:0 durch Serhou Guirassy bereitete er vor (43.). Dazu trafen noch Silas Katompa per schickem Schlenzer (34.) und Wataru Endo (55.).

Das sagt Sebastian Hoeneß zum Spielmacher

Fast schon ein fußballerischer Spaziergang war die Begegnung mit den Balingern, die ein kleines Volksfest am Ausweichspielort organisiert hatten. Die Gastgeber präsentierten sich als rührig außerhalb des Platzes und brav auf dem Feld. Zu einem Pokalkampf wurde die Erstrundenpartie vor 13 400 Zuschauern so nicht. Dafür spielten die Stuttgarter zu seriös und souverän.

Mit einem Millot in ihren Reihen, der seine Rolle im Team gefunden hat. Auf der sogenannten Zehn als Spielmacher. „Das ist seine Position“, sagt Hoeneß, „von da muss er in die freien Räume laufen, um das Spiel zu kreieren.“ Das Talent sprintet nun häufig zwischen die gegnerischen Linien, dreht sich mit feinem linken Fuß stark nach vorne auf, weiß mit dem Außenrist seine Mitspieler einzusetzen und sucht selbst den Abschluss.

Elegant sind die Bewegungen am Ball, aggressiv, wenn er das Spielgerät erobern will. Hoeneß hat es offenbar geschafft, Millot den richtigen Ablauf für seine Berufsausübung zu vermitteln: Erst kommen die Grundtugenden wie Lauf- und Einsatzbereitschaft, danach soll er seine Kreativität und Risikobereitschaft in der Offensive ausleben. Schon während der Endphase der Vorsaison klappte das gut, und jetzt wird der Mittelfeldspieler mehr und mehr zum prägenden Faktor.

Hinter sich weiß Millot dabei Wataru Endo und Atakan Karazor – erfahrene Akteure mit Zweikampfqualitäten und strategischem Geschick. Von diesem Mittelfeldmix profitiert das Stuttgarter Spiel. Auch, weil Millot in Guirassy genau den Stürmer vor sich hat, mit dem er sich nicht nur auf dem Platz prächtig versteht.

Der Blick auf Bochum

„Wir haben gegen Balingen eine gute Mischung aus Geduld, Spielfreude und Abgeklärtheit gezeigt“, sagt Fabian Wohlgemuth. Der Sportdirektor sieht darin einen Entwicklungsschritt der Mannschaft über den Zweitrundeneinzug hinaus. Jedenfalls wenn sich die Haltung der VfB-Elf verfestigt, dass sie zunächst als Gruppe konsequent verteidigen muss. „Ich habe eine Mannschaft gesehen, die wusste, um was es geht“, sagt Hoeneß. Gegen das viertklassige Team von TSG-Coach Martin Braun war die Stuttgarter Defensive dabei kaum gefordert, aber die Abwehr vor dem neuen Torhüter Alexander Nübel erlaubte sich erst gar keine Nachlässigkeiten.

Mit Blick auf den Ligastart am Samstag gegen den VfL Bochum ist das ein gutes Zeichen. Viel mehr bedeutet es erst einmal nicht. „Auf anderer Ebene müssen wir da die gleichen Eigenschaften an den Tag legen“, sagt Hoeneß, der zumindest einen Großteil seiner Anfangsformation für die Heimpartie gegen die Bochumer gefunden hat. Denn gegen die Balinger lief dieselbe Startelf auf wie eine Woche zuvor beim Härtetest gegen den englischen Premier-League-Aufsteiger Sheffield United (3:0).

Große Veränderungen sind da nicht mehr zu erwarten, gibt der Trainer zu. Zumal sich die Automatismen einspielen und das frisch abgemischte Verhältnis zwischen Kampf und Kunst passt. Beispielhaft nachzuvollziehen an Millots Fortschritten. Vor zwei Jahren kam er als 19-Jähriger von der AS Monaco nach Stuttgart. Die fußballerische Begabung war dabei sofort erkennbar.

Doch Verletzungsprobleme, Anpassungsschwierigkeiten an den Fußball in Deutschland und unprofessionelles Verhalten (Tattoo vor einem Spiel stechen lassen) ließen Zweifel an dem jungen Spieler aufkommen. Geduld war gefragt. Hoeneß traut Millot nun viel zu und hat wohl den Weg gefunden, wie er den selbstbewussten Franzosen zu führen hat. „Jetzt müssen wir schauen, dass wir ihn gegen die Bochumer länger auf dem Platz haben“, sagt der Trainer.