Sei es in der Schule oder privat: Das Thema Klima ist für Maja Culum (links) und Fabiola Fink (rechts) ständig präsent. Foto: privat (2), Montage: Maria Pichlmaier

Wie stellen sich Jugendliche ihre Zukunft vor? Träumen sie vom eigenen Auto? Wollen sie mal Kinder? Fabiola Fink (15) von der Schwäbischen Alb und Maja Culum (17) aus Stuttgart sind sich nicht immer einig.

Die Klimakrise und die Energiewende zeigen sich in der Stadt und auf dem Land unterschiedlich: Während Windräder vor allem auf dem Land gebaut werden, ist in Städten die Luftbelastung meist höher. Ein guter ÖPNV ist in Stuttgart selbstverständlich, auf der Schwäbischen Alb kommt man ohne Auto nicht weit. Darüber reden Fabiola Fink (15), die auf der Alb wohnt, und Maja Culum (17) aus dem Stuttgarter Westen. Außerdem geht es ums Fleischessen, Kinderkriegen und die Letzte Generation.

Maja, du wirst bald 18, willst du dir ein Auto kaufen?

Maja: Ich habe schon Lust, ein Auto zu kaufen. Also irgendwann mal.

Was verbindest du mit einem Auto?

Maja: Selbstständigkeit und Mobilität, und man gewinnt ja total viel Zeit im Alltag.

Gibt es Strecken, auf denen du mit dem Auto viel schneller wärst?

Maja: Ich fahre bisher gar nicht so weit weg. Momentan wäre ein Auto überflüssig, aber später im Leben hätte ich es gern.

Wie ist es bei dir, Fabiola?

Fabiola: Ich weiß noch nicht, ob ich später mal ein Auto will. Wenn ich noch eine Weile auf der Schwäbischen Alb wohne, hätte ich gerne eins. Ich spare aber schon für den Führerschein.

Maja: Bei mir bezahlen meine Eltern den Führerschein, da habe ich großes Glück.

Wie kommt ihr bisher zur Schule?

Fabiola: Ich fahre mit dem Schulbus. Bei uns direkt neben dem Haus gibt es eine Haltestelle, aber da fährt nur in Schulzeiten ein Bus.

Maja: Ich fahre mit Bus oder Bahn, und die fahren alle vier Minuten.

Und wie lange braucht ihr?

Fabiola: Beim Hinfahren ist es anders als beim Zurückfahren. Beim Hinweg sind es 20 Minuten, beim Rückweg fährt der Bus noch über andere Dörfer, da ist es ungefähr eine Stunde.

Maja: Ich brauche so 20 Minuten.

Welche Gedanken macht ihr euch übers Klima?

Maja: Das ist immer gegenwärtig. In der Schule wird das die ganze Zeit behandelt. In meiner Freizeit mache ich mir nicht viele Gedanken darüber, aber ich versuche, nachhaltig zu leben. Aber Angst wegen dem Klimawandel zu haben, finde ich Zeitverschwendung. Ich kann ja nicht so viel an der Situation ändern.

Fabiola: Bei mir ist es andersrum. In der Schule machen wir relativ wenig zu Klimawandel und Klimaschutz. Höchstens mal ganz kurz als Thema in Geografie oder so. Aber in meiner Freizeit beschäftige ich mich öfter damit.

Maja: Bei uns besteht der ganze Geo-Unterricht nur aus Klimawandel und auch die ganzen Projekttage. Man ist die ganze Zeit damit konfrontiert.

Informiert ihr euch selbst über den Klimawandel?

Maja: Halt über so Protestbewegungen, wie hießen noch mal diese Klimakleber?

Letzte Generation?!

Maja: Ja, über die habe ich mich informiert. Ich verstehe die total, aber ich weiß nicht, ob es der richtige Weg ist, sich an die Straße zu kleben. Damit werden ja auch andere Leben riskiert, zum Beispiel wenn ein Krankenwagen nicht durchkommt. Jedenfalls interessiert mich das alles schon, aber ich google jetzt nicht, wann der Planet kaputt geht.

Fabiola: Ich kann auch verstehen, warum man so was macht wie die Letzte Generation, aber gerade habe ich so ein bisschen Angst. Ich war schon mal bei einer Demo von Fridays for Future, und ich befürchte, dass man das dann nicht mehr trennt, also dass man jeden, der sich irgendwie fürs Klima engagiert, als Klimakleber identifiziert. Ich finde, das ist nicht der richtige Weg, um gerade die Mitte der Gesellschaft zu überzeugen.

Seid ihr teils wütend auf die Älteren, dass alles so gekommen ist?

Fabiola: Ich spüre manchmal schon eine Wut, aber ich denke, dass es falsch ist, die Schuld auf die älteren Leute zu schieben. Denn gerade Leute im mittleren Alter und auch viele Jugendliche verhalten sich ja genau gleich. Klar, es war vielleicht diese andere Generation, die das bisher hauptsächlich verursacht hat, aber das meiste geht jetzt gerade so weiter. Es gibt auch ältere Leute, die voll für Klimaschutz sind, aber es gibt halt einfach auch ältere und jüngere Leute, die das gar nicht interessiert und die auch gar nichts ändern wollen.

Maja: Ich habe keine Wut, weil ich finde: Es ist jetzt schon passiert, und warum soll ich dann noch wütend sein? Wir müssen mit der jetzigen Situation umgehen. Ich kann mein Leben nur durch jetziges Handeln aktiv beeinflussen, und die Wut bringt mich halt nicht weiter, die macht mich nur sauer und unglücklich.

Ist Fisch, Fleisch, vegane Ernährung ein Thema in eurer Familie?

Maja: Ich esse Fleisch, aber wir kaufen nur qualitativ hochwertiges Fleisch und auch nicht so oft. Genauso bei Fisch.

Fabiola: Ich ernähre mich seit ungefähr zwei Jahren vegetarisch. Deshalb ist es auch ein Thema in meiner Familie, sonst isst bei uns nämlich jeder Fleisch. Und wenn ich bei uns in der Gegend essen gehe, dann habe ich nur eine kleine Auswahl. Aber das finde ich eigentlich gut, dann muss ich nicht so lange überlegen, was ich bestelle.

Es sollen ja viel mehr Windräder gebaut werden. Würde euch ein Windrad in der Nachbarschaft stören?

Maja: Windräder sind ja was Gutes für die Umwelt. Aber sie sind bei mir kein so großes Thema, in Stuttgart sehe ich ja keins. Das ist bei mir so ein bisschen mit Autobahn assoziiert.

Fabiola: Bei uns ist vor Kurzem ein paar Kilometer entfernt ein Windrad gebaut worden, und das hat ewig lang gedauert, bis das mal stehen konnte, da gab es so viele Gegner. Generell sind bei uns im Dorf ziemlich viele einfach sehr krass gegen Windräder generell.

Und kannst du sie verstehen?

Fabiola: Eigentlich nicht, weil der Hauptgrund ist immer, dass Windräder die Wälder zerstören. Aber gerade bei dem Windrad, das jetzt gebaut wurde, wurde gar kein Wald zerstört. Und es gibt so oft irgendwelche Ausbauten von Straßen oder Ähnlichem, was einfach viel mehr die Umwelt zerstört als die Windräder.

Möchtet ihr mal Kinder?

Maja: Hmm, ja.

Fabiola: Weiß nicht genau. Generell hätte ich schon gerne Kinder. Aber dann gibt es auch so Phasen, wo ich denke, eigentlich will ich kein Kind in diese Welt setzen. Ich weiß nicht, ob man das verstehen kann.

Wie stellt ihr euch die Zukunft vor, wenn ihr so alt seid wie eure Eltern heute?

Maja: Ich denke, dass das Wetter anders sein wird, denn das Klima verändert sich ja schon. Aber vielleicht hat man dann auch so Geoengineering-Prozesse, vielleicht hat man etwas gefunden, das den Klimawandel aufhalten kann – ich hoff’s.

Fabiola: Ich glaube, es könnte eine gute Zukunft werden, also dass noch viel Natur vorhanden ist. Aber es könnte halt auch anders sein: mit Wetterextremen und Waldbränden und so. Deswegen habe ich da schon bisschen Angst. Meine Traumvorstellung wäre, dass nicht mehr so viel konsumiert wird, also an allem, und alles ein bisschen minimalistischer wird.

Wie sind eure Urlaubspläne für dieses Jahr?

Fabiola: Wenn wir in den Urlaub gehen, gehen wir meistens campen. Dann fahren wir mit dem Auto meistens nach Italien oder Frankreich. Also nicht so weit weg und nicht so spektakulär. Geflogen bin ich noch nie.

Würdest du gern mal?

Fabiola: Ich würde nicht gern fliegen wollen, gerade wegen dem Klima. Aber ich würde gerne mal weiter weg, um die Welt zu sehen. Aber es gibt ja auch andere Möglichkeiten, zum Beispiel kann man mit dem Containerschiff mit, weil das ja eh fährt. So was finde ich ganz cool.

Wie ist es bei dir, Maja?

Maja: Ich weiß bis jetzt, dass ich nach England fliege, da gehe ich alleine hin. Und vermutlich gehe ich noch eine Woche nach Spanien mit Freundinnen, und dann vielleicht noch nach Kroatien mit meiner Familie.

Eine wohnt auf dem Land, eine in der Stadt

Fabiola Fink
Die 15-Jährige lebt auf der Schwäbischen Alb in Inneringen, das gehört zu Hettingen – mit knapp 1800 Einwohnern die kleinste Stadt Baden-Württembergs. Sie ist Klassensprecherin, interessiert sich für Klimafragen und engagiert sich immer wieder bei Projekten, vor Kurzem war sie mit anderen Jugendlichen im EU-Parlament und hat Vorschläge gemacht, wie die Klimapolitik vorankommen könnte. Mit ihrer Einstellung sei sie in ihrem Dorf eher die Ausnahme, sagt sie. Shoppen geht sie ungern, sie trägt am liebsten Secondhand, ernährt sich vegetarisch und ist noch nie geflogen. Was sie beruflich einmal machen will, weiß sie noch nicht genau. Kunst oder Politik seien in der engeren Auswahl.

Maja Culum
Die 17-Jährige lebt im Stuttgarter Westen und besucht die Jahrgangsstufe 1 des Hölderlin-Gymnasiums. Sie hat zwei Geschwister und macht viel Sport, unter anderem Tennis. Weil ihr Vater aus Kroatien stammt, fährt die Familie mindestens einmal pro Jahr nach Kroatien. Sie mag Reisen und fliegt daher auch hin und wieder. Inlandsflüge lehnt sie aus Klimaschutzgründen aber ab. Bei einem Streik von Fridays for Future war Maja Culum noch nie, findet die Bewegung aber generell gut. Konsumgüter wie Klamotten kauft sie selten und versucht dabei auf nachhaltige Produkte oder Secondhand zu achten. Sie isst Fleisch, aber kein Fastfood. Sie weiß bereits, dass sie keine Lehrerin werden will. (ana/jub)