Der Malteser Hilfsdienst profiliert sich in der Pandemie-Krise als schnelle Eingreiftruppe. Die Abstrichzentren, die Covid-19-Klinik und der Aufbau der Kreisimpfzentren – an allen Stellen spielen die Malteser eine wichtige Rolle.

Esslingen - „Das eine Lob ist spontan, das andere bestellt. „Ihr macht einen tollen Job. Klasse Organisation, hat alles geklappt wie am Schnürchen“, ruft der Mann, der seine Mutter eben durch das Corona-Impfzentrum des Landkreises geschleust hat, quer über den Parkplatz in der Esslinger Zeppelinstraße. „Die Malteser sind eine wichtige Stütze in unserer Krisenstrategie. Mit ihnen ist es uns gelungen, die Abstrichzentren und die Covid-19-Klinik an der Messe umzusetzen. Beim Aufbau der Kreisimpfzentren haben wir auf die Mithilfe und die Erfahrung der Malteser in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz und der Johanniter Unfallhilfe gesetzt“, sagt der Esslinger Landrat, Heinz Eininger. Ob aus dem Bauch heraus oder wohlüberlegt, dem Geschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes, Marc Lippe, geht beides runter wie Öl.

Unter seiner Regie hat der Hilfsdienst, der in der öffentlichen Wahrnehmung meist nur die zweite Geige hinter dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) spielt, an Profil gewonnen. „Trotzdem kommt es vor, dass wir die Arbeit am Einsatzort machen und im Polizeibericht dann steht, die Verletzten seien vom DRK ins Krankenhaus gebracht worden“, klagt Lippe.

Halbe Zeitungsseite in der New York Times

Noch, denn die Corona-Krise ändert das Bild gerade. Die Malteser Neckar-Alb mit Sitz in Nürtingen machen weltweit Schlagzeilen. Die New York Times hat den Helfern eine halbe Zeitungsseite gewidmet, Lippe hatte zur besten Sendezeit zwei Live-Auftritte in der ARD-Tageschau und selbst Peking-TV war die Einrichtung des Corona-Abstrichzentrums (CAZ) auf dem Festplatz in Nürtingen-Oberensingen einen Fernsehbeitrag wert.

„Wir haben uns das übersetzen lassen. Da ist ein amüsierter Unterton über die verrückte Aktion aus dem fernen Deutschland nicht zu überhören“, sagt Lippe. Er kann es verkraften: Die von ihm und seiner Mannschaft entwickelte Idee, wonach die Corona-Verdachtsfälle aus dem Auto heraus weit ab von der ansteckungsträchtigen Enge der Wartezimmer in Kliniken und Arztpraxen getestet werden, hat ihren Siegeszug rund um den Globus angetreten. Die Organisation der Abstrichzentren war der Auftakt eines turbulenten Jahres. Es folgte der Aufbau eines Kontaktmanagements, um häusliche Corona-Problemfälle schnell in die Klinik und an die Beatmungsgeräte zu bringen. „Da haben wir viele Leben gerettet“, sagt Lippe in der Rückschau. Der Bau des letztlich nicht benötigten Notkrankenhauses auf den Fildern ist zum Glück eine Trockenübung geblieben – anders als der von den Maltesern auf die Beine gestellte Einkaufsservice für ans Haus gefesselte Quarantäne-Fälle, die Durchführung der Schnelltests am Flughafen und die im öffentlichen Raum eingerichteten provisorischen Testzentren im Vorfeld des Weihnachtsfests.

Zahlreiche neue Mitarbeiter für die Impfzentren

Und jetzt die Impfzentren. „Das toppt von der Komplexität, vom Aufwand und vom Personaleinsatz her natürlich alles“, sagt Lippe, der zusätzlich zu den 450 ehrenamtlichen und rund 200 hauptamtlichen Maltesern auf die Schnelle noch weitere 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt hat. „Es ist für uns eine glückliche Fügung, dass gerade viele vom Lockdown ausgebremste Beschäftigte in der Eventbranche, im Messebereich und im Flughafenumfeld Arbeit suchen“, sagt der Geschäftsführer. Die Neuzugänge stehen nun bis zum 30. Juni, dem Tag der geplante Auflösung der Impfzentren, auf dem Gehaltszettel der Malteser.

Dass die Helfer mit dem Malteserkreuz auf der Kleidung so gut vernetzt sind, liegt an der Vertrauensbasis, die sich der Verein mit der Organisation der Notfallpraxen und des ärztlichen Bereitschaftsdienstes geschaffen hat. „Wir sind an der Schnittstelle zwischen Landkreis, niedergelassenen Ärzten und Kliniken bestens vernetzt“, sagt Lippe, der dieses Netzwerk seit dem Jahr 2014 an verantwortlicher Stelle mitgeknüpft hat. Auf die Mitgliederzahlen der Malteser, im Landkreis Esslingen zählt der Hilfsdienst derzeit rund 2800 passive Mitglieder, hat die Arbeit als Speerspitze in der Corona-Pandemie bisher nur beschränkten Einfluss. „Die Pandemie bremst uns aus“, sagt Lippe. Ohne Werbeaktionen, ohne Infostände und ohne persönliche Treffen liege auch die Mitgliederwerbung auf Eis.