Im Frühjahr haben Herzogin Meghan und Prinz Harry die letzten offiziellen Termine für das britische Königshaus absolviert. Inzwischen leben sie mit ihrem Sohn Archie in den USA. Foto: dpa/Kirsty Wigglesworth

Wenige Monate nach dem endgültigen Vollzug des „Megxit“ erscheinen auf einen Schlag mehrere Bücher, die oft kein eben schmeichelhaftes Licht auf die Sussex’ werfen. Doch auch Meghan und Harry lancieren ihre Version der Wahrheit.

Stuttgart - Ein Prinz heiratet eine Schauspielerin und keine zwei Jahre später schließt das Paar die Palasttore hinter sich, um ein neues Leben zu beginnen. Dieser Stoff ist einfach zu gut. Kein Wunder, dass sich viele Autoren auf die Geschichte von Prinz Harry und Herzogin Meghan stürzen. Ein Vierteljahr nach dem „Megxit“ erscheinen mit nur wenigen Tagen Abstand mehrere Bücher, die angeblich die „wahre Geschichte“ hinter dem Abtritt der Sussex’ aus der Reihe der „aktiven Royals“ erzählen – mal mehr, mal weniger wohlmeinend. Und mal mehr, mal weniger fundiert.

Für „Kensington Palace: An Intimate Memoir From Queen Mary to Meghan Markle“ hat der britische Journalist Tom Quinn nach eigenen Angaben mit Menschen gesprochen, die teilweise seit Jahrzehnten im Kensington-Palast, dem Zuhause ganzer Generationen von Windsors, arbeiten. Ehemaliges Palastpersonal berichtete Quinn zum Beispiel, wie Meghan zu dem Ruf kam, schwierig und kapriziös zu sein: „Plötzlich ein Royal zu sein steigt jedem zu Kopf“, zitiert Quinn in seinem Buch einen angeblichen Insider. Die „Duchess Difficult“ habe es angeblich nicht verkraftet, dass sie im Kensington Palace nur die zweite Geige hinter Herzogin Kate spielen sollte. So wie Quinn es darstellt, war der Frau von Prinz Harry nicht nur das zugewiesene Apartment zu klein – sie sei auch schnippisch und ungeduldig mit dem Personal gewesen. Das wiederum habe Kate gestört. Die Folge: Meghan und Harry zogen nach Windsor – und die US-Amerikanerin fühlte sich in Frogmore Cottage noch isolierter als zuvor.

Herzogin Meghan – die „Yoko Ono des Kensington-Palasts“?

Quinn ist nicht der einzige, der mit seiner Version der Geschehnisse rund um den „Megxit“ Bücher verkaufen will. Dylan Howard, altgedienter Redakteur des US-Revolverblatts „National Enquirer“, und Andy Tillett haben dieser Tage „Royals at War“ veröffentlicht. Der Name ist Programm: Offenbar hat das Autorenduo ehemalige Palastmitarbeiter aufgetan, die bereit sind, schmutzige Wäsche zu waschen und unschmeichelhafte Details über die Sussex’ auszuplaudern. Der Verlag preist das Buch zwar als „schockierenden und explosiven Einblick in die Rücktrittskrise“, doch viel Neues ist auch hier nicht zu erfahren: Dass Meghan beim Palastpersonal nicht eben gut gelitten war, wurde bereits hinlänglich breitgetreten. Dafür fügen Howard und Tillett der langen Liste an fiesen Spitznamen, die es am Hofe für Meghan gegeben haben soll, einen weiteren hinzu: Yoko Ono, in Anspielung an die Frau von John Lennon, der bis heute vorgeworfen wird, sie sei an der Trennung der „Beatles“ schuld.

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Kein einziges gutes Haar lässt die Autorin Colin Campbell an der Herzogin von Sussex. „Lady C“, wie sie in Großbritannien genannt wird, hat mit ihrem jüngst erschienenen Buch „Meghan and Harry: The Real Story“ einen bitterbösen Verriss über Meghan geschrieben. „Ich weiß nicht, was Meghan der Autorin Lady Colin Campbell getan hat und warum die angeheiratete Adelige so giftig gegen die Herzogin von Sussex wettert“, sagt Michael Begasse, seines Zeichens Adelsexperte des Fernsehsenders RTL. Die Aristokratin, die durch die Heirat mit einem schottischen „Peer“ an ihren Titel kam, beschreibt Meghan als Emporkömmling, als „gold-digger“, wie man im angelsächsischen Raum nicht eben schmeichelhaft sagt. Die „zweitklassige Schauspielerin“ habe sich nie für die Traditionen der Windsors interessiert und Harry komplett von seiner Familie entfremdet. „Alle Anschuldigungen gegen die Frau von Prinz Harry und gegen ihn selbst sind nicht neu und werden nicht von Fakten untermauert“, meint der RTL-Adelsexperte. „Die zickige Lady rechnet mit einer Frau ab, die sie meines Wissens noch nie persönlich getroffen hat.“

Konkrete Quellen werden selten genannt

Die „Wahrheit über den ‚Megxit’“, die all diese Bücher für sich beanspruchen – sie ist mit Vorsicht zu genießen. „Bei all diesen Büchern fällt auf, dass kaum Quellen namentlich genannt werden und mit so vielen Konjunktiven und Gerüchten jongliert wird, dass der Leser nicht mehr so ganz einfach zwischen Fiktion und Fakten unterscheiden kann“, findet Michael Begasse, der für RTL auch einen Royal-Podcast betreibt. Im Streit vom Hof gegangene Mitarbeiter, die möglicherweise noch ein Hühnchen mit den Sussex’ zu rupfen haben, sind vermutlich nicht immer die zuverlässigsten Quellen. „Ich bin der Meinung, dass ein Informant, der Behauptungen über Menschen in der Öffentlichkeit aufstellt, auch den Mut haben sollte, sich zu zeigen und sich nicht als anonymer Informant heimlich verdrücken sollte.“

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Sehr viel wohlwollender dürfte ein Buch ausfallen, das das Autorenteam Omid Scobie and Carolyn Durand für August angekündigt hat: Für „Finding Freedom: Harry and Meghan and the Making of A Modern Royal Family“ erhielten Scobie und Durand Zugang zum „Inner Circle“ der Sussex’. Es heißt, das Paar habe seinen Freunden die Erlaubnis erteilt, mit den Autoren zu sprechen. Ziemlich sicher ist daher, dass das Buch die Geschehnisse rund um dem „Megxit“ so beschreibt, wie sie sich in den Augen von Meghan und Harry dargestellt haben. Mehrfach haben die beiden die britischen Medien für ihren Rückzug verantwortlich gemacht. Meghan und Harry beklagten, die Berichterstattung über die Herzogin sei teilweise „sexistisch und rassistisch“ gewesen. Die Zeitungen weisen das empört zurück. „Da die beiden Autoren mit dem Herzog und der Herzogin von Sussex gut bekannt sind, fehlt mir bei diesem Werk ein wenig die journalistische Distanz. Das Buch wird Harry und Meghan weder schaden noch wehtun“, ist sich Michael Begasse sicher. „Ganz im Gegenteil.“ Es bereite den Boden für Meghans und Harrys neue Rolle als philanthropisches Celebrity-Paar.

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