Die Schneekugel der Fastfood-Kette im Ludwigsburger Schlosshof lockt viele Besucher an und erntet gleichzeitig Kopfschütteln. Ist es okay, dass die Schlossverwaltung die Fläche an McDonald’s vermietet oder leidet dadurch das Image des historischen Barockschlosses? Ein Pro und Kontra.
McDonald’s feiert seinen Winter-Burger mit einer Werbekampagne. Dazu ist im Hof des Residenzschlosses eine riesige, begehbare Schneekugel aufgebaut. Dienstag und Mittwoch wurde dort ein TV-Spot gedreht, von Donnerstag bis Sonntag können Besucher das Spektakel besichtigen. McDonald’s und das Barockschloss – wie passt das zusammen? Ein Pro und Kontra.
Pro von Sandra Lesacher
Dass die Schlossverwaltung den Hof an die Fastfood-Kette vermietet, geht völlig in Ordnung. Im Hof und in den Räumen finden auch Hochzeitsfeiern oder Firmenevents statt, das ist im Grunde nichts anderes. Das Geld, das eingenommen wird, gehört zu dem Budget, mit dem das Schloss erhalten wird. Es wäre unklug gewesen, McDonald’s abzusagen, weil – ja warum eigentlich? Weil es eine große, mächtige Firma ist? Große und mächtige Firmen drehen Werbefilme. Das tun sie an Orten, die in ihr Konzept passen. Sie drehen auf exotischen Inseln, in Wüsten oder in Schlössern.
Absagen, weil es um Fastfood geht? Ja, das Zeug ist nicht gesund. Aber ob einer Burger isst oder nicht – das muss jeder selbst entscheiden. Genauso übrigens, ob man auf dem Weihnachtsmarkt Bratwurst und Glühwein zu sich nimmt. Das ist auch nicht von Ernährungsexperten empfohlen.
Ein Imageschaden? Nein. McDonald’s kauft nicht das Schloss oder baut eine Filiale rein. Am Sonntag ist der Spuk vorbei. Dem Schloss schadet das nicht. Im Gegenteil. Es wird ein bisschen berühmter. Und vielleicht kommen ein paar Leute zur Schneekugel, die sich sonst nie zum Schloss verirrt hätten.
Kontra von Sabine Armbruster
Der Unterhalt des Residenzschlosses und des Parks ist eine finanzielle Herkulesaufgabe. Insofern ist es verständlich, dass man bei der Schlossverwaltung für Einnahmen aus dem Vermietungsgeschäft dankbar ist – auch im Interesse des Steuerzahlers. Aber man sollte dabei doch genau hinschauen.
Sicher kann man mit der Kampagne mehr Bekanntheit erreichen. Aber als was will man denn bekannt werden – als Kulisse für eine, wenn auch ungewöhnliche, Burger- und Frittenbude,vor der sich Menschen wegen Fastfood zum Nulltarif drängen? Oder als Ort mit einer beachtlichen Geschichte und Bedeutung – nicht nur für Württemberg, sondern auch für Europa? Ein Ort, dem Charles de Gaulle seinen Stempel aufgedrückt hat und an dem Napoleon mit Herzog Friedrich II. ein folgenreiches Bündnis gegen Österreich schloss – und der, unter anderem wegen der Schlossfestspiele, auch für Kultur steht. Wo sind die Grenzen der Vermarktung? Wird demnächst der Ordenssaal an den zweiten großen Burgerproduzenten mit dem König im Namen vermietet? Geld stinkt nicht, sagt man. Aber der Ruf leidet. Und dafür ist das Ludwigsburger Schloss zu schade.