Ein Trupp von zwölf Mann ist nötig, um das Riesenrad gen Himmel wachsen zu lassen Foto: Eibne//Roger Bürke

In diesen Tagen wächst mit dem City Star das größte transportable Riesenrad Europas auf dem Flugfeld in die Höhe. Schausteller Sebastian Göbel muss ein Dutzend Aufbauhelfer koordinieren, damit in schwindelerregender Höhe alles reibungslos klappt.

Sebastian Göbel liegt bäuchlings auf dem Ringeisen. So heißen die gebogenen Rundelemente des City Star, des größten transportablen Riesenrads Europas, das er in dieser Woche auf dem Festplatz des Flugfeldes aufbaut. Doch das Vorhaben ist soeben ins Stocken geraten. Eines der Zugseile läuft nicht auf der richtigen Rille. Der 33-Jährige ist von seinem Leitstand zur Seilwinde gekommen, in liegender Position kann er von oben schauen, wo es klemmt. Immer wieder ruft er Kommandos, doch eine der Seilwinden will nicht so, wie er will.

Der Aufbau des City Star ist eine logistische Meisterleistung. Allein sechs Schwertransporter sind nötig, den weißen Riesen von A nach B zu verfrachten. Die Sattelschlepper für die Gondeln sind da gar nicht mitgerechnet. Im Januar stand der 400-Tonnen-Koloss noch im Londoner Hyde Park, bevor er über den Ärmelkanal per Fähre nach Rotterdam und jetzt aufs Flugfeld kam. Am Donnerstag startete dann der Aufbau des Giganten. Dort soll der City Star bis zum 11. Juni stehen – und aus 70 Metern Höhe ganz neue Ausblicke auf die Umgebung erlauben.

„Zunächst stellen wir die sechs Auflieger parallel nebeneinander und verschrauben die Unterkonstruktion. Sie bilden das Fundament des Riesenrads“, sagt Sebastian Göbel, Spross der gleichnamigen Schaustellerfamilie aus Worms. In ihrem Auftrag wurde der City Star 2013 gebaut, er sei eines der modernsten der Welt, sagt er. „Dann werden zunächst die Masten gestellt, auf denen die Mittelachse aufliegt.“ Sie allein wiegt schon 13,5 Tonnen und befindet sich in 35 Metern Höhe. „Wenn das steht, kommen die einzelnen Speichen oder auch Pizzastücke genannt und werden daran befestigt“, sagt Göbel. Doch das Zugseil will immer noch nicht.

„Mit diesen speziellen Tauen ziehen wir die Konstruktion Stück für Stück von unten weiter und stellen so die 24 Speichen des Riesenrads nacheinander auf“, sagt der Schausteller. „Zwei bis drei Aufbauhelfer müssen allerdings nach oben zur Achse klettern, um die Speichen daran zu verbolzen.“

Kein Job für schwache Nerven sei das. „Da muss man schon schwindelfrei sein, sonst geht das nicht.“ Ruhig Blut muss auch er jetzt bewahren, um das Seil wieder zum Laufen zu bringen. Ein Arbeiter ist unter das Fundament des Riesenrads gerobbt, liegt auf dem Rücken und gibt schrittweise nach. Gleichzeitig versuchen Sebastian Göbel und ein Helfer das Tau frei zu bekommen. „Weiter, weiter“, ruft er. Dann wieder „Stop!“. Nach mehrmaligem Hin und Her löst sich das armdicke Tau. Endlich. Göbel kann von dem Ringeisen, das den äußeren Kranz des Riesenrads bildet, wieder runterklettern und zurück an den Leitstand gehen.

Das Seil gibt sich hartnäckig

Von dort aus steuert er die verschiedenen Seilzüge per Knopfdruck und schaut, dass jeder Handgriff sitzt: „Man bräuchte eigentlich noch vier Augen mehr, um alles im Blick zu behalten.“ Doch jeder in seinem Team weiß, was er zu tun hat, ohne viel Aufhebens greift eine Hand in die andere. Nur ein paar Minuten dauert es, bis wieder eine Speiche per Seilzug in die Höhe gezogen und an der Achse fest verschraubt ist. Die Bolzen sind dick wie Kinderarme, mit kräftigen Schlägen hämmern die Arbeiter sie in die jeweiligen Löcher: dong, klong, dong. Sitzt, passt, wackelt nicht.

Am Donnerstagabend reckt sich der gigantische Kranz schon halb fertig in den Himmel, wenn alles glatt geht, soll das Rund am Samstag vollständig sein. Die 48 Gondeln einzuhängen, geht dann vergleichsweise schnell: „Die bringen wir mit dem Kran unten ans Riesenrad, auf Rollen bewegen wir sie an den Kranz und hängen sie dann in die Lager“, sagt Göbel. Das dauere kaum mehr als zwei Stunden.

Am 9. März feiert der City Star dann feierlich Eröffnung, zu der sich schon reichlich politische Prominenz angekündigt habe, sagt Lily Scholz von der Agentur Eventstifter in Ludwigsburg, wo der City Star auch schon war. Sie hat den Gastauftritt eingefädelt und rechnet mit viel Frequenz bei der Attraktion: „Man sieht es ja schon von der Autobahn.“ Außerdem beleuchten 100 000 LEDs den drehenden Riesen, wodurch auf dem Flugfeld eine besondere Atmosphäre entsteht.

Alle Infos zum Riesenrad

Termine
Der „City-Star“ dreht sich vom 10. März bis 11. Juni 2023 auf dem Festplatz Flugfeld in Böblingen.

Gewicht
Das Riesenrad hat ein Gesamtgewicht von 400 Tonnen, die mit 16 Sattelauflegern (davon sechs Schwertransporte) angeliefert werden. Der Aufbau startete am 2. März.

Öffnungszeiten
Montags hat das Riesenrad Pause. Dienstags, donnerstags und sonntags dreht es sich von 11 bis 19 Uhr. Mittwochs von 11 bis 18.30 Uhr und freitags und samstags je von 11 bis 20 Uhr.

Tickets und Preise
Diese sind über www.easyticket.de und an allen bekannten Vorverkaufs-Stellen erhältlich. Ein Ticket kostet zwölf Euro, ermäßigt neun Euro und für Kinder von drei bis elf Jahren sechs Euro. Familientickets gibt es für 32 Euro.