Närrische Feuertaufe: Ein Aidlenger Stoadeifl läuft über glühende Kohlen. Foto:  

Am Drei-Königs-Wochenende beginnt im Kreis Böblingen die Fasnetssaison. Die Narrenzünfte stauben ihre Masken ab und begrüßen neue Mitglieder. Zum Teil geht es bei den Hexentaufen reichlich abenteuerlich zu.

Brrrrr, da fröstelt es einen ja schon beim Zuschauen: Bei winterlichen Temperaturen geht es auf einer hölzernen Rutsche steil hinab in die eiskalte Aid. Wer eine Aidbachhexe werden will, darf nicht zimperlich sein. Aber auch ein Aidlenger Stoadeifl muss furchtlos sein, wenn er zur Feuertaufe über glühende Kohlen läuft. Am kommenden Wochenende ist es wieder Zeit für die zum Teil recht bizarren und herausfordernden Aufnahmerituale der Narrenzünfte im Kreis Böblingen. Schließlich markiert der 6. Januar traditionell den Auftakt der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Die fünfte Jahreszeit dauert in diesem Jahr nur wenige Wochen. Am 14. Februar ist bereits Aschermittwoch. Umso intensiver dürfte das närrische Treiben ausfallen. Den ersten Vorgeschmack gibt es bereits am kommenden Wochenende, wenn die Narrenzünfte im Kreis zu Maskenabstauben, Hanselerwecken und Hexentaufen einladen.

Täuflinge brauchen Mut und Magenstärke

Den Anfang macht am Freitag, 5. Januar, die 1. Narrenzunft Grafenau. Nachdem sie 2023 ausnahmsweise vor dem Graf-Ulrich-Bau in Döffingen die Saison einläuteten, kehren Kreuzblitzhexen und Schloss-Teufel nun wieder zurück zum Dätzinger Schlosshof, wo die Täuflinge ab 18 Uhr Mut und Magenstärke beweisen müssen, wenn sie sich diversen Prüfungen stellen und eher unappetitliche Dinge probieren dürfen.

Zum eigentlichen Fasnetauftakt am Samstag, 6. Januar, erwacht auch überall sonst im Kreis alles, was Häs und Maske trägt, aus dem Winterschlaf. In Aidlingen wird der Strohhansel ab etwa 17 Uhr mit lautem Rufen erweckt. Laut Hexenmeister Florian Breitling finden dann zwei Taufen statt, wobei mangels weiterer Neoprenanzüge aber wohl nur ein neues Mitglied tatsächlich in der Aid baden darf, respektive muss. Für die zweite Neuhexe soll es eine alternative Taufe geben. Für die Veranstaltung haben sich von den Dachteler Langhoorguggis bis zu den Deufringer Berghexen sämtliche Aidlinger Gruppen angekündigt – mit einer Ausnahme: Die Dachteler Huzler Hexa feiern nämlich ab 16 Uhr mit Narrenbaumaufstellen und anschließender Taufe am Dachteler Backhaus ihre eigene Party.

Noch früher erwacht die Fasnet am Samstag beim „Seegärtle“ in Böblingen. Dort laden sämtliche Gruppen und Zünfte von Grün-Weiss Böblingen über Bären bis hin zu Kemmla-Hexa ab 11.11 Uhr zum Narrenbaumstellen und Fasneterwecken. Seegärtle-Wirt Uwe Hutfilz bietet den Böblinger Narren seit vergangenem Jahr eine neue Heimat, nachdem der bisherige Sudhaussturm auf dem Schönbuch-Bräu-Gelände seit der Pandemie der Vergangenheit angehört.

In der Nachbarstadt steigt die Maskentaufe der Sindelfinger Brunnensäu am Samstag um 13 Uhr am Freundschaftsbrunnen auf dem Marktplatz. Die Gesellschaft Blau-Weiss Sindelfingen mit ihrem Elferrat begleitet die Veranstaltung mit Musik von Blue-Brass Sindelfingen und Darbietungen der drei Tanzgarden.

Guggenmusiker wollen es krachen lassen

Im Gäu startet die 1. Narrenzunft Herrenberg laut Online-Terminkalender ab 14 Uhr in die neue Saison. Das Maskenabstauben mit dem Waldschütz Fole und seinen Gnomen findet auf dem Marktplatz statt. In Gärtringen laden Schlachtbullen, Keaspälter und Bronnawächter um 11.11 Uhr zur Häserweckung mit Maskentaufe vor dem Rathaus.

Rund um das Narrenheim im Ahornweg 3 feiert ab 15 Uhr die Freie Narrenzunft Deckenpfronn (FNZ) den Fasnetbeginn mit Maskenabstauben und Taufe. Hier wollen es die Bardarutscher mit ihrer Guggenmusik krachen lassen. Apropos Guggen: Zu den bekanntesten Gruppen im Kreis zählen die Hausemer Schnaidrebbler. Gemeinsam mit ihrer Partnergruppe, den Schtombaschiaßern, sorgt die kunterbunte Kapelle am Samstag, ab 18 Uhr, auf dem Hof der Freiwilligen Feuerwehr Bondorf für Partystimmung, wenn die NZ Bondorf zu Maskenabstauben und Taufe lädt. Wer mag, kann in der Zehntscheuer Bondorf schon am Vorabend ab 20 Uhr zum Fasnets-Warm-Up kommen.

Zum Warm-Up lädt am Freitag auch die Freie Narrenzunft Ehningen. Hier heißt das allerdings „Häseinstinken“ und findet ab 19 Uhr in der Gaststätte Billett statt. Am 6. Januar werden an selber Stelle ab 14 Uhr die Masken abgestaubt.