Gvido Esmanis hat sein Atelier von einer Scheune in ein wesentlich kleineres Domizil verlegt. Am Wochenende lädt er erstmals zu Tagen der offenen Tür ein.
Die neue Fläche ist deutlich kleiner, außerhalb der Ortsmitte gelegen und damit völlig anders, als das Atelier, das er, Gvido Esmanis, hatte aufgeben müssen. Gleichwohl: Es ist gut. Diesen Eindruck jedenfalls vermittelt der Mann, der am Wochenende zu Tagen der offenen Tür in sein neues Domizil in einem Gewächshaus einlädt. Er sagt: „Ich bin glücklich angekommen.“
Lichtdurchflutetes Atelier
Jetzt ist es hell, von Tageslicht durchflutet – anders, als die frühere Wirkungsstätte in einer alten Scheune gewirkt hat. Jahrzehntelang war sie sein Atelier, das er zugleich zu einem Raum der Kommunikation machte, einem Ort mit Gesprächen und Musik. Man traf sich dort. Diese Vernetzung in den Ort hinein, die sich mit der Zeit ergeben hatte, nutzte er irgendwann, um den Kunsttag auf die Beine zu stellen – und ganz Münchingen einzubeziehen. Die Vorbereitungen für die nächste Veranstaltung „Made in Münchingen“ laufen auch jetzt wieder, seit er sich entschieden hatte, nach der Kündigung selbst an einem neuen Ort weiterzumachen. Bei „Made in Münchingen“ machte Esmanis alle zwei Jahre unter Beteiligung zahlreicher Künstler und der Stadt den Ortsteil Münchingen einen Tag lang zur großen Kunstmeile.
In seinem eigenen Atelier ist der 70-Jährige noch damit beschäftigt, all die Dinge zu finden, die er im Gewächshaus untergebracht hat. Esmanis hat den Stauraum gut genutzt, so scheint es: jeder Platz, bis in den letzten Winkel, ist belegt – unter der Arbeitsfläche, hinter dem Vorhang. Für den Besucher im Gewächshaus ist dieser Stauraum nicht sichtbar, frei und offen wirkt die Atmosphäre, die Skulpturen haben jeweils viel Platz, um zur Geltung zu kommen. Wenige Bilder hängen bisher, die großformatigen Arbeiten stehen noch am Boden. Ob sie jemals hängen werden – oder vielleicht unkonventionell einfach dort ihren Platz behalten? Allein die Anmutung des Provisorischen, der jederzeit bestehenden Möglichkeit zu Alternativen, schafft die Atmosphäre des Veränderbaren, der Kraft und Möglichkeit, Bestehendes anders oder auch völlig neu zu denken und in Kunst umzusetzen. Gvido Esmanis malt mit Acryl auf Leinwand oder Hartfaserplatten, in Ton, Holz oder, bei großen Arbeiten, die nicht in den Brennofen passen, auch Beton.
Esmanis selbst indes spricht von seinen Werken nicht als Kunst, er versteht sich nicht als Künstler, nennt sich stattdessen Freiwerker. Ein Künstler, so erklärt er seine Differenzierung, sei eine Person, die für die Kunst lebe, seine Existenz untrennbar damit verbinde; der Großes schaffe, das Handwerk beherrsche und das theoretische Wissen habe, um die Kunst auch im großen Kontext der Kunstgeschichte verorten zu können. Diesen Ansprüchen, so Esmanis, könne er niemals gerecht werden. „Kunst bedeutet mir viel, sehr viel“, sagt er. „Aber ohne Musik kann ich mir ein Leben gar nicht vorstellen.“ Und darüber hinaus gebe es ja auch noch anderes im Leben, die Familie zum Beispiel – und natürlich die Pferde.
In der Scheune hatte Esmanis Platz. Platz zum Arbeiten, aber auch Raum für seine zum Teil großformatigen, farbintensiven, auch abstrakten Bilder, ebenso wie für die Skulpturen und Eichenstelen. Das filigrane Figürliche und das wuchtige Abstrakte fand sich nebeneinander, ohne die Wirkung der jeweils anderen Arbeit zu schmälern. Im Gewächshaus ist das nun anders. Einerseits. Denn hier, auf 50 Quadratmetern, ist nun nur noch ein Bruchteil dessen zu sehen, was Esmanis in der Scheune auf 500 Quadratmetern zeigte. Andererseits bleibt sich der Künstler treu, bleibt beim Nebeneinander von Bild und Skulptur, Abstraktem und Gegenständlichen, farbintensiven und farblich zurückgenommenen Arbeiten, behält das Charakteristische bei, was die Atmosphäre über all die Jahre in der Scheune prägte: eine Offenheit für das Neue und eine Kunst, die vielleicht erst auf den zweiten Blick erst wirkt.
Kunstwerke wurden ausgelagert
Noch ist Gvido Esmanis dabei, sich einzurichten, allem seinen richtigen Platz zu geben. Manches vielleicht auch aus den Außenlagern, die er nun neuerdings hat, doch ins Atelier zu integrieren. Aber dann soll auch wieder Zeit sein für Workshops für Kunstinteressierte. Zeit auch, für seine Tätigkeit im Stuttgarter Künstlerbund und für Auftragsarbeiten. Und für die Erstellung eines Katalogs, um seine Kunst fortan verstärkt dort zu präsentieren.
Tage der offenen Tür Kunst im Gewächshaus auf dem Gelände der Gärtnerei Knoch, Kornwestheimer Straße 45, Samstag, 13. April von 10 bis 17 Uhr, Sonntag, 14. April, 10 bis 15 Uhr.