Daimler – hier ein Foto aus der Produktion – wollte sich zur Lage der Automobilbranche noch nicht äußern. Foto: dpa - dpa

Wohin fährt die Automobilregion Esslingen? Bleiben die Zuliefererbetriebe auf der Strecke? Oder geben sie trotz ausgebremster Wirtschaftslage erst richtig Gas? Die Eßlinger Zeitung fragte bei den „Großen Vier“ nach – Daimler, der Eberspächer Gruppe in Esslingen, Festo mit Stammhaus in Esslingen und der Pilz GmbH in Ostfildern.

Daimler: Laut einem Unternehmenssprecher möchte sich Daimler nicht äußern und gibt keine Auskunft zur derzeitigen Lage. Es wird stattdessen auf den Quartalsbericht am Donnerstag, 24. Oktober, verwiesen.

Eberspächer: Heinrich Baumann, geschäftsführender Gesellschafter der Eberspächer Gruppe mit Abgastechnik, Fahrzeugheizungen und Busklimasystemen teilt mit: „Die Situation in unserem Unternehmen ist gemischt. Es gibt Geschäftsbereiche, die mit dem bisherigen Geschäftsverlauf auf Plan sind, andere liegen unter Plan. Zum ersten Halbjahr halten wir in der Summe unser Budget. Das zweite Halbjahr birgt aber auf jeden Fall Risiken aufgrund der zunehmend unsicheren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.“

Festo: Die Firma für Steuerungs- und Automatisierungstechnik mit Stammsitz in Esslingen hat seit Dienstag, 1. Oktober, die wöchentliche Arbeitszeit der Mitarbeiter an den deutschen Standorten mit Festo AG & Co. KG, Festo Vertrieb GmbH & Co. KG sowie Festo Polymer GmbH um 1,5 bis höchstens drei Stunden pro Woche reduziert. Denn es wird laut Sybille Wirth von Corporate Communication – Technology bei Festo auf „Beschäftigungssicherung in einem angemessenen Rahmen“ gesetzt: „Der Status der Beschäftigungssicherung ist für einen Zeitraum von drei Monaten bis Ende Dezember vorgesehen. Über diesen Zeitraum hinaus können wir noch keine Angaben machen. Wir sind jedoch überzeugt, dass Festo, sobald sich die angespannte Weltkonjunktur erholt, von seiner Innovationskraft profitiert.“ Denn, so die Unternehmenssprecherin, Festo sei ein stabiles, breit aufgestelltes Unternehmen mit Produkten für viele Branchen und in vielversprechenden, zukunftsfähigen Märkten. Das „tarifvertragliche Instrument der Beschäftigungssicherung ist eine Maßnahme, um temporäre wirtschaftlich schwierige Phasen in einem moderaten Rahmen auszugleichen und Arbeitsplatzsicherheit für unsere Mitarbeiter zu gewährleisten – darin besteht Einigkeit zwischen Betriebsrat und Unternehmen“. Festo verweist auf die globale Wirtschaft, die durch ein konjunkturelles Tal gehe, und darauf, dass der aktuelle Abschwung nicht nur diese Firma treffe: „In anderen Unternehmen wurden bereits Maßnahmen – wie beispielsweise Kurzarbeit – eingeführt. Auch wir müssen gegensteuern.“ Oberstes Ziel sei es, ein verlässlicher Arbeitgeber zu sein und die Arbeitsplätze zu sichern.

Pilz: Die Firma Pilz, Anbieter für Automatisierungstechnik in Ostfildern, befindet sich seit September in Kurzarbeit. Diese vorübergehende Verringerung der Arbeitszeit gilt grundsätzlich für alle Abteilungen, erläutert Pressesprecher Martin Kurth: Jedoch seien einzelne Bereiche wie etwa der Außendienst weniger betroffen, um Liefertreue sowie die Betreuung von Kunden und Partnern weiterhin zu gewährleisten. Um Verunsicherungen innerhalb der Belegschaft zu vermeiden, habe die Firma auf verschiedenen Betriebsversammlungen und auch über interne Informationskanäle offen über das Thema aufgeklärt, und zusammen mit dem Betriebsrat sei eine gute Lösung gefunden worden. Wichtig sei es Pilz, auch weiterhin transparent zu sein. Daher würden die Mitarbeitenden regelmäßig über die aktuellen Zahlen informiert. Die Phase der Kurzarbeit werde wohl noch eine Weile anhalten, so der Pressesprecher. Es sei aber schwierig, eine Prognose zur Dauer abzugeben. Oberstes Ziel des Unternehmens sei es, so Martin Kurth, den bestehenden Mitarbeiterstamm zu halten – und dazu sei Kurzarbeit ein probates Mittel. Gründe dafür sind laut Pressesprecher das Eintrüben der Konjunktur, der Rückgang von Aufträgen und die damit verbundene geringere Auslastung: „Wir können uns von globalen, wirtschaftlichen Entwicklungen wie dem Brexit oder dem Handelsstreit zwischen China und den USA nicht abkoppeln.“ Zudem befinde sich die Automobilindustrie gerade in einer schwierigen Phase, weil Umbrüche wie der Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität mit hohen Investitionen anstünden. Und: „Eine neue Produktionssparte kostet erst einmal Geld. Die Eintrübung der Weltwirtschaft hat daher gerade die Automobilindustrie zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt getroffen.“

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