Konrad Rückle, Elfi Kolm, OB Christof Bolay, Silvia Eisinger unhd Theo Hartmann (von links) mit den Foto: Peter Dietrich - Peter Dietrich

Für ihr kommunalpolitisches Engagement sind Konrad Rückle, Elfi Kolm, Silvia Eisinger und Theo Hartmann mit der Bürgermedaille der Stadt Ostfildern ausgezeichnet worden.

OstfildernHöchstens dreißig lebende Personen dürfen die Bürgermedaille der Stadt Ostfildern besitzen, so hat es der Gemeinderat festgelegt. Seit ihrer Stiftung wurde die Bürgermedaille bisher an 37 besonders verdiente Persönlichkeiten verliehen. 19 der Geehrten sind inzwischen verstorben, so blieben 18 aktuelle Träger der Medaille. Nun kamen bei einer Feierstunde im Stadthaus vier weitere hinzu, alle sind langjährige und sehr aktive Stadträte: Elfi Kolm und Konrad Rückle von der CDU, Silvia Eisinger von der SPD und Theo Hartmann von den Freien Wählern. Die Verleihung der Auszeichnung hatte der Gemeinderat jeweils einstimmig beschlossen.

Alle vier sind mit der Wahl am 26. Mai aus dem Gremium ausgeschieden, Oberbürgermeister Christof Bolay rechnete ihre Dienstjahre zusammen: „Mit Ihnen hat der Gemeinderat insgesamt 135 Jahre Erfahrung verloren. Am Stück gerechnet sind wir im Jahr 1884, also noch neun Jahre bis zur Gründung des VfB.“

Tausende von Vorlagen gelesen

So eine lange Zeit sei ungewöhnlich: „Sie haben unzählige Sitzungen erlebt, Tausende von Vorlagen gelesen, bei Abstimmungen mal gewonnen und mal verloren, viele Wahlkämpfe bestritten. Sie haben sich an drei Oberbürgermeistern erfreut, die Gartenschau kommen und gehen sehen, viele Führungskräfte der Stadt mitbestimmt. Sie haben wechselnde Sitzungsräume erlebt, bis der Gemeinderat im Stadthaus seine Heimat gefunden hat. Sie alle waren in praktisch jedem Gremium der Stadt aktiv und haben bei den entscheidenden Weichenstellungen der letzten Jahrzehnte mitgewirkt.“ Er könne sich beides vorstellen, sagte Bolay: „Vielleicht ertappen Sie sich in Zukunft bei dem Gedanken ‚schade, dass ich nicht mehr mitmischen kann‘. Oder aber dem Gedanken ‚was ein Glück, dass ich das nicht mehr entscheiden muss‘.“

Elfi Kolm war 30 Jahre lang Stadträtin und acht Jahre lang CDU-Fraktionsvorsitzende. Außerdem dankte ihr Bolay für ihr Engagement als Schöffin. „Urteile werden ja ‚im Namen des Volkes‘ gesprochen. Also legitimieren Schöffen aus dem Volk heraus diese Urteile.“ Im Dezember 2015 wurde Elfi Kolm bereits mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Die Arbeit im Gemeinderat sei besonders spannend, sagte sie, wenn die große Weltpolitik mitspiele – wie beim Ende der amerikanischen Kaserne im heutigen Scharnhauser Park.

Als „jemand, der ganz nah am Puls der Menschen ist“ beschrieb Bolay die nächste Geehrte, Silvia Eisinger. „Ihnen war ein guter Kontakt über die Fraktionsgrenzen hinweg wichtiger als eine parteipolitische Auseinandersetzung.“ Sie habe es geschafft, abhebende Diskussionen wieder auf den Boden zu bringen. „Ihre berufliche Kompetenz konnten wir bei der frühkindlichen Bildung immer wieder nutzen. In Ihrer Bescheidenheit haben Sie einen Moment gezögert, ob Sie diese Ehrung annehmen sollen.“ Sechsmal hätten ihr die Bürger das Vertrauen ausgesprochen, sagte Eisinger. „Damit hatte ich bei meiner ersten Wahl niemals gerechnet.“ Sie dankte vor allem ihrer Familie, die immer wieder zurücktreten musste.

25 Jahre lang war Theo Hartmann Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. „Sie waren immer klar und regelrecht streng an der Sache orientiert“ sagte Bolay. Manchmal habe Hartmann angerufen und gesagt: „Da müssen wir eine Lösung hinkriegen.“ „Sie waren nie ein Schwätzer, sondern immer ein Schaffer. Das gelte beim Streuobstwiesenbesitzer auch für die Baumpflege und den Naturschutz. „Auf Ihr Betreiben hin gibt es bei der Stadt wieder einen Feldschütz. Am Anfang war ich nicht vollkommen von der Idee überzeugt, heute bin ich froh darum.“

Nicht vorschnell nachgeben

2017 hat Hartmann den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland bekommen. „Ein sehr großer Anteil der Ehrung ist die Fraktion“, betonte Hartmann. „Ihr habt mich getragen und ertragen.“ Was er nicht leiden könne, sei das „man sollte“, denn wer sei dieser „man“? Man dürfe auch nicht vorschnell dem Protest nachgeben: „Sonst gäbe es weder die Nellinger Ortsumgehung noch die Stadtbahn.“

Konrad Rückle sei „ein Mann der leisen, aber klaren Worte“, sagte Bolay. Er habe die Stadt Ostfildern von der ersten Minute an politisch begleitet. Er habe ein immenses Fachwissen und sei mit seinem sensationellen Gedächtnis ein „lebendiges kommunales Nachschlagewerk“. Im Technischen Ausschuss habe er, gab Bolay zu, immer zu Rückle gelinst. „Wenn ich gesehen habe, dass Sie einig sind, war ich mir relativ sicher, dass wir eine stabile Mehrheit bekommen.“ Rückle habe die ersten Kontakte nach Mirandola begleitet und Kisten für die Hilfstransporte nach Poltawa geschreinert. Für sein humanitäres Engagement habe er schon 2006 das Bundesverdienstkreuz erhalten. Dass es ihm nicht nur um die soziale Ausrichtung geht, sondern auch um eine „qualitativ hochwertige Stadtgestaltung“, macht der neunfach in den Gemeinderat Gewählte deutlich. Er war auch im Aufsichtsrat der Sanierungs- und Entwicklungsgesellschaft Ostfildern (SEG). „Ich war an 15 Architektenwettbewerben beteiligt. Davon wurden 13 umgesetzt oder sind noch in der Umsetzung.“

Für die sehr hochwertige musikalische Gestaltung der Feier sorgten Natalie Bachayan und Silke Pfeifer am Flügel und Emma Pfeifer mit dem Cello.

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