Gurken sind gut haltbar – nicht nur im Foto, sondern auch in echt. Foto: Eibner-Pressefoto/Dinkelacker

Lebensmittel haltbar zu machen statt sie verkommen zu lassen, ist in Zeiten des Klimawandels angebracht. Auch globale Krisen der jüngsten Vergangenheit zeigen, das Einlagern sinnvoll ist. Das Landratsamt gibt Tipps, was zu beachten ist.

Ob Äpfel, Birnen, Tomaten, Gurken oder Zucchini – wer Obst und Gemüse anbaut, hat derzeit einen vollen Erntekorb. Oft sogar so voll, dass es zu viel ist, um direkt alles zuzubereiten und zu verarbeiten. Von jeher war daher im Spätsommer und Herbst das Haltbarmachen wichtig – um nichts wegwerfen zu müssen, aber auch, um während der kargen Wintermonate etwas zu essen zu haben.

Plötzlich Lücken in den Regalen

Was für die Großeltern-Generation noch selbstverständlich war, ist für junge Menschen oftmals in den Hintergrund gerückt. Doch dass die ständige Verfügbarkeit ins Wanken geraten kann, hat sich bei globalen Krisen wie der Coronapandemie oder Putins Angriffskrieg in der Ukraine gezeigt. Die sonst übervollen Supermarktregale hatten plötzlich Lücken. Oder auch beim jüngsten Abkochgebot, das zehn Tage lang in Teilen Böblingens galt: Plötzlich konnte Wasser nicht mehr wie gewohnt aus der Leitung getrunken werden.

Sich auf Notsituationen vorbereiten

Das Landratsamt Böblingen widmet daher dem Thema „Gut versorgt mit nachhaltiger Vorratshaltung“ eigens eine kleine Ausstellung, um auf das richtige Anlegen von Vorräten aufmerksam zu machen. „Wir möchten ein Bewusstsein dafür schaffen, was um uns herum wächst – regional und saisonal. Und dass man das, was verfügbar ist, haltbar macht“, sagt Leona Irion vom Forums Ernährung und Hauswirtschaft, die die Ausstellung organisiert hat.

Leona Irion hat die Ausstellung entwickelt. Foto: Eibner/Sandy Dinkelacker

Es könnten immer wieder Situationen auftreten, in denen nicht wie gewohnt konsumiert werden könne. Ursache müsse nicht immer eine globale Krise sein, sondern könnte auch eine persönliche Krankheit, ein Extremwetter wie Sturm oder Schnee oder ein längerer Stromausfall sein, der das normale Einkaufen unmöglich mache.

Dem Unsicherheitsgefühl, das manche Bürger diesbezüglich haben, wolle man begegnen und aufzeigen, wie vernünftig Vorsorge getroffen werden kann, sagt Irion. Auf Plakaten und Flyern können sich Besucher noch bis Montag, 25. September, im Foyer des Landratsamts unter anderem darüber informieren, wie viel Liter Wasser ein Haushalt lagern sollte oder wie viele Grundnahrungsmittel man immer verfügbar haben sollte.

Nichts verkommen lassen

Neben der Vorsorge für etwaige Krisen geht es Leona Irion in der Ausstellung aber auch um das Thema Nachhaltigkeit und darum, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden. Sie hat jüngst eine ganz persönliche Erfahrung damit gemacht: „Ich fahre immer wieder an einem Birnbaum vorbei und sehe seit Jahren, wie seine Früchte auf dem Boden vergammeln. Dieses Jahr habe ich den Mut gehabt, in der Werkstatt dahinter nachzufragen, ob es ihnen etwas ausmacht, wenn ich einige mitnehme“, erzählt Irion. Das Fragen habe sich gelohnt: Nun habe sie einige schöne Birnen zuhause im Kühlschrank und wolle daraus bald einen Kuchen backen und Kompott zum Einlagern kochen.

Um auch andere zum Verwerten des reifen Obstes anzuregen, erinnert die Ausstellung auf einem Plakat an die Streuobstwiesenbörse. Die Idee dahinter ist, dass Baumbesitzer anhand gelb-orangener Bändel kenntlich machen können, dass das Obst ihrer Streuobstwiese gesammelt und mitgenommen werden darf. „Wir möchten die Lust wecken, damit etwas anzufangen“, sagt Irion. Zum Haltbarmachen eigne sich neben Einkochen und Tiefkühlen auch das Dörren. „Bei Corona haben wir gesehen, dass wieder eine große Lust am Selbermachen aufgekommen ist.“

Vorräte regelmäßig austauschen

Leona Irion gibt außerdem den Tipp, Vorräte regelmäßig zu verbrauchen und neu anzulegen, damit sie mit der Zeit nicht schlecht werden. Auch sollte man im Hinterkopf haben, dass manche Vorräte bei bestimmten Notsituationen nicht verwendbar sind: Mehl etwa sei bei einem längeren Stromausfall wenig nützlich. Für diesen Notfall seien Lebensmittel geeignet, die dank eines Campingkochers mit heißem Wasser aufgekocht werden könnten, wie zum Beispiel Instant-Kartoffelpüree oder Tütensuppen. Um auf Vorräten nicht sitzen zu bleiben, rät Irion: „Man sollte sich immer auch überlegen: Was schmeckt meiner Familie.“ Ein Tipp von Leona Irion, um Kosten zu sparen, ist das Einkaufen von Obst und Gemüse zu Zeiten, in denen sie in großer Menge verfügbar und daher günstig sind. Also: saisonal.

Dass das Interesse an dem Thema der Ausstellung groß ist, habe sich schnell gezeigt, sagt Irion: Schon am ersten Tag seien alle Broschüren vergriffen gewesen. Inzwischen liegen aber längst neue aus.

Vorräte für zehn Tage anlegen

Wasser
 Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät, sich für Notsituationen einen Vorrat anzulegen, der zehn Tage reicht. Wasser sollte zwei Liter pro Tag und Person gelagert werden – 1,5 Liter zum Trinken sowie 0,5 Liter zum Zubereiten von Essen.

Lebensmittel
 Um zehn Tage über die Runden zu kommen, rechnen Katastrophenschützer mit 2200 Kilokalorien pro Tag pro Person. Demnach sollten 3,5 Kilogramm Getreideprodukte/Kartoffeln/Nudeln/Reis verfügbar sein, 2,5 Kilogramm Obst/Nüsse, 2,6 Kilogramm Milchprodukte, 1,5 Kilogramm Fisch/Fleisch/Eier sowie 357 Gramm Öle/Fette. Alles sollte lagerfähig sein.