In Brasiliens offizieller Schule für Weihnachtsmänner bereitet man sich auf ein ungewöhnliches Fest vor. Drei Absolventen sind an Covid-19 gestorben. Die Pandemie verdeckt jedoch ein anderes Problem, das Brasiliens Weihnachtsmänner haben.
Rio de Janeiro - Wer als echtes Exemplar in Brasiliens Schule für Weihnachtsmänner aufgenommen werden will, muss einige unverhandelbare Voraussetzungen erfüllen: „Es müssen Männer über 50 Jahre sein, sie müssen einen grauen oder weißen Bart haben, Kinder mögen und mit ihnen zusammenleben“, sagt Mitgründer Limachem Cherem (64). Dank dieser strengen Auswahlkriterien sind die Weihnachtsmänner dieser offiziellen Schule besonders authentisch und damit auch besonders beliebt. Außerdem sollen sie vor dem Auftritt weder rauchen noch trinken, weil die Gerüche in der Kleidung stecken und die Kinder das riechen könnten.
Zumindest letzteres ist während der Corona-Pandemie kein Thema mehr, denn in Brasilien fallen wie in vielen anderen Ländern auch die beliebten Treffen der Kinder mit dem Weihnachtsmann in diesem Jahr aus. „Wir habe bislang drei unserer Mitglieder verloren, die mit einer Covid-Infektion gestorben sind“, sagt Cherem, der einst wegen familiärer Probleme auf der Straße lebte und heute im wahren Leben als Schauspieler und Kulturproduzent tätig ist. Brasiliens offizielle Weihnachtsmänner gehören aufgrund ihres Alters zur gefährdeten Risikogruppe.
In diesem Jahr gibt es nur virtuelle Begegnungen
Natürlich spielt Corona auch bei den Kindern eine große Rolle: „Die Kinder fragen mich immer danach und ich sage ihnen, sie sollen sich keine Sorgen, denn ich bringe die Geschenke ja nachts, wenn alle schlafen. So begegne ich keinen Menschen und kann mich oder die anderen nicht anstecken“, sagt Weihnachtsmann Roberto Resende (75). Die meisten Kids seien dann beruhigt.
An einem Sonntag im Dezember sitzen Cherem und Resende in einem improvisierten Studio in einer kleinen Wohnung im Norden von Rio de Janeiro. Sie sprechen in diesem Jahr fast ausschließlich virtuell mit den Kindern. Diesmal mit jenen im Einkaufszentrum Ponte Negra in der Amazonas-Metropole Manaus. Normalerweise wäre er dort hingeflogen und hätte sich persönlich mit den Kindern unterhalten. In diesem Jahr geht das nicht. Auf der einen Seite erhöht das den mystischen Effekt, denn der Weihnachtsmann ist zwar da, aber für die Kinder nicht greifbar wie sonst. Auf der anderen Seite sagt Roberto: „Der persönliche Kontakt ist durch nichts zu ersetzen. Es gibt eigentlich kein kleines Kind, das von der Figur des Weihnachtsmanns nicht fasziniert ist.“ Nun liegen 4000 Kilometer zwischen Weihnachtsmann und Kind.
Manche Mütter lehnen afrobrasilianische Weihnachtsmänner ab
Die Brasilianische Schule für Weihnachtsmänner hat auch afrobrasilianische Weihnachtsmänner in ihren Reihen. Doch einige weiße Mütter, so berichtet Cherem, hätten es ihren Kindern nicht erlaubt, sich diesem Weihnachtsmann zu nähern. Sie wollten, dass ihre Kinder nur mit einem „traditionellen“ Weihnachtsmann sprechen. Das sei eine traurige Erfahrung, die so mit Weihnachten überhaupt nicht vereinbar sei. Einer ihrer schwarzen Weihnachtsmänner sei im vergangenen Jahr verstorben.
Dieses Jahr sei ohnehin alles anders. „Dieses Weihnachtsfest wird so oder so in die Geschichte eingehen. Und wir alle hoffen, dass es im nächsten Jahr wieder so sein wird wie früher. Denn nicht nur für die Kinder ist es natürlich etwas anderes. Auch für uns Weihnachtsmänner. Wie für die Kinder ist das auch für uns ein tolles Erlebnis und wir freuen uns jedes Jahr darauf.“
Und was macht ein Weihnachtsmann nach Weihnachten? „Glauben Sie mir, das erste, was wir machen, ist diesen langen Bart abzurasieren. In der Hitze ist der nämlich alles andere als angenehm. Als gehen wir ins Badezimmer, holen den Rasierer raus und weg damit“, sagt Cherem. Das nackte Kinn bleibt allerdings nur ein paar Wochen so. Damit der Rauschebart im nächsten Jahr zur Weihnachtszeit wieder in voller Pracht existiert, beginnt die „Wachstumsphase“ schon früh im neuen Jahr.