Johannes M. Fischer. Foto: Bulgrin - Bulgrin

In der Wochenkolumne fragt sich Johannes M. Fischer, was er wohl mit einem Vergrämungsgerät alles anfangen könnte.

EsslingenEine Woche des Scheiterns liegt hinter uns. Damit einher gehen außergewöhnliche Sätze, die aus irgendwelchen Gründen bei mir hängen geblieben sind.

Es beginnt mit einem Traum, der zerplatzte, noch bevor er zu Ende geträumt war. Die Verlängerung der Stadtbahnlinie U7 nach Esslingen. Macht vermutlich keinen Sinn, zum jetzigen Zeitpunkt dafür Fördergelder zu beantragen, fand ein verantwortlicher Ausschuss im Kreistags. Eine Bezuschussung des Projekts sei ziemlich unsicher, weil der „Kosten-Nutzen-Faktor“ hart an der förderwürdigen Grenze liege. Und damit sind wir auch schon beim ersten Zitat der Woche: „Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.“ Ein Verkehrsprojekt, dass nicht wirklich existiert und weder lebt noch stirbt – so poetisch geht es in unserem Landkreis zu.

Von den Fildern an den Neckar: In Plochingen scheiterte eine Fraktion an sich selbst. Die Unabhängigen, wie sie sich nennen, kämpfen für ein Hallenbad. An der Spitze zwei, die gerne auf dem Sprungturm stehen. Aber offenkundig war zu wenig Platz für beide. Einer sprang hinab und machte sich unabhängig von den Unabhängigen. Die Scheidung verlief wie in einer schlechten Ehe: Jeder sah, dass es nicht klappt, nur die Partner selbst nicht. Einer aus dem Gemeinderat, der es gesehen hatte, meinte lapidar: „Das war zu erwarten.“ Wie oft ich diesen Satz schon gehört habe! Und – es ist ein Wunder – er trifft immer zu. Deshalb ist das mein zweites Zitat der Woche.

Wir bleiben in Plochingen. Das dritte Zitat vom Scheitern besteht aus nur einem Wort: „Vergrämungsgerät“. Es ist gut gegen Wildschweine, an denen gerade „Stücklebesitzer“ verzweifeln. Meine Gedanken aber flohen beim Lesen des Textes von der Wildschweinplage in mein persönliches Leben, das nicht ganz frei von Plagegeistern ist. Wie sähe mein Leben aus, dachte ich, wenn ich mir so ein Vergrämungsgerät anschaffen würde? Morgen fahre ich in den Baumarkt.

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