Das Musikprogramm des Barocken Weihnachtsmarktes wurde für dieses Jahr gekürzt. Schuld seien extreme Gema-Gebühren, sagen die Veranstalter. Jetzt schießt die Musikverwertungsgesellschaft zurück – und das mit scharfem Unterton.
Die Musikverwertungsgesellschaft Gema übt in einer aktuellen Pressemitteilung scharfe Kritik an dem Städtetag und einigen Städten, die Weihnachtsmärkte veranstalten – darunter auch Ludwigsburg. Der Vorwurf: Falschbehauptungen gegen die Gema und jahrelange, unkorrekte Angaben bei der Anmeldung der gebührenpflichtigen Weihnachtsmarktfläche.
Doch der Reihe nach. Der Konflikt zwischen Gema und Veranstalterstädten wie Ludwigsburg schwelt seit Monaten und gewinnt seit Anfang November an Dynamik. Unter anderem kritisierte die städtische Tochter Tourismus & Events Ludwigsburg (Telb) auf der Pressekonferenz für den Barock-Weihnachtsmarkt die Gebührenpolitik der Gema. Laut Telb sind die Geschäftsbedingungen so verändert worden, dass Gebühren nicht mehr nur für den Bereich vor der Bühne fällig werden, sondern für die gesamte Fläche des Weihnachtsmarktes.
Gema wundert sich über die Aufregung
Das lasse die Kosten sprunghaft steigen, sagte der Telb-Geschäftsführer Mario Kreh während der Pressekonferenz Anfang November. Die Veranstalter hätten sich deswegen gezwungen gefühlt, das Bühnenprogramm zusammenzustreichen. Musik gibt es auf dem Weihnachtsmarkt nur noch am Wochenende. Die Gema sei weltfremd und ein Kulturverhinderer, sagte Mario Kreh auf der Pressekonferenz.
Am Donnerstag folgte die Reaktion der Gema. Viele Behauptungen seien „schlichtweg falsch“, lässt sich das Vorstandsmitglied Georg Oeller zitieren. Die Gebühren seien nicht verändert worden, stattdessen hätten einige Städte die seit 2011 geltenden Regeln offensichtlich falsch gedeutet. Es habe keine Preiserhöhung gegeben, Kostensteigerungen seien darauf zurückzuführen, dass nun die tatsächliche Fläche zur Gebührenberechnung herangezogen werde.
„Ich verstehe die mediale Aufregung nicht“, sagt Georg Oeller. „Wir wissen, dass einzelne Weihnachtsmärkte falsche Angaben gemacht haben. Einige große, umsatzstarke Märkte haben uns deutlich zu kleine Flächen gemeldet.“ Auch die Darstellung, Weihnachtsmärkte müssten wegen Gema-Gebühren auf Musik verzichten, sei falsch. Die Verwertungsgesellschaft sieht sich offenbar in die Rolle des gierigen Eintreibers gedrängt und dreht den Spieß um: Weihnachtsmärkte seien kommerzielle Veranstaltungen, wo mithilfe von Musik weihnachtliche Stimmung verbreitet wird, um zum Kauf von Glühwein, Bratwurst und Kunsthandwerk anzuregen. Die Gema sorge derweil dafür, dass Musikurheber ihren gerechten Anteil an diesem kommerziellen Erfolg bekommen.
Tourismus & Events Ludwigsburg widerspricht
Diese Argumentation findet Telb-Geschäftsführer Mario Kreh irreführend. Natürlich zahle man Gebühren und gebe den Musikern ihren gerechten Anteil – aber nur für die Fläche, auf der die Musik überhaupt zu hören ist und damit zum Geschäft beiträgt. Das sei in Ludwigsburg aber nur vor der Bühne der Fall, auf dem Großteil der Fläche würden die Gäste gar nichts von der Musik mitbekommen. „Warum sollen wir dafür zahlen?“, wundert sich Kreh.
Auch dem Vorwurf, die Veranstalter hätten seit Jahren falsche Flächen angegeben und würden Gebühren umgehen, widerspricht Kreh. Es stimme, dass die Gema-Regeln bereits seit 2011 gelten. Es stimme jedoch auch, dass die Gema-Gebühren für Ludwigsburg ohne Vorwarnung in die Höhe geschossen seien. Laut Kreh hatte Telb nämlich eine Vereinbarung mit dem Gema-Außendienst in Stuttgart, den es mittlerweile nicht mehr gibt. Von dieser Vereinbarung wolle jetzt aber niemand mehr etwas wissen.
Die Verwertungsgesellschaft wolle sich rechtfertigen, das sei in Ordnung, sagt Kreh. Die Art und Weise passe ihm jedoch nicht. „Die Gema stellt sich als die Gute dar, die für die Musiker eintritt. Doch wie viel Gebühren bleiben denn bei der Gema hängen?“ Laut Kreh bleibt es eine Tatsache, dass die Gema Ursache für die Programmkürzungen des diesjährigen Weihnachtsmarktes ist.