Der Goldschakal ist größenmäßig irgendwo zwischen Wolf und Fuchs anzusiedeln. Foto: Archiv (dpa/Nationalpark Bayerischer Wald)

Das fuchsähnliche Tier ist offenbar in eine Fotofalle an der Landkreisgrenze getappt. Auch ein anderer größerer Säuger verbreitet sich hier immer mehr: der Marderhund. Und das hat Folgen ...

Dass der vornehmlich in Südasien, dem Nahen Osten und auf dem Balkan beheimatete Goldschakal zunehmend auch in einigen wenigen Teilen des Ländles seine Kreise zieht, ist seit einiger Zeit bekannt. So verbreitete sich die Nachricht rasend schnell, als ein Pärchen des an einen Fuchs erinnernden Säugers 2021 im Schwarzwald-Baar-Kreis sogar Nachwuchs großzog – was eine Premiere bedeutete. Nun gibt es erste Spekulationen, dass der Säuger wohl auch schon durch den Landkreis Ludwigsburg streifen könnte.

Im Nachbarkreis fotografiert

„Der Goldschakal ist mit ziemlicher Sicherheit mittlerweile im Landkreis Ludwigsburg angekommen“, sagte der Ditzinger Frank Beutelspacher unlängst bei seiner Einsetzung als Marbacher Stadtjäger. Er habe ein Exemplar auf einer Wildkamera in Leonberg im Landkreis Böblingen gesehen – von wo aus es nur eine kurze Strecke in den Nachbarkreises wäre. Die Aufnahme sei schon 2021 entstanden.

Beim Landratsamt in der Barockstadt will man sich indes nicht so weit aus dem Fenster lehnen. „Dem Wildtierbeauftragten ist kein Goldschakalnachweis aus dem Landkreis Ludwigsburg bekannt“, berichtet Pressesprecher Andreas Fritz. Besagter Fachmann gehe auch nicht davon aus, dass ein Exemplar hier bereits sesshaft wäre.

Auf der Schwäbischen Alb gibt es Nachwuchs

Ähnlich beurteilt die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg die Lage. „Grundsätzlich ist überall in Mitteleuropa mit dem Auftauchen des Goldschakals zu rechnen. Möglich ist auch, dass sie vielerorts bereits leben, aber nicht wahrgenommen oder nicht erkannt werden“, erklärt FVA-Mann Felix Böcker. Obwohl es im Landkreis Ludwigsburg bisher „keine Nachweise oder plausible Hinweise“ auf die Wildhunde gegeben habe, sei es möglich, dass Exemplare die Gegend passiert oder sich niedergelassen haben.

Wobei es der Experte für Wildtierökologie für wahrscheinlicher hält, dass der Goldschakal erst in anderen Regionen Baden-Württembergs Fuß fasst. „So sehen wir aktuell einen Anstieg der Nachweise und auch Reproduktion des Goldschakals auf der Schwäbischen Alb. Und auch in der Rheinebene hat es Nachweise in den vergangenen Jahren gegeben“, erklärt Böcker.

Marderhund wurde im Kreis Ludwigsburg schon erlegt

Etwas anders sieht es beim Marderhund aus, der sich hierzulande ebenfalls nach und nach ausbreitet und ursprünglich aus Ostasien stammt. Jäger Frank Beutelspacher berichtet, dass ein Enok zuletzt bei Mühlacker im Enzkreis gesichtet worden sei. „Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis der Marderhund auch im Landkreis Ludwigsburg heimisch wird“, prophezeit er. Mit dieser Vermutung dürfte Beutelspacher nicht so verkehrt liegen. Eine Prognose dazu könne zwar aktuell nicht abgegeben werden, erklärt Landratsamtssprecher Andreas Fritz. „Da er sich jedoch in anderen Gebieten Baden-Württembergs bereits etabliert hat“, bestünden offenbar die nötigen Voraussetzungen dazu. Außerdem sei der Marderhund im Kreis schon vereinzelt beobachtet worden. „2020 wurde auch ein Tier im Landkreis Ludwigsburg erlegt“, berichtet er.

Überträger von Krankheiten

Gemeinsam haben Enok und Goldschakal, dass von ihnen keine direkte Gefahr für Menschen ausgeht, wie Fritz erläutert. „Der Marderhund gilt jedoch als Überträger von Krankheiten und Parasiten, von denen auch einzelne auf den Menschen übergehen könnten“, erklärt er. Allerdings sei die Infektionsgefahr für Menschen im Allgemeinen recht gering. Für Teile der heimischen Fauna könnten die Auswirkungen aber womöglich größer sein. „ Der Goldschakal würde in Konkurrenz mit dem Rotfuchs treten und diesen teilweise verdrängen“, prognostiziert Fritz. Felix Böcker von der FVA hält es ebenfalls für möglich, dass die Fuchsdichte durch den „Neuen“ in der Region etwas sinken könnte. Beide Spezies besetzten nämlich eine ähnliche ökologische Nische.

Der Marderhund indes konkurriere zusätzlich mit dem Dachs „und hat negativen Einfluss auf bodenbrütende Vogelarten“, berichtet Landratsamtssprecher Fritz. Da der Enok überdies zu den invasiven Arten gerechnet werde, „ist dieser aktiv zu bejagen und die Bestandsentwicklung zu überwachen, um eine Weiterverbreitung möglichst einzudämmen“. Der Goldschakal zähle hingegen zu den heimischen Arten, weil er sich vom Balkan ausgehend selbstständig Richtung Nordwesten neue Lebensräume erschließe. „Dies ist ein natürlicher Anpassungsprozess, den man durch Monitoringmaßnahmen begleitet“, erklärt Fritz. Heißt: Die Entwicklung der Population wird erfasst und beobachtet.

Neu auf der hiesigen tierischen Landkarte

Rudel
Der Goldschakal ist eng mit dem Wolf verwandt, aber deutlich kleiner, dafür größer als ein Fuchs. Canis aureus, wie der lateinischen Name lautet, lebt in Rudeln, ernährt sich von kleinen bis mittelgroßen Wirbeltieren, von Aas, aber auch von Obst und pflanzlicher Kost.

Versteckt
In Europa ist der Goldschakal in Südosteuropa und dem Balkan beheimatet, von wo aus er sich auch Richtung Mitteleuropa ausgebreitet hat. Wie groß die Population in Baden-Württemberg ist, lässt sich nicht beziffern, auch weil die Tiere sehr versteckt leben, wie die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt mitteilt.

Der Neue Marderhunde sind etwa fuchsgroß, haben aber kürzere Beine und erinnern optisch ein wenig an Waschbären. Sie verspeisen unter anderem Eier, Insekten, Jungvögel, Pilze oder Kastanien. Der laut Nabu eigentlich in Sibirien, Chinas, Vietnam und Japan beheimatete Enok war wegen seines Fells beliebt, wurde deshalb im 19. Jahrhundert diesseits des Urals ausgesetzt und verbreitete sich dann gen Westen.