Der Arbeitskreis Lehr- und Therapieschwimmbecken in Renningen hat es jetzt schwarz auf weiß: Der Bedarf an einem Hallenbad ist so groß, dass es am Vormittag sogar doppelt belegt werden könnte. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter örtlichen Schulen und Vereinen.
Der Bedarf für ein Lehrschwimmbad in Renningen ist offenbar so groß, dass es zum Teil sogar doppelt belegt werden müsste, um die Nachfrage zu bedienen. Und das allein mit Nutzern aus Renningen und Malmsheim. Das hat eine Umfrage ergeben, die der Arbeitskreis Lehr- und Therapieschwimmbecken bereits im Jahr 2022 durchgeführt und nun abschließend ausgewertet hat.
Seit Jahrzehnten schon setzen sich mehrere Bürgerinnen und Bürger für den Bau eines Schwimmbads in Renningen ein, das sowohl für den Unterricht als auch für Wassergymnastik zu Therapiezwecken, zum Beispiel für Senioren, genutzt werden kann. 2019 bildeten sie einen eigenen Arbeitskreis.
200 Prozent Auslastung am Morgen
Als ein gewichtiges Argument gegen ein Lehrschwimmbad – abseits der hohen Bau- und Folgekosten – wird und wurde oft das örtliche Freibad genannt. Dass dieses bei weitem nicht ausreichend ist, kann der Arbeitskreis jetzt sogar anhand konkreter Zahlen belegen. Für die Erhebung haben die Mitglieder 2022 alle Renninger und Malmsheimer Schulen, Vereine und sonstige Einrichtungen befragt, die Interesse an einem Lehrschwimmbecken haben könnten. Das Ergebnis: Unter der Woche wäre das Bad vormittags „zu 200 Prozent ausgelastet“, sagt AK-Mitglied Ingo Eisenhardt vom Schwimmclub Renningen. Am Nachmittag und am Abend sind es etwa 125 Prozent. Und dabei wurden außerörtliche Schulen und Organisationen noch nicht einmal kontaktiert.
Alle wollen ins Schwimmbad
Bei ihrer Umfrage ist die Gruppe von einem Bad mit einer Wasserfläche von 100 Quadratmetern ausgegangen, also einer Beckenlänge von 20 Metern mit zwei Bahnen. Außerdem von einem Betrieb von Montag bis Freitag von 8 bis 22 Uhr. Hauptnutzer wären der Befragung zufolge die örtlichen Schulen und Kindergärten sowie Vereine, allen voran die DLRG und der Renninger Schwimmclub, der bislang das Rutesheimer Schwimmbad für seine Aktivitäten nutzt. „Auch die Volkshochschule wäre an einer nennenswerten Belegung des Bads interessiert“, erklärt Ingo Eisenhardt.
Welche Auswirkungen hat die Erhebung?
„Mich persönlich hat das Ergebnis in dieser Deutlichkeit sehr überrascht – aber auch sehr gefreut“, sagt er. „Es zeigt mehr als deutlich, dass in Renningen und Malmsheim der Bedarf für ein Lehrschwimmbecken hoch ist.“ Ob und wie sich das auf künftige politische Entscheidungen auswirken wird, ist noch offen. Aus Kostengründen – vor allem die Folgekosten sind immens – wurde das Projekt vom Gemeinderat schon früher immer wieder abgelehnt und auch vom Bürgermeister Wolfgang Faißt (Freie Wähler) nicht befürwortet. Und gerade jetzt hat die Stadt Renningen so viele Großbauprojekte zu stemmen wie noch nie: die neue Riedwiesensporthalle, zwei Schulen, die saniert und erweitert werden, das neue Rathaus und diverse Kindergärten.
„Die Bedarfsdarstellung verwundert einerseits nicht, und es ist unbestritten wichtig, dass Kinder schwimmen lernen“, sagt der Bürgermeister als Reaktion auf die Ergebnisse. „Allerdings muss auch festgehalten werden, dass das Land Baden-Württemberg Schwimmunterricht im Lehrplan für den Sportunterricht verankert hat, allerdings ohne hierfür Mittel für den Bau, für den Unterhalt und für erforderliche Sanierungen zur Verfügung zu stellen“, moniert er. Kommunen, Schulen und Eltern würden „wieder einmal alleingelassen“. Ergänzend verweist er erneut auf die Option Freibad und die Nutzung umliegender Hallenbäder für den Schulunterricht – und auf den Erziehungsauftrag der Eltern. Wenn das bestehende Angebot durch deren private Initiative ergänzt werde, „dann sollte es möglich sein, dass Kinder schwimmen lernen“.
Die Zahl der Schwimmbäder sinkt
Die Realität, wie sie unter anderem Studien der DLRG und die Erfahrungen von vielen Schwimmlehrern abbilden, ist jedoch eine andere. Mehrere Schulleiterinnen und Schulleiter im Umkreis von Leonberg haben gegenüber unserer Zeitung vergangenes Jahr bestätigt, dass sie die empfohlenen Kontingente für den Schwimmunterricht nicht erreichen können. „Auch für Eltern wird es immer schwieriger, ihren Kindern das Schwimmen selbst beizubringen“, sagt Ingo Eisenhardt.
Während die Zahl an Schwimmbädern insbesondere im ländlichen Bereich sinkt, steige die Zahl der Alleinerziehenden, die weniger Einkommen und weniger freie Zeit haben. „Bei doppelverdienenden Elternpaaren ist die zeitliche Situation oft ähnlich.“
Wartelisten für Schwimmkurse sind oft lang
Dabei dürfe man nicht unterschätzen, wie wichtig es ist, dass Kinder das Schwimmen richtig beigebracht bekommen. Schließlich sollen sie sich nicht nur irgendwie über Wasser halten, sondern sicher schwimmen können. „Eltern sind nicht unbedingt geeignete Schwimmlehrer“, formuliert es Birgit Eberhardt, Schwimm- und Sportlehrerin in Renningen und Sprecherin des AK. Schwimmkurse in der Umgebung sind jedoch rasend schnell ausgebucht, die Wartelisten sind oft lang. Auch hier liegt ein wesentlicher Grund in der geringeren Zahl der Standorte.
Für den Arbeitskreis ist die Zukunft ebenfalls noch ungewiss. „Unser Ziel war es, objektive und belastbare Zahlen zu erheben und zu kommunizieren“, erklärt Ingo Eisenhardt. Dieses Ziel sei nun weitgehend erreicht. Im Vorfeld zu den Kommunalwahlen und zur Bürgermeisterwahl im Herbst will der Arbeitskreis als Ansprechpartner für die Bedarfserhebung in jeden Fall zur Verfügung stehen. „Nach der Bürgermeisterwahl wird der AK eine eventuelle Fortsetzung seiner Arbeit neu bewerten.“
Zahl der Nichtschwimmer steigt
Weniger Schwimmer
Die Zahl der Grundschulkinder in Deutschland, die nicht richtig schwimmen können, hat sich innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. Zu diesem Ergebnis ist eine repräsentative Umfrage von Forsa aus dem Jahr 2022 gekommen, die die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Auftrag gegeben hat. 2023 lag die Quote schon bei 20 Prozent.
Weniger Bäder
Immer wieder müssen Bäder aus Alters- oder Kostengründen geschlossen werden, in näherer Umgebung zuletzt das Lehrschwimmbad Heimsheim. Nur selten werden sie durch neue ersetzt. 2017 gaben 92 Prozent der von der Forsa Befragten an, ein Schwimmbad in der näheren Umgebung zu haben. Fünf Jahre später waren es 87 Prozent. Bei Orten unter 5000 Einwohnern ist der Wert im selben Zeitraum von 90 auf 78 Prozent gesunken.