Der Landkreis Ludwigsburg erhält vom Land 40 000 Euro für ein Projekt, das neuen Wohnraum schaffen soll. Kann man mit einer solchen Summe überhaupt etwas bewirken?
Der Landkreis hat ein Wohnraumproblem: Es wird wenig gebaut, die Mieten steigen weiter. Eine Lösung, die nun von vielen Seiten beschwört wird, ist die Innenentwicklung. Also die Bebauung von brachen Flächen in den Städten und Gemeinden, und die Aufwertung von aktuell unbewohnten Gebäuden. Für diesen Zweck erhält der Landkreis Ludwigsburg aus dem Landes-Fördertopf „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ in diesem Jahr 40 000 Euro. Klingt wenig, wenn man bedenkt, dass ein Käufer im Kreis mindestens 80 000 Euro für eine Wohnung auf den Tisch legen muss – eher einige Hunderttausend. Was soll man also mit so wenig Geld vom Land anfangen?
Das Geld ist nicht fürs Kaufen oder Bauen gedacht
Einen Hinweis zur Beantwortung dieser Frage liefert schon die Beschreibung des Programms: Das Land fördert damit nämlich explizit „nicht-investive Maßnahmen“. Die Gelder sind also gar nicht dazu gedacht, Wohnungen zu kaufen oder neue zu bauen. Dementsprechend hatte das Landratsamt Ludwigsburg auch nur die 40 000 Euro beantragt, die es dann erhalten hat.
Mit der Summe unterstützt der Landkreis Städte und Gemeinden insbesondere dabei, leer stehende Gebäude zu ermitteln und mit den Eigentümern in Kontakt zu treten. Dafür arbeitet das Landratsamt mit dem Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (IfSR) aus Nürtingen zusammen. „Die Mitarbeiter sind durch unsere Straßen gelaufen und haben nach Wohnraum gesucht, für den niemand angemeldet ist“, erklärt Franziska Wunschik von der Stadt Marbach.
„Da sind wir auf die Eigentümer angewiesen“
Die Schillerstadt war in der Förderperiode 2021 bis 2023 an dem Projekt des Landkreises beteiligt. 77 Leerstände fand das IfSR, die Stadt nahm daraufhin Kontakt zu den Eigentümern der Immobilien auf. „Bei Interesse haben wir den Leuten dann verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie sie den Wohnraum nutzbar machen können“, erklärt Wunschik. Ganz ähnlich wie in Marbach lief die Zusammenarbeit der Stadt Bönnigheim mit dem IfSR. Nach Auskunft von Kämmerer German Thüry konnte dort in der Innenstadt sogar noch ein freier Bauplatz in der Nähe des Köllesturms ausgemacht werden. „Derzeit hilft uns das IfSR, das Gelände zu vermarkten“, erklärt Thüry.
40 000 Euro erhielt der Landkreis im Jahr 2023, aber insgesamt floss noch deutlich mehr Geld aus dem Förderprogramm „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ an die Kommunen des Kreises. Das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen teilt auf Anfrage mit, dass seit dem Beginn des Programms im Jahr 2009 im Landkreis Ludwigsburg insgesamt 21 Anträge gefördert wurden, das Gesamtvolumen beläuft sich auf mehr als 530 000 Euro.
Auch die Stadt Ludwigsburg hat sich 2020 erfolgreich für das Programm beworben und 55 000 Euro erhalten. Mit diesem Geld gab sie eine Studie in Auftrag, die ermittelte, wo im Stadtgebiet Dachräume ausgebaut oder aufgestockt werden könnten. „Wie viele Wohnungen daraus werden, können wir aber noch nicht sagen“, erklärt die Ludwigsburger Baubürgermeisterin Andrea Schwarz. „Da sind wir auf die Eigentümer angewiesen.“ Unisono zeigen sich alle Beteiligten zufrieden mit dem Förderprogramm. „Innenentwicklung ist aufwendig“, so Schwarz. „Durch das Programm werden häufig Untersuchungen gestartet, die es ansonsten gar nicht erst gäbe.“ Es braucht also nicht immer große Gelder, um dem Wohnraummangel entgegenzuwirken.