Jana Beuschlein, Raul Paula, Serhou Guirassy und Deniz Undav (v. l.) haben in dieser Saison oft Grund zum Jubeln. Foto: Baumann

Der VfB ist in dieser Saison in vielen Teams sehr treffsicher aufgestellt – und führt in mehreren Ligen die Torschützenliste an. Was macht die Stürmerinnen und Stürmer jeweils so stark?

Sie veredeln die Angriffe, sorgen für emotionale Momente und sind für den Erfolg eines Fußballteams unerlässlich: treffsichere Offensivkräfte. Von ihnen hat der VfB Stuttgart derzeit einige in seinen Reihen – und das nicht nur bei der Bundesliga-Mannschaft. Im Nachwuchs und bei den Frauen führt der Verein mit seinen Spielerinnen und Spielern sogar in mehreren Ligen die Torschützenliste an. Ein Überblick.

Männer Ein solches Sturmduo hatte der VfB lange nicht mehr: Serhou Guirassy und Deniz Undav machen in der Bundesliga seit Wochen Furore – und ergänzen sich ideal: Guirassy als Zielspieler in vorderster Linie, der Bälle behauptet und die Chancen verwertet. Undav als hängende Spitze, der sich immer wieder fallen lässt und so für die gegnerische Abwehr kaum zu greifen ist. 70 Prozent aller Stuttgarter Treffer in dieser Bundesliga-Saison gehen auf das Konto der beiden – und obwohl Guirassys 16 Tore natürlich hervorstechen, sind auch Undavs acht Treffer eine Erwähnung wert gemessen an seiner Einsatzzeit: Nachdem er wochenlang wegen eines Außenbandteilrisses im Knie gefehlt hatte, stand er erst Ende Oktober erstmals in der Startelf.

Deniz Undav (li.) und Serhou Guirassy Foto: imago//imageBROKER/Michael Weber

Dass die beiden 27-Jährigen noch lange zusammen wirbeln, dürfte eher Wunschdenken sein. Bei Guirassy ist ob seiner Ausstiegsklausel ein Abgang schon im Winter möglich, für den ausgeliehenen Undav ( Brighton & Hove Albion) hat der VfB immerhin eine Kaufoption über rund zwölf Millionen Euro. Ob er sie zieht? Offen. Die Gegenwart versüßt der Stuttgarter Sturm aber in jedem Fall.

Frauen Nichts untermauerte die Ambitionen des Stuttgarter Frauenteams so sehr wie die Verpflichtung von Jana Beuschlein. Im Sommer wechselte die Stürmerin vom 1. FC Köln aus der Bundesliga in die viertklassige Oberliga. Warum? „Weil ich hier etwas bewegen und mitgestalten kann – das hat mich gepackt“, sagte die 28-Jährige. Ein Stück näher an die Heimat rückte die gebürtige Wertheimerin zudem, ihre Schwestern sind bis heute VfB-Fans.

Jana Beuschlein Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

In dieser Saison ist Beuschlein mit 17 Toren in elf Spielen die treffsicherste Spielerin der Liga – wobei sich ihre Bedeutung nicht auf die reine Quantität beschränkt: Oft sorgt sie mit dem wichtigen ersten Tor für den Dosenöffner, auch Kapitänin ist sie im neuen Team auf Anhieb geworden. Die Verantwortlichen schwärmen, preisen sie als „Volltreffer“ (Trainer Heiko Gerber) und „Unterschied-Spielerin“ (Sportdirektor Sascha Glass).

Auch dank Beuschlein befindet sich der VfB auf Kurs: Zwei Punkte beträgt der Vorsprung auf Rang zwei, die Meisterschaft und der Aufstieg sind das erklärte Ziel. Schluss soll danach noch lange nicht sein: Der Vertrag der Stürmerin läuft noch bis Sommer 2026 – spätestens dann will der VfB in der zweiten Liga spielen.

U 17 Oft kommt es nicht vor, dass zwei Spieler eines Teams die Torschützenliste einer Liga anführen. Genau das tun aber die VfB-Youngster Matthaios Tsigkas (15 Tore) und Tuncay Durna (14 Tore), die in der B-Junioren-Bundesliga auf unterschiedliche Weise Gefahr entwickeln: Tsigkas als Mittelstürmer mit einem breiten Repertoire, der in dieser Saison schon mehrfach per Kopf traf und auch vom Elfmeterpunkt Verantwortung übernahm.

Durna als offensiv ausgerichteter Mittelfeldspieler, der immer wieder nach vorne stößt und einen feinen Fuß bei ruhenden Bällen hat: Zuletzt traf der gebürtige Esslinger gegen den 1. FC Heidenheim (5:1) zweimal per Freistoß. Auch zehn Torvorlagen stehen für den 16-Jährigen schon zu Buche, der 2017 von den Stuttgarter Kickers zum VfB kam.

Matthaios Tsigkas Foto: imago/Pressefoto Rudel/Robin Rudel

Tuncay Durna Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Beide Torgaranten sind inzwischen U-Nationalspieler: Durna für die Türkei, Tsigkas für Griechenland – er war vor eineinhalb Jahren von Panathinaikos Athen nach Stuttgart gewechselt. Und beide haben die Chance, ihr Torekonto noch vor Weihnachten weiter in die Höhe zu schrauben. An diesem Samstag (13 Uhr) steht für den Tabellendritten gegen den FC Augsburg das letzte Pflichtspiel des Jahres an. Übrigens: Auch bei den B-Juniorinnen stellt der VfB in der Oberliga die beste Torschützin in Person von Lavinia Haas (24 Tore).

U 21 Er ist eine der Überraschungen bei der U 21: Im Sommer kam Dejan Galjen von Werder Bremen II mit der Empfehlung von sechs Toren – die er in dieser Saison längst übertroffen hat. Mit 15 Treffern führt der robuste Mittelstürmer die Torjägerliste der Regionalliga an, sein Trainer Markus Fiedler lobt den 21-Jährigen als „enorm wertvollen Spieler mit sehr großen Abschlussqualitäten“. In der Jugend spielte der gebürtige Pforzheimer für die Stuttgarter Kickers.

Dejan Galjen Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Was es für die VfB-Gegner kompliziert macht: In Raul Paula strahlt noch ein weiterer Offensivspieler viel Torgefahr aus – er steht bereits bei 13 Treffern und fünf Vorlagen. Aufgrund seiner starken Technik und hohen Spielintelligenz ist er längst auf dem Radar bei den Profis, im Training und bei Testspielen war Paula schon dabei. „Raul hat sich in den Fokus gespielt. Ich sehe, dass er richtig Qualität hat“, hatte Cheftrainer Sebastian Hoeneß unlängst über den 19-jährigen Böblinger gesagt, in dem sie beim VfB eine Menge Potenzial sehen.