So soll die Zukunft in den Badwiesen in Kirchheim aussehen: Die Bestandsgebäude werden saniert und um eine Etage aufgestockt, davor entstehen Neubauten mit acht Wohnungen. Foto: /Bankwitz Planungsgesellschaft

Die Kreisbau-Genossenschaft Kirchheim-Plochingen gestaltet in den nächsten Jahren für 100 Millionen Euro ein Wohnquartier im Kirchheimer Westen grundlegend um. In diesem Sommer geht’s los. Das ist geplant.

Erst die Corona-Pandemie, dann ein Politikwechsel samt Fördermittelstopp und schließlich der Ukrainekrieg mit seinen wirtschaftlichen Auswirkungen – das alles hat für Verzögerungen gesorgt. Doch was lange währt, wird bekanntlich gut: „In diesem Jahr beginnen wir endlich mit unserem Jahrzehntprojekt Badwiesen 2030“, teilt Bernd Weiler, der Vorstandssprecher der Kreisbau-Genossenschaft Kirchheim-Plochingen, voller Stolz mit. Die Rahmenbedingungen seien zwar weiterhin schwierig, aber man wolle ein Zeichen setzen: „Wir bauen auch in der Krise, um dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“

Bestand wächst um mehr als 100 Wohnungen

In den Badwiesen in Kirchheim hat die Kreisbau Großes vor. In den 1960er Jahren hatte die Genossenschaft in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof eine Wohnanlage mit 192 Wohnungen gebaut. Mittlerweile sind die acht Gebäude in die Jahre gekommen, weshalb sie nun grundlegend saniert und aufgestockt werden: In den bislang ungenutzten Dachräumen sollen weitere Wohnungen entstehen. Zudem will die Kreisbau fünf Neubauten samt Tiefgaragen errichten, in denen neben Wohnungen auch Gemeinschaftsflächen untergebracht werden. Laut Weiler können nach Abschluss aller Arbeiten auf dem knapp drei Hektar großen Areal insgesamt 309 genossenschaftliche Mietwohnungen angeboten werden.

Mit der Fertigstellung rechnet er jedoch nicht 2030, wie ursprünglich geplant, sondern frühestens 2034: „So ein ambitioniertes Projekt braucht zehn Jahre“, räumt Weiler ein. Insgesamt sind vier Bauabschnitte vorgesehen. Alles in allem wird die Kreisbau mehr als 100 Millionen Euro investieren und damit die Wohnanlage weitestgehend klimaneutral machen. Eine sinnvolle Ausgabe, ist Weiler überzeugt: „Dem Wohnen der Zukunft und damit zufriedenen Mietern gilt unsere besondere Aufmerksamkeit. Denn wer sich in seinem Quartier wohlfühlt, der bleibt.“

Erklärtes Ziel der Kreisbau ist, in den Badwiesen ein modernes, vielseitiges und barrierearmes Wohnquartier für Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen zu schaffen – ein Leuchtturmprojekt, das bautechnisch und architektonisch Maßstäbe setzt. Wegen dieses besonderen Konzepts wurde das Vorhaben ins IBA’27-Netzwerk aufgenommen – wenngleich in Kirchheim bis zur Internationalen Bauausstellung in der Region Stuttgart im Jahr 2027 noch nicht allzu viel zu sehen sein wird. Dann ist der erste Bauabschnitt wohl gerade erst fertiggestellt und mit dem zweiten vielleicht schon begonnen worden.

Zweieinhalb Jahre Bauzeit für ersten Abschnitt

Laut Weiler soll es in diesem Sommer mit den Gebäuden Badwiesen 1 bis 3 und 5 bis 7 losgehen: Die Grundrisse der Wohnungen werden neu gestaltet, Fassaden gedämmt, Fenster ausgetauscht, eine Fußbodenheizung eingebaut, der Brandschutz verbessert, neue Balkone an der Fassade angebaut. Die Gebäude werden um eine Etage aufgestockt, so entstehen zwölf weitere Wohnungen. Die Garagen werden demnächst abgerissen, vor den Häusern entsteht ein viergeschossiger Neubau in Holzbauweise mit acht Wohnungen, einem sogenannten Waschcafé und einem Gemeinschaftsbereich. Kostenpunkt für all das: gut 25 Millionen Euro. Die Kreisbau rechnet mit zweieinhalb Jahren Bauzeit. Erst nach der Fertigstellung folgt der nächste Bauabschnitt, dann sind die Gebäude Badwiesen 9 bis 11 und 13 bis 15 dran.

Weil die Bestandsgebäude nicht in bewohntem Zustand modernisiert werden können, müssen die Mieter von insgesamt 48 Wohnungen ausziehen. Ein Großteil steht bereits leer, Ende März läuft die Frist für die letzten Bewohner aus, berichtet Weiler. Für die Betroffenen neuen Wohnraum zu finden, das sei schon eine Herausforderung gewesen, räumt der Vorstand der Kreisbau ein. Denn in den Häusern leben, oft schon seit Jahrzehnten, überwiegend Menschen mit geringem Einkommen, die sich die hohen Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt kaum leisten können.

Zwar habe die Genossenschaft rund 3900 Wohnungen in ihrem Bestand, „aber bei durchschnittlich nur 100 Wohnungswechseln im Jahr ist es schwierig, Ersatz zu finden“, räumt Weiler ein. „Wir können leider nur Wohnungen anbieten, die aktuell frei sind.“ Dennoch sei es gelungen, die meisten Mieter in anderen Genossenschaftswohnungen unterzubringen – einige wenige von ihnen zum Beispiel in den Neubauten in der Schöllkopfstraße im Quartier gegenüber. Allerdings ist dort die Miete deutlich höher.

Nicht anders wird es in den „neuen Badwiesen“ sein. Im Vergleich mit der heutigen Durchschnittskaltmiete wird sich der Mietpreis wohl verdoppeln: Wenn die ersten Wohnungen bezugsfertig sind, ist mit einem Quadratmeterpreis von 14 bis 15 Euro zu rechnen, sagt Weiler. Diese Summe benötige man aber, betont der Vorstandssprecher: Die Sanierung schlage mit Kosten von 4500 Euro pro Quadratmeter zu Buche, und diese müssten über Kredite finanziert werden.

Nachhaltigkeit wird beim Projekt groß geschrieben

Ökobilanz
Die Modernisierung schneidet in der CO2-Bilanz um rund 50 Prozent besser ab als ein Abbruch der Gebäude. Die Neubauten entstehen in serieller Holzbauweise.

Energie
Die Bestands- und Neubauten entsprechen dem Effizienzhausstandard KfW 55. Die für den Unterhalt benötigte Energie wird über regenerative Quellen erzeugt. Auf den Dachflächen sind Photovoltaikanlagen vorgesehen. Zum Heizen werden Wasser-Wärmepumpen eingesetzt. Hierbei wird die Abwasserwärme aus dem Sammler in der Schöllkopfstraße in Heizenergie umgewandelt.

Wasserkreislauf
Das Grundstück wird komplett durchgrünt. Das auf dem Areal anfallende Regenwasser wird zur Bewässerung der Bäume genutzt und dem Kreislauf zurückgeführt. Die angrenzenden Gewässer der Lauter werden wieder offengelegt.

Mobilität
Das Konzept sieht ein Carsharing-Angebot mit verschiedenen Fahrzeuggrößen für alle Zwecke vor. Auch E-Bikes und Lastenräder für kurze Erledigungsfahren sind geplant.