Monika und ihr Mann Werner Geier – der das erste Kind war, das in der katholischen Kirche in Stetten getauft wurde. Foto: Eva Herschmann

Monika Geier hat für den Verein für Heimat und Kultur die besondere Geschichte der Katholiken im Ortsteil Stetten recherchiert. Dazu gehört, dass der Bau der Kirche einst ein Politikum war. Und eine Kuriosität betrifft ihren eigenen Mann.

Eigentlich arbeitet Monika Geier in der Geschäftsstelle des Turnvereins Stetten. Für den Verein für Heimat und Kultur Kernen, in dem sie Mitglied ist, hat sie Geschichte und Geschichten der Katholiken der Heilig Kreuz Gemeinde zusammengetragen. Beim Kirchweihfest am Sonntag, 11. September, werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert, die es dann auch als Broschüre mit Bildern zu kaufen gibt. Die Geschichte ihres Mannes hat Monika Geier nicht mit aufgenommen. Dabei war der 67-jährige Werner Geier anno 1954 das erste Taufkind in der neu erbauten katholischen Kirche in der Stettener Grüntorstraße.

Das alte Taufbecken aus Sandstein, in dem Werner Geier seine Salbung erhielt, gibt es nicht mehr. Ebenso wenig wie einen Eintrag ins Taufbuch. Ihre Schwägerin Anna Nuss, erzählt Monika Geier, habe sich aber noch an manches erinnern können, denn sie sei zum Zeitpunkt der Geburt ihres Bruders bereits 14 Jahre alt gewesen. „Laut ihren Angaben wurde Werner am 28. November 1954 in der Glockenkelter in Stetten geboren, wo meine Schwiegereltern als Flüchtlinge untergebracht waren.“ Die Taufe fand Weihnachten im gerade erst fertig gebauten Gotteshaus statt.

Auf der Suche nach dem Taufschein

Warum es keinen Eintrag für die Aufnahme in die Christengemeinde gibt, dafür hat Monika Geier eine Erklärung von Pfarrer Franz Klappenecker vom katholischen Pfarramt St. Antonius in Waiblingen bekommen. Der Gründung einer selbstständigen Pfarrei sei immer eine vorläufige Einrichtung vorangegangen, die als Pfarrverweserei bezeichnet werde. Stetten wurde 1959 Pfarrverweserei und erst 1961 zur Pfarrei erhoben. Es habe sich also um eine Übergangszeit gehandelt, sagt Klappenecker. Auch er hat sich auf die Suche nach dem Taufschein von Werner Geier gemacht. „Leider haben wir keinen Eintrag in Waiblingen gefunden, auch nicht im Taufbuch von Endersbach, was ich für möglich gehalten hätte.“

Der fehlende Taufschein hat keinen Einzug in die Broschüre mit dem Titel „Der lange Weg bis zur Grüntorstraße – Katholische Heilig Kreuz Gemeinde in Stetten i.R.“ gehalten. Aber auch die historische Geschichte der Katholiken in Stetten biete einige Kuriositäten, sagt Monika Geier.

Die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche in Stetten hat Monika Geier aus dem Jahr 1349 gefunden. Sie war dem Stift Beutelsbach unterstellt und wurde 1482 zur selbstständigen katholischen Kirchengemeinde Sankt Maria. Nachdem sich Stetten 1532 unter dem Erbmarschall Hans Konrad Thumb der Reformationsbewegung angeschlossen habe, hätten über Jahrhunderte praktisch keine Katholiken mehr in Stetten gelebt, erzählt die 65-Jährige. Erst ab 1860 seien wieder Katholiken als Arbeiter ins Remstal gekommen. „1890 hatte Stetten 2005 Einwohner, von denen 1982 evangelisch waren. Nur 15 Katholiken lebten hier, neun davon in der Heil- und Pflegeanstalt.“

1917 listet die Pfarrchronik der Antonius-Gemeinde Waiblingen, zu der Stetten zwischenzeitlich gehörte, 50 katholische Bürger in dem Weinort auf. Erst mit der Flüchtlingswelle zum Ende des Zweiten Weltkriegs sei die Zahl der Katholiken angestiegen, berichtet Monika Geier. 1946 sei die katholische Seelsorgestelle Stetten errichtet und mit einem eigenen Geistlichen besetzt worden, der auch in Rommelshausen und Strümpfelbach seelsorgerisch tätig war. 1950 seien laut Volkszählung in den drei Gemeinden mit zusammen 8669 Einwohnern immerhin 1466 katholisch gewesen. „Der Bau einer eigenen Kirche und eines Pfarrhauses mit Büroräumen in Stetten wurde nun nötig.“

Mit einer Stimme mehr gegen einen Bau

Offensichtlich habe die politische Gemeinde keinen geeigneten Platz für die Kirche finden wollen, erklärt Monika Geier. „Es gab sieben mögliche Bauplätze, überall liefen Stettener Sturm gegen die Pläne.“ Schließlich wurde das Grundstück in der Grüntorstraße gekauft. Doch der Gemeinderat habe seinen Widerstand nicht aufgegeben. Als alle notwendigen Auflagen und Zustimmungen, etwa des Feldbereinigungsamts oder des Wasserwirtschaftsamts Schorndorfs vorlagen, alle baufachlichen Behörden wie der Ortsplaner, das Katasteramt, der Kreisbaumeister und das Baupräsidium bereits positiven Bescheid erteilt hatten, habe die weltliche Gemeinde im Mai 1953 sogar eine Bausperre verhängt, sagt Monika Geier. „Der Landrat schaltete sich ein, selbst der Baupfleger des Innenministeriums wollte das Baugesuch vorgelegt bekommen.“ Die schriftliche und geheime Abstimmung im Gemeinderat drohte zu einer Zerreißprobe für den dörflichen Zusammenhalt zu werden. Die Räte erklärten geschlossen, sie hätten gegen den Bau eine Kirche grundsätzlich nichts einzuwenden, lehnten aber mit einer Stimme Mehrheit eine vorläufige Bauerlaubnis für das Gotteshaus ab.

„Das letzte Wort hatte die Aufsichtsbehörde des Regierungspräsidiums, die den Kirchenbau durchsetzte“, sagt Monika Geier, die die Geschichte und Geschichten der Katholiken in Stetten akribisch recherchiert hat. Ob es noch mehr katholische Kinder gibt, die ohne Taufschein durchs Leben gehen, hat sich nicht herausgefunden. „Aber es wäre interessant, es zu erfahren.“