Mit dem Hit „Zuhause ist wir“ des Deutsch-Rappers Mo Trip versucht Antonio, die prominente Jury zu überzeugen. Foto: ProSiebenSAT.1/Richard Hübner Foto:  

Der 29-jährige Wendlinger Antonio Esposito ist am Sonntag beim Casting-Format von Sat 1 und Pro 7 zu sehen. Es könnte der größte Auftritt seiner bisherigen Laufbahn werden.

Wendlingen - Das bisherige Highlight seiner musikalischen Karriere war wohl das Konzert in der Mannheimer SAP Arena. Damals durfte Antonio Esposito mit seinem Idol, dem deutschen Kult-Rapper Kool Savas, auf der Bühne stehen und ihm zeigen, was er kann. „Jahrelang hatte ich ihn gehört, dann stand ich mit ihm auf der Bühne. Er war total cool, als würden wir uns schon ewig kennen“, erzählt der 29-jährige Wendlinger.

Seine jüngere Schwester hatte ihn damals überredet, sich für diesen Auftritt zu bewerben. „Ich tat es nur, damit meine Schwester Ruhe gibt“, erzählt er lachend. Rund 25 000 Rap-Fans hatten dasselbe getan, aber nur zwei wurden genommen. „Man musste einen Songtext schreiben und ein Foto dazu schicken.“ Er schrieb keine Lobeshymnen auf die Stars, sondern dass dieses Konzert einen Benefit für Kinder bringen sollte. Das gefiel dem Rap-Star und Antonio war dabei.

Prominente Jury

Doch dieser Moment könnte noch gesteigert werden, wenn er an diesem Sonntag bei der sogenannten Blind Audition von „The Voice“ auf Sat 1 weiterkommt. Verraten darf er noch nicht, ob ihn einer der prominenten Talentsucher Mark Forster, Yvonne Catterfeld, Stefanie Kloß, Nico Santos oder Samu Haber und Rea Garvey genommen hat. Die Juroren sitzen bei diesem Format in Sesseln von den Talenten abgewandt, um sich voll auf den Gesang konzentrieren zu können. Damit soll vermieden werden, dass Kandidaten durch ein schrilles Outfit oder eine große Klappe Eindruck bei den Juroren schinden können. Deswegen ist „The Voice“ auch das Lieblingsformat des Wendlingers, der bei einer Einzelhandelskette in Kirchheim im Verkauf und im Lager arbeitet. Er konnte sich bei den bisherigen Ausgaben aber nie überwinden, mitzumachen. „Ich dachte immer, Rap ist nichts für dieses Format.“

Dann kamen zwei Dinge zusammen: Sein Schwager drängte ihn mitzumachen, und auf Facebook nahm einer seiner Kontakte am Casting in Stuttgart teil. Das bedeutet nun aber nicht, dass Antonio schüchtern oder auf den Mund gefallen wäre, im Gegenteil. Wie sein Vorbild Kool Savas liebt Esposito die „Battle-Raps“ auf einen vorgegebenen Beat oder ein „Written Battle“ a cappella. Dabei treten zwei Rapper auf einer Bühne verbal gegeneinander an und begeben sich in eine Wortschlacht. „Ich bin extra nach Berlin gefahren, um mich beleidigen zu lassen. Das haben meine Eltern nie verstanden“, sagt er lachend. Auch wenn der Gegner, wie ihn Antonio nennt, seine Mutter beleidigt, könne er danach mit ihm problemlos ein Bier trinken. „Das ist wie eine Sportart“, sagt er. Der musikalische Boxkampf ist ein Ventil in vielerlei Hinsicht, auch für Antonio Esposito, dessen Familie aus dem süditalienischen Lecce stammt. Seine Texte, die er seit der Schulzeit mit Leidenschaft verfasst, haben eine Fangemeinde in der Region, wo man ihn als „Sintony“ kennt.

„Gibt keinen Masterplan“

In jüngster Zeit beschäftigt er sich aber auch mit anderen Stilen, er spielt auf dem E-Piano Songs von Queen-Gründer Freddy Mercury wie „Bohemian Rhapsody“ oder „Great Pretender“. Was eine mögliche Musiker-Karriere betrifft, bleibt Antonio Esposito auf dem Teppich. „Es wäre schön, wenn ich meinen Kühlschrank durch Musik füllen könnte“, sagt der Einzelhandelskaufmann. Aber er wäre auch zufrieden, wenn er lediglich mehr Zeit für die Musik hätte. „Es gibt keinen Masterplan.“ Er will jedenfalls immer in der Lage sein, selbst genug fürs Leben zu verdienen. „Ich bin nicht gerne abhängig von jemandem“, sagt er.

„The Voice“ ist nun ein Versuch, es vor größerem Publikum zu probieren, ohne gleich alles zu riskieren. Dabei haben ihn seine Chefs unterstützt: „Albert Wendling und Ali Narin waren total flexibel, haben mir Zeit eingeräumt. Ihnen bin ich total dankbar.“ Damit nehmen sie freilich auch in Kauf, einen guten Mann zu verlieren, denn der Traum bleibt: „Wie geil wäre das, wenn das Studio der Arbeitsplatz wäre?“

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