Aufgezogene Spritzen mit Impfstoff gegen Covid-19 liegen in einem temporären mobilen Impfzentrum in Erlangen in einer Schale (Archivbild). Foto: dpa/Daniel Karmann

Viel hilft viel? Bei Impfungen ist das wissenschaftlich umstritten. Einem Mann haben massenhaft Corona-Impfungen wohl nicht geschadet. Vom Nachahmen raten Fachleute aber ausdrücklich ab.

Mehr als 200 Impfungen gegen Covid-19 haben bei einem Mann laut einer Studie keine negativen Folgen für dessen Immunsystem gehabt. Forscher der Universität und des Uniklinikums Erlangen haben Blutproben des Viel-Impfers aus verschiedenen Jahren untersucht.

Dabei stellten sie fest, dass sein Immunsystem nicht nur völlig normal arbeitete. Bestimmte Abwehrzellen und Antikörper gegen SARS-CoV-2 kamen sogar deutlich häufiger vor als bei Menschen, die nur drei Impfungen erhalten hatten, teilte das Team mit.

Rekord-Geimpfter ist absoluter Einzelfall

Allerdings handele es sich bei dem Mann um einen Einzelfall, betonen die Forscher. Rückschlüsse auf die Allgemeinbevölkerung oder Empfehlungen ließen sich aus den Ergebnissen daher nicht ableiten. Die Resultate der Studie veröffentlichte die Gruppe am Dienstag in der Fachzeitschrift „The Lancet Infectious Diseases“.

Stiko empfiehlt Basisimmunität

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt gesunden Erwachsenen bis 59 Jahren eine Basisimmunität aus drei Impfungen oder Infektionen, Menschen ab 60 Jahren und Risikogruppen zusätzlich eine jährliche Auffrischung.

Immunsystem nach 217. Impfung weiter schlagkräftig

Über Zeitungsberichte waren die Erlanger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf den Mann aufmerksam geworden. Dieser hatte sich nach eigenen Angaben aus persönlichen Gründen 217 Mal gegen Corona impfen lassen, 134 Impfungen sind offiziell bestätigt. Dabei seien acht verschiedene Vakzine geimpft worden, darunter auch unterschiedliche mRNA-Impfstoffe, erläutert Kilian Schober vom Lehrstuhl für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie.

Die Forscher luden den Betroffenen nach Erlangen ein, um herauszufinden, ob dessen Abwehrzellen durch Gewöhnungseffekte die Coronaviren nicht mehr so effektiv bekämpfen können. Dafür fanden sie aber keine Hinweise.

Während der Studie ließ sich der Mann außerdem erneut impfen – zum 217. Mal. Dadurch habe sich die Zahl der Antikörper deutlich erhöht, schreiben die Autoren der Studie. Auch gegen andere Erreger sei das Immunsystem weiterhin schlagkräftig gewesen, wie weitere Tests ergaben.

Info: War's das mit Corona?

Immunität
Gesundheitsexperten sehen immer noch eine sehr breite Grundimmunität aus Impfungen und Infektionen in Deutschland. Das heißt aber nicht, dass man sich nicht mehr mit Coronaviren anstecken kann. Sondern: Dass man als grundsätzlich gesunder Mensch in der Regel nicht so schwer erkrankt, dass man in eine Klinik oder gar auf die Intensivstation muss.

Prognosen
Vorhersagen über den Verlauf von Grippe- und auch Corona-Wellen sind immer schwer zu treffen. Viren entwickeln sich weiter. Der Zeitpunkt und das Ausmaß ihrer Zirkulation werden von vielen verschiedenen Parametern beeinflusst. . Doch solange keine gänzlich andere Variante entstehe, sehe er keine neue pandemische Situation, sagt der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb.

Impfung
Die Stiko empfiehlt nur bestimmten Gruppen Auffrischimpfungen, vorzugsweise im Herbst und ähnlich wie beim Grippeschutz. Dazu gehören etwa Menschen ab 60, Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, Immungeschwächte Personen, Pflege- und Gesundheitspersonal sowie Angehörige von Risikopatienten. Mindestens zwölf Monate sollen in der Regel seit der letzten Impfung oder Infektion vergangen sein.