39 Wohnungen und ein Supermarkt sollten in der Pleidelsheimer Mitte entstehen – das Projekt liegt auf aber auf Eis. Foto: Werner Kuhnle

Der Insolvenzverwalter Holger Leichtle hat es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Paulus-Bauprojekte fertigzustellen. Vier Beispiele zeigen, wie es aussieht. Bei manchen gibt es Lichtblicke, bei anderen sind die Sorgen und Ängste riesig.

Der Insolvenzverwalter Holger Leichtle und Erwin Paulus betonten in den vergangenen Monaten immer wieder, wie wichtig es sei, die begonnenen Paulus-Bauprojekte fertigzustellen. Je mehr Gebäude fertig werden, desto mehr Paulus-Kunden können in ihre eigenen vier Wände ziehen, desto mehr Banken bekommen ihr Geld zurück – und die Paulus Wohnbau GmbH hätte eine Chance auf ein Comeback. Doch wie soll das gelingen? Vier Beispiele aus der Region verdeutlichen, welche unterschiedlichen Wege das Insolvenzverfahren nimmt.

1. Kornwestheim, Bädergäßle

Einige Paulus-Kunden sind bereits in das Mehrfamilienhaus im Kornwestheimer Bädergäßle eingezogen, aber eigentlich ist das Gebäude eine Baustelle. Laut einem beauftragtem Ingenieur stehen Restarbeiten für rund 630 000 Euro an, um das Gebäude fertigzustellen. Beispielsweise fehlen der Aufzug, Notabflüsse, Fahrradstellplätze und Autoparkplätze, berichtet Paulus-Kundin Yasmin Bredendiek.

Doch die Eigentümergemeinschaft im Bädergäßle steckt den Kopf nicht in den Sand, sondern hat einen Plan. Die Gruppe ist gerade dabei, den Kaufvertrag mit der insolventen Paulus Wohnbau aufzulösen, die Paulus-Restschulden bei der Echterdinger Volksbank zu begleichen und die restlichen Baumaßnahmen in Eigenregie umzusetzen.

„Wir wollen einen Architekten engagieren und mit ihm durchsprechen, welche Maßnahmen es wirklich braucht“, sagt Bredendiek. Einige Maßnahmen sollen Handwerker übernehmen, andere will die Gemeinschaft selbst umsetzen. „Die Türrahmen können wir beispielsweise selbst lackieren.“

Yasmin Bredendiek geht jedoch zurzeit davon aus, dass jede Partei des Hauses mehr Geld für die Fertigstellung ihrer Wohnung berappen muss, als ursprünglich mit Paulus Wohnbau vereinbart. „Aktuell sind wir aber einfach erleichtert, dass wir einen Plan haben und das Hinhalten und die Heimlichtuerei mit der Paulus Wohnbau ein Ende hat“, sagt Bredendiek.

2. Heilbronn, Wollhausstraße

Die Paulus-Kunden des Mehrfamilienhauses im Heilbronner Osten waren eine der ersten, die von Insolvenzverwalter Holger Leichtle unterschiedliche Zukunftsszenarien vorgelegt bekommen haben. Wie mehrere Quellen bestätigen, können die Eigentümer entweder einen Aufpreis von 15 Prozent akzeptieren oder das Objekt wird satt dessen zwangsversteigert.

Die erste Option hätte den Vorteil, dass das Projekt so beendet wird, wie es die Kunden mit Paulus Wohnbau vertraglich unterschrieben hatten. Aus Eigentümerkreisen ist zu hören, dass beim Zuschuss von 15 Prozent ein anderes Unternehmen der Paulus-Gruppe die Wohnungen fertigstellen würde. Das gefiel laut der Berichterstattung der „Heilbronner Stimme“ einigen Eigentümern gar nicht, sie wollen offensichtlich nicht mehr mit der Paulus-Gruppe bauen.

Die zweite Option, die Zwangsversteigerung, hätte größere Auswirkungen, da die Eigentümer unter Umständen auf Teilen der bereits gezahlten Raten sitzen bleiben. Zudem müssten die Käufer voraussichtlich ihren Traum von den eigenen vier Wänden vorerst begraben.

3. Bietigheim-Bissingen, Hindenburgstraße

Vor einer der ausweglosesten Situationen des Insolvenzverfahrens stehen eine Handvoll Käufer des Projekts Hindenburgstraße in Bietigheim-Bissingen. Laut Werbematerialien hätten dort sechs luxuriöse Wohnungen mit Blick auf die Metter, mit viel Glas und Preisen von 960 000 Euro bis 1,5 Millionen Euro entstehen sollen. Die Baugrube ist schon ausgehoben, die Arbeiten wurden jedoch vor Monaten gestoppt.

Der Markgröninger Anwalt Thomas Farian kennt die Situation in der Hindenburgstraße und erklärt die besondere Herausforderung des Projekts. Erstens bemühe sich der Insolvenzverwalter zuerst um die Projekte, die schon fast fertig seien. Da in der Hindenburgstraße der Bau erst begonnen wurde, steht das Projekt in der Prioritätenliste ganz hinten. Zweitens seien nicht alle Wohnungen des Projekts verkauft. Anders als im Kornwestheimer Bädergäßle, können sich die Käufer der Hindenburgstraße also nicht zusammentun und den Bau auf eigene Faust fortsetzen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Käufer bereits 30 Prozent ihres Kaufpreises als erste Rate gezahlt haben. Sie können sich also nicht einfach aus dem Vertrag verabschieden, ohne dabei Geld zu verlieren. Die Hoffnung ist, dass Insolvenzverwalter Holger Leichtle sich bald um das Projekt kümmert und einen neuen Bauträger findet – teurer wird es aber auf jeden Fall.

4. Pleidelsheim, Marbacher Straße

Im Heimatort der insolventen Paulus Wohnbau plante der Bauträger mit der Gemeinde ein echtes Prestigeprojekt. 39 Wohnungen zu Kaufpreisen von 470 000 Euro bis 670 000 Euro, 158 Stellplätze und ein brandneuer Supermarkt hätten auf dem ehemaligen Bauhofgelände mitten in Pleidelsheim entstehen sollen. Das Vorhaben ist nun aber für Jahre auf Eis gelegt.

Der Vorteil gegenüber dem Projekt Hindenburgstraße ist, dass bisher noch kein Geld geflossen ist. Das berichtet der Pleidelsheimer Bürgermeister Ralf Trettner. Der Nachteil sei, dass es kompliziert sei, nach der Insolvenz alle drei Grundstücke der brachen Fläche wieder zusammenzubringen. Trettner will weiterhin eine Bebauung mit Wohnungen und Einzelhandel. „Die beste Lösung wäre es, wenn auf der gesamten Fläche etwas passiert.“

Wann die Planung um die brache Fläche wieder konkret wird, kann Trettner nicht sagen. „Ich mache mir da keine Illusionen, schnell geht gar nichts.“ Die Gespräche rund um die drei Grundstücke würden wohl noch ein Jahr lang andauern. „Und dann müssen wir immer noch einen Investor finden, der das Projekt bauen will.“