Symbolisch hat die versammelte Prominenz den Brückenbau im Filstal beendet. Foto: /Gottfried Stoppel

An der Neubaustrecke der Bahn zwischen Wendlingen und Ulm sind die Brücken über das Filstal im Rohbau fertig. Bei einer Feier plädieren Bund und Land dafür, vermehrt in die Schiene zu investieren.

Mühlhausen im Täle - Legt man die Anzahl der von der Bahn verkündeten „erreichten Meilensteine“ zugrunde, liegt die Vermutung nahe, dass die das vorherrschende Baumaterial sind, aus dem Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm gebaut werden. Am Mittwoch wurde die Bedeutung hinter der Floskel aber greifbar. In 85 Meter über dem Filstal beging die Bahn das Rohbauende der beiden das Tal überspannenden Brücken. Schon allein wegen der Dimensionen der Bauwerke wurde mit Superlativen nicht gespart.

Die EU bezahlt kräftig mit

Der Brückenschlag verbinde nicht nur zwei Talseiten, er sorge für eine schnelle Verbindung von Ost nach West, vom Rhein an die Donau, sagte Herald Ruijters, Generaldirektor Mobilität und Verkehr der Europäischen Kommission. Er habe das Gefühl zu schweben, gab er vor Ort zu Protokoll. Projekte wie Stuttgart 21 und die Neubaustrecke nach Ulm, letztere von der EU mit knapp 570 Millionen Euro gefördert, brauche es, um das Ziel einer massiven Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene zu erreichen.

Auch Steffen Bilger (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, bekundete: „Dem schnellen Schienenverkehr gehört die Zukunft.“ Daher passe das Projekt gut in die Zeit. Der Bund investiere derzeit mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr in die Schiene in Baden-Württemberg. „Aber wir im Land haben eben auch einen großen Nachholbedarf“, sagte Bilger. Und weitere Projekte zeichneten sich ab. Bilger nannte stellvertretend den lange diskutierten Ausbau der Gäubahn. Wenn es nach dem Bund geht, könne der angegangen werden. „Das Projekt steht im Bundesverkehrswegeplan, wir stellen die Finanzierung sicher und erwarten nun von der Bahn, dass sie Gas gibt.“

Das Land sieht ein Symbol für den Deutschland-Takt

An die schwierige Geschichte des Vorhabens erinnerte Ministerialdirektor Berthold Frieß in Vertretung von Landesverkehrsminister Winfred Hermann. „Die Neubaustrecke war nicht so umstritten wie Stuttgart 21, aber auch nicht unumstritten.“ Nun sei die Brücke aber ein „in Beton gegossenes Symbol für den Deutschland-Takt“. Mit diesem Fahrplankonstrukt sollen Züge besser aufeinander abgestimmt werden, um die Reisezeiten zu verkürzen. Dafür müssen Strecken neu- und ausgebaut werden. „Die Verkehrswende braucht Infrastruktur“, sagte Frieß. Weitere Ausbauten seien auch im Knoten Stuttgart nötig, etwa in Form einer vom Landesverkehrsministerium favorisierten unterirdischen Ergänzungsstation, der allerdings am Dienstag eine Gemeinderatsmehrheit eine Absage erteilt hatte. Auch die Region sieht keine Notwendigkeit.

Bahnvorstand erinnert an Schwierigkeiten

Bahninfrastrukturvorstand Ronald Pofalla sah mit dem Rohbauende im Filstal „einen guten Tag für alle Bahnreisenden“ gekommen. Man versammle sich an einer „imposanten Location“, gleichwohl sei die Brücke nicht gebaut worden, „um dem Land Baden-Württemberg ein neues Wahrzeichen zu bescheren“. Nach Inbetriebnahme der auf 3,9 Milliarden Euro taxierten Strecke, seien Millionen Reisende 15 Minuten schneller zwischen Stuttgart und Ulm unterwegs. Er lobte das Land, das mit einer Vorfinanzierung den Bau beschleunigt habe. An der Brücke selbst habe die Bahn mit Problemen und Verzögerungen zu kämpfen gehabt, die aber einvernehmlich gelöst worden seien.

Die Herausforderungen hob auch Johann Bögl von der ausführenden Firma heraus. „Es ist ein filigranes Bauwerk inmitten eines Wasserschutzgebietes entstanden. Das Team musste über sich hinauswachsen“. Ende des Jahres sollen erste Testfahrten rollen.

Zentrales Bauwerk

 Brücke
Die Filstalbrücken sind mit 85 Meter die dritthöchsten Brücken im Netz der Deutschen Bahn. Als Besonderheit liegen sie zwischen zwei langen Tunnels des Albaufstiegs. Neben der Fils überbrücken sie auch zwei Fahrspuren der A 8. Rund 55 000 Kubikmeter Beton und circa 7700 Tonnen Stahl sind verbaut worden.

Nutzen
Wenn die Bahnstrecke Ende 2022 in Betrieb geht, soll sich die Fahrzeit zwischen Stuttgart und Ulm um 15 Minuten reduzieren, weitere 15 Minuten sparen Reisende, wenn Stuttgart 21 in Betrieb geht. Das soll voraussichtlich 2025 der Fall sein.