Beim Göppinger Werkzeugbauer Cartec Tooling sprang ein potenzieller Investor in letzter Minute ab. Auch die Firma Allgaier steht zum Verkauf. Der Deal mit einem chinesischen Investor ist aber immer noch nicht in trockenen Tüchern.
Die Verhandlungen waren auf der Zielgeraden, doch der Investor bekam doch noch kalte Füße: Nun gehen beim Göppinger Werkzeugbauern Cartec Tooling im Sommer die Lichter aus. 140 Beschäftigte werden ihren Job verlieren. Frank Mittendorf, Geschäftsführer des insolventen Unternehmens, das bis vor zwei Jahren zu Schuler gehörte, ist sich sicher: „Ohne den Krieg wäre es anders ausgegangen.“ Putins brutaler Angriff gegen die Ukraine sei letztlich der Auslöser dafür gewesen, dass der Verkauf geplatzt ist und spätestens im Juli weitere Produktionshallen an der Filstalachse leer stehen werden.
Der Investor wird nicht genannt
Wenige Kilometer weiter, bei Allgaier in Uhingen, geht unter den Mitarbeitern nun die Sorge um, dass es ihnen genauso ergehen könnte. Der Uhinger Automobilzulieferer, dessen Hauptgesellschafter der frühere Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt ist, steht vor dem Verkauf an einen chinesischen Investor. Um wen es sich handelt, darüber schweigen sich alle Beteiligten aus. Der Deal ist noch immer nicht in trockenen Tüchern, bestätigte am Montag Unternehmenssprecherin Christine Gnädig. Sie sieht jedoch „keine Gefahr“, dass der Investor im Zuge des Krieges abspringen könnte, weil die Risiken durch Putins Angriff für die weltwirtschaftliche Lage nicht absehbar seien. Einzige Auswirkung der kriegerischen Auseinandersetzung sei derzeit, dass durch die starke Abwertung des Rubels Aufträge aus Russland auf Eis lägen. Die Verhandlungspartner lägen „in den letzten Zügen“, sagt Gnädig. Ursprünglich sollte der Verkauf jedoch schon Anfang des Jahres unter Dach und Fach sein.
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Es gibt durchaus Parallelen zwischen beiden Unternehmen. Cartec Tooling geriet in finanzielle Schieflage und schlitterte schließlich in die Insolvenz. Und auch Allgaier musste den Rotstift ansetzen und brauchte dringend Geld. Sehnlichst wartete der Mittelständler bis Ende 2020, dass alle Zusagen der Banken eintrafen. Irgendwann war klar, dass ein Investor als Rettungsanker dienen musste. Nach Informationen unserer Zeitung soll der chinesische Investor 90 Prozent der Anteile aufkaufen. Fest steht: Einer der Allgaier-Geschäftsführer, Jürgen Ladwig, wurde in der vergangenen Woche verabschiedet. Sein Vertrag wurde offenbar nicht um ein weiteres Jahr verlängert. Insider werten dies als Hinweis darauf, dass bei Allgaier die neue Ära eingeläutet wird.
In diesen Zeiten springen viele Kaufinteressenten ab
Dass die Suche nach einem Investor in diesen Zeiten schwierig ist – vor allem in der Automobilbranche, die massiv mit dem Transformationsprozess kämpft – führt das Beispiel Cartec Tooling deutlich vor Augen. Von potenziellen 30 bis 40 Käufern, die grundsätzliches Interesse signalisiert hätten, seien letztlich noch zehn übrig geblieben, die sich ernsthaft mit dem Unternehmen beschäftigt hätten, sagt der Geschäftsführer Frank Mittendorf. Sechs Interessenten hätten sich den Betrieb schließlich vor Ort angeschaut, und am Schluss war nur noch einer übrig, der sich tatsächlich vorstellen konnte, Cartec Tooling zu kaufen. Auch bei Allgaier standen potenzielle Geldgeber offenbar nicht Schlange. Am Schluss blieb einer übrig.