Die Verbraucher im Landkreises Ludwigsburg müssen keine dramatischen Erhöhungen der Abfallgebühren befürchten. Wie es aber künftig weitergeht, ist ungewiss.
In Zeiten der Inflation drohen auch Gebühren zu steigen – das ist aber bei den Abfallgebühren des Landkreises Ludwigsburg für das Jahr 2024 nicht der Fall. Die Bürger dürfen stattdessen davon ausgehen, dass die Müllgebühren zum dritten Mal hintereinander stabil bleiben. Das geht aus der Kalkulation hervor, die der Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik (AUT) in seiner jüngsten Sitzung absegnet hat.
Was der Kreistagsausschuss beschließt, genehmigt in der Regel wenige Wochen später auch der Kreistag – in diesem Jahr soll das am 20. Oktober sein. Im AUT gaben die Fraktionen grünes Licht, nachdem der AVL-Geschäftsführer Tilman Hepperle die Karten für die kreiseigene Abfallgesellschaft auf den Tisch gelegt hatte. Demnach zahlt ein Vier-Personen-Haushalt für Restmüll und Bioabfall weiter etwa 216 Euro bei durchschnittlichem Leerungsverhalten.
Die Kunden hatten es nicht immer leicht mit der AVL und dem Landkreis. Etwa im November 2020, als bekannt wurde, dass die Bürger mit ihren Gebühren die auf 140 Millionen Euro in die Höhe geschossenen Nachsorgekosten von Deponien finanzieren mussten. Der damit verbundene Anstieg der Gebühren mit zweistelligen Prozentzahlen wirkt immer noch nach. Auch der Umstieg auf den Entsorger Alba sorgte zeitweilig für Unruhe.
Umso zufriedener reagierten die Kreisräte auf das Zahlenwerk von AVL-Chef Hepperle. Der Verkauf von Altpapier hat der AVL im Vorjahr rund fünf Millionen Euro erbracht. Sie verstärkten die Einnahmen von rund 17,3 Millionen Euro aus den Gebühren erheblich. Aber auch das gehandelte Altmetall mit 854 000 Euro wirkte sich positiv auf die Bilanz aus. Allerdings sinken derzeit die Preise für Altpapier – die AVL musste den Erlös von 125 Euro pro Tonne in diesem Jahr bereits auf 67 Euro anpassen.
Die wirtschaftliche Krise sowie steigende Energiepreise und der immer noch ungeklärte finale Richterspruch zu den Nachsorgekosten der Deponien vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig lassen die von dem Gutachter der AVL Jens Petschel in Aussicht gestellten stabilen Gebühren in 2025 – er sprach sogar von möglichen Senkungen in den Jahren 2026 bis 2027 – unsicher erscheinen. Landrat Dietmar Allgaier (CDU) dämpfte deshalb die Erwartungen und sah eine „Momentaufnahme“. Von Vorsicht geprägt ist offenbar auch der Beschluss der Fraktionen, einen Überschuss aus dem Jahr 2022 von etwa 2,5 Millionen Euro nicht dem Landkreis zu überlassen, sondern der AVL.
Steigen werden mit großer Wahrscheinlichkeit die Nachsorgekosten für die Deponien – hier muss der Kreis noch rund 90 Millionen Euro abtragen. Und die nächste Kalkulation dafür steht im Jahr 2024 an. Schwarze Wolken drohen auch durch die Krise der Bauwirtschaft – die Erlöse auf den Deponien sind im Vorjahr um etwa ein Sechstel eingebrochen. Der Vorteil besteht darin, dass die Deponien nun länger laufen können.