Auch Gottesdienste sollen in der Görlitzer Synagoge künftig wieder stattfinden. Foto: dpa/Robert Michael

Die Görlitzer Synagoge hat den Novemberpogrom 1938 überstanden. Nach jahrelanger Sanierung soll sie nun als Begegnungsort dienen – und als Zeichen gegen Antisemitismus.

Görlitz - Nach rund 30-jähriger Sanierung ist die Synagoge in Görlitz als Kulturforum wiedereröffnet worden. Beim Festakt am Montag sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU): „Die Schönheit dieses Jugendstilbaus und die Dauerausstellung, die bald hier ihre Pforten öffnen wird, zeigen jüdisches Leben als inspirierenden Teil deutscher Geschichte und Gegenwart. Und das ist ein wichtiger, unverzichtbarer Beitrag zu Antisemitismus-Prävention.“

Grütters sagte weiter: „Denn wo Menschen wissen, wie stark europäische Kunst, Wissenschaft und Kultur von Jüdinnen und Juden geprägt sind, geht die Saat antisemitischer Hetze nicht oder nicht so leicht auf.“ Umso „erschreckender und beschämender“ sei es, welches Ausmaß an Gewalt gegen Jüdinnen und Juden in Deutschland wieder angenommen habe. Beim Kampf dagegen komme es auf jeden und jede Einzelne an. Und so hoffe sie, dass das Kulturforum auch das Verantwortungsbewusstsein seiner Besucherinnen und Besucher schärfe.

Zweimal musste die Eröffnung verschoben werden

In der Synagoge sollen künftig auch wieder Gottesdienste stattfinden, ansonsten soll sie als Veranstaltungsort des Kulturforums genutzt werden. Eine eigenständige jüdische Gemeinde gibt es in Görlitz nicht. Geplant ist, bis Ende des Jahres noch einen vier Meter hohen Davidstern auf die Kuppel zu setzen. Ein anonymer Spender gab dafür 70 000 Euro. Wegen der Corona-Pandemie war die Wiedereröffnung zweimal verschoben worden.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach vom „schönsten Bau zwischen Dresden und Breslau“, der vor 30 Jahren noch eine „furchtbare Ruine“ war: „Ich wünsche uns allen, dass von diesem Tag Zuversicht, Mut und Engagement ausgehen. Große Dinge können gelingen, wenn wir sie gemeinsam angehen.“

In der DDR lag das Gebäude brach

Görlitz’ Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) betonte: „Unsere Stadt steht für Religionsfreiheit, Weltoffenheit und Toleranz. Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit dürfen hier keinen Platz haben.“ In diesem Sinne solle das Kulturforum zu einem „Haus der Begegnung, der Lehre und der Kultur“ entwickelt werden, das nachhaltig Verständigung präge.

Die Görlitzer Synagoge stammt aus dem Jahr 1911 und überstand als einzige in Sachsen die Novemberpogrome von 1938. Zu DDR-Zeiten lag das Gebäude brach. Seit der Wende wurde der marode Bau nach und nach saniert, den Angaben zufolge für insgesamt rund 12,6 Millionen Euro. Der Bund nahm das Jugendstilgebäude 2012 in die Liste der „Baudenkmäler von nationaler Bedeutung“ auf.

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