Noch wird gebaut, sobald die Arbeiten abgeschlossen sind und die Pandemielage es erlaubt, soll der Sportpark Weil bezogen werden. Foto: Roberto Bulgrin

Die Leserinnen und Leser der EZ haben 138 Namensvorschläge für den Sportpark in Weil eingereicht. Weil es im Sportausschuss ein Patt gab, entscheidet nun der Gemeinderat darüber, wie das Gelände an der B 10 endgültig heißen soll.

Esslingen - Yalcin Bayraktar stutzte kurz. „Mir bleibt nichts anderes übrig, als die Entscheidung in die nächste Gemeinderatssitzung zu geben“, sagte Esslingens Sportbürgermeister dann. Geplant war es anders: Weil es im Sportausschuss des Gemeinderats am frühen Mittwochabend ein Patt gab, entscheidet nun die Vollversammlung der Räte in ihrer Sitzung am 17. Mai endgültig darüber, wie das bald frisch hergerichtete Sportgelände an der B 10 heißen soll. Die Bauarbeiten sollen in wenigen Wochen abgeschlossen sein.

138 Vorschläge hatten Leserinnen und Leser der Eßlinger Zeitung eingereicht. Zwei Namen wählte eine Jury aus Stadtverwaltung, den Betreibervereinen SV 1845 Esslingen und FC Esslingen sowie Sportverband und Eßlinger Zeitung daraus aus und gab sie in den Sportausschuss: „Neckar-Sportpark Esslingen“ und „Sportpark Weil“.

Jeder konnte sich beteiligen

Das Gremium diskutierte etwa eine halbe Stunde lang, wog Für und Wider ab. Es gab gar ganz neue Vorschläge, die Sitzungsleiter Bayraktar konterte: „Wir haben uns auf einen Prozess geeinigt, den wir im Ausschuss vorgestellt haben. Jeder hätte sich mit einem Vorschlag beteiligen können.“ Dann kam es zur Abstimmung: Die SPD (2 Stimmen) und die Grünen (2) votierten für „Neckar-Sportpark Esslingen“, die CDU (2), die Linken (1) und die FDP (1) für „Sportpark Weil“, die Freien Wähler gaben jedem der beiden Namen eine Stimme – macht 5:5.

Nach der Sitzung betonte Bayraktar das Positive: „Die knappe Entscheidung wird dem Prozess durchaus gerecht und sie zeigt, dass beide Namen gut sind“, sagte er. „Der Beschluss des Gemeinderates wird dazu führen, dass die Entscheidung politisch breit getragen wird.“

Unter anderem Leserin Julia Hüttmann hatte den Vorschlag „Neckar-Sportpark Esslingen“ an die EZ-Sportredaktion geschickt. Ihr Sohn kickt beim FCE und sie findet sowohl den Verein als auch das Gelände „toll“. „Der Neckar ist nicht weit weg und es heißt ja auch ‚Esslingen am Neckar’“, erklärt Hüttmann, „der Neckar-Sportpark wird hoffentlich ein Wahrzeichen Esslingens werden.“

Gelände ist für alle da

Der Vorschlag „Sportpark Weil“ wurde unter anderem von Dorothea Schaller eingereicht – sie hatte sogar ein Logo gemalt. Obwohl sie in Neuhausen wohnt, beobachtet sie das (Sportler-)Leben in Esslingen interessiert. „Der Name ‚Sportpark Weil’ ist bereits in den Köpfen der Menschen und er hat einen Bezug zu dem Stadtteil, in dem das Gelände liegt“, sagt Schaller. Und erklärt: „Wir hatten in Neuhausen mal ein Café, das irgendwann einen neuen Namen bekam, aber alle haben weiterhin den bekannten verwendet.“ Wie den Mitgliedern der Jury war beiden Ideengeberinnen wichtig, dass der Begriff „Park“ in dem Namen vorkommt: „Es ist nicht nur ein Sportplatz, sondern einfach ein Sportpark für alle Bürger“, erklärt Dorothea Schaller. Fußballplätze gibt es, eine Multifunktionshalle, zwei Freilufthallen und sogar einen Bouleplatz.

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Beide EZ-Leserinnen trafen damit den Nerv von Bayraktar voll. „Die hohe Beteiligung an der Namensfindung zeigt, dass das Interesse der Menschen an dem Gelände in Weil groß ist“, sagt der Sportbürgermeister – an einem Gelände, das nicht nur für Leistungssportler da sein soll, sondern für die gesamte Bevölkerung.

Bayraktar hatte im Vorfeld erklärt, mit beiden Namen gut leben zu können. Eine entscheidende Stimme im Sportausschuss hat er jedoch nicht, das ist bei Sitzungen dieser Art dem direkt gewählten Oberbürgermeister vorbehalten. Auch, dass die Jury, die die Vorschläge zunächst auf zehn und dann auf drei reduziert hatte, eine leichte Präferenz für den „Neckar-Sportpark Esslingen“ hatte, änderte nichts an der Vertagung der Entscheidung.

Vielfältige Ideen

Dass der Name einer Bürgerbeteiligung entspringen wird, ist dennoch ganz nach Bayraktars Geschmack: „Schon bei meinem Start habe ich gesagt, dass ich Wert auf Beteiligungsprozesse lege.“ Immerhin ist der Umbau mit 15 Millionen Euro Gesamtkosten – inklusive der bereits fertiggestellten Sporthalle – die größte Einzelinvestition in Esslingen in den Sport überhaupt. „Ich bin auch froh, dass wir das gemeinsam mit der Eßlinger Zeitung tun konnten, die die Aktion in der Zeitung und in den sozialen Medien platziert hat“, sagt Bayraktar.

Die Vorschläge der EZ-Leser waren vielfältig. Es gab Ideen mit Ortsbezug, einige wenige Bezüge auf Personen des Sport­lebens und sehr kreative bis lustige Wortschöpfungen. Am Ende wählte die Jury zwei Namen mit einem hohen Identifikationsfaktor aus.

Die Vertagung ändert nichts daran, dass die Sportler und Bürger darauf brennen, auf das Gelände zu dürfen. Der Bezug der Fußballplätze ist mit dem EZ-Pokal Ende Juli geplant und die Hoffnung groß, dass die Veranstaltung stattfinden kann. Auch alle anderen Sportler, ob leistungsorientiert oder mit Freizeitgedanken, sowie Bürger, die etwa Lust auf eine Partie Boule haben, freuen sich schon auf das neue Aushängeschild des Esslinger Sports – ob es nun „Neckar-Sportpark Esslingen“ oder „Sportpark Weil“ heißen wird.“

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