Lastwagen stehen auf der Bundesstraße 31 bei Eriskirch zwischen Lindau und Friedrichshafen. Mehrere Fahrer mussten die Nacht über in ihren Wagen verbringen. Foto: dpa/Felix Kästle

So heftiger Schneefall wie schon lange nicht mehr hat im Südwesten den Straßen- und Schienenverkehr ausgebremst. Am Donnerstag und Freitag kam es zu zahlreichen Unfällen, im Schwarzwald wurde eine 72-jährige Frau von einem Baum erschlagen.

Rottweil - Liegengebliebene Fahrzeuge, Rutschpartien auf den Straßen und überall Neuschnee: Für Tobias Wagner, Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks (THW) in Rottweil, war es eine Nacht, wie er sie noch nie erlebt hat. „Ich bin seit 20 Jahren beim THW, aber das war der größte Wintereinsatz, den wir je gemacht haben“, sagt der 39-Jährige und erlebte von Donnerstag auf Freitag eine extreme Schicht. Die Helfer schleppten festhängende Laster von der Bodenseeautobahn 81 ab, vor allem im Bereich des Autobahnkreuzes Bad Dürrheim und der Anschlussstelle Empfingen. „Bis Mitternacht zogen wir mit Gerätekraftwagen die Fahrzeuge aus dem Schnee, manche waren beim Versuch freizukommen ins Seitenbankett gerutscht“, berichtet Wagner.

Etliche Züge sind ausgefallen

Nicht nur die Region Bodensee-Oberschwaben auch in anderen Teilen des Landes kam es wegen des hohen Schneeaufkommens zu Chaos auf den Straßen und Schienen, mancherorts fiel der Strom aus. Etliche Züge konnten nicht mehr fahren, teils wegen umgestürzter Bäume und defekten Oberleitungen, teils wegen den massiven Schneemengen, die sich innerhalb weniger Stunden auftürmten. An Steigungen kamen Schwerlastfahrzeuge nicht mehr weiter und bremsten den nachfolgenden Verkehr aus. So mancher Lastwagenfahrer verbrachte die Nacht auf Freitag auf der Straße. Besonders betroffen war die Bundesstraße 31 zwischen Friedrichshafen und der Anschlussstelle Sigmarszell. Dort sorgten querstehende Laster dafür, dass der Verkehrsfluss in beiden Richtungen zeitweise vollständig stockte. Es bildete sich in Fahrtrichtung Lindau ein zehn Kilometer langer Rückstau, der auch den Räum- und Abschleppdiensten ein Durchkommen fast unmöglich machte. Das Deutsche Rote Kreuz versorgte feststeckende Fahrer mit Verpflegung und warmen Decken.

Vielerorts blieb es bei Blechschäden und Leichtverletzten

Polizei meldet etliche Unfälle im Land, vielerorts blieb es bei Blechschäden und Leichtverletzten. In den Landkreisen Konstanz, Tuttlingen, Rottweil und Schwarzwald-Baar rückten Polizei und Feuerwehr zu über hundert Unfällen aus.

In Wittlingen bei Lörrach verunglückte am Donnerstageine 72-jährige Fußgängerin tödlich. Die Frau, die mit ihrem Hund unterwegs war, wurde von einem umstürzenden Baum getroffen, er war unter der Schneelast zusammengebrochen. Wie die Polizei mitteilt, wurde die Frau gegen 22.30 Uhr von ihrem Sohn entdeckt, der sich besorgt auf die Suche gemacht hatte. Sie war schwer verletzt und stark unterkühlt. Noch im Laufe der Nacht starb sie im Krankenhaus.

Lawinengefahr in den Höhenlagen

Die Polizei warnt eindringlich davor, die Gefahr, die von den Schneemassen ausgeht, nicht zu unterschätzen. „Meiden Sie, wenn möglich, die Höhenlagen des Breisgau-Hochschwarzwalds, appelliert Michael Schorr, Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg, an die Bevölkerung. Es könnten Lawinen abgehen, immer wieder würden Bäume unter der Last des Schnees zusammenbrechen. „Die Bergwacht ist in absoluter Alarmbereitschaft“, sagt Schorr. Allerdings hätten die Retter momentan oft Schwierigkeiten, die Unglücksorte zu erreichen und brächten sich selbst in große Gefahr aufgrund einstürzender Bäume.

Nicht nur die Wälder sollten gemieden werden, auch zahlreiche Straßen im Land sind nicht passierbar. „Mir liegen 15 Sperrungen vor“, sagt der Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg, „das ist gerade ziemlich dynamisch.“ Der sonnig-blaue Himmel am Freitag hat den Helfern eine Verschnaufpause ermöglicht. „Es scheint sich etwas zu entspannen“, bilanziert Schorr. „Aber es könnte auch sein, dass wir am Wochenende wieder eine extreme Nacht erleben werden.“

Das Wetter bleibt am Samstag und Sonntag winterlich laut Deutschem Wetterdienst, mit Temperaturen um den Gefrierpunkt. Und vielerorts soll es schneien.

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