Bei so vielen Steckern geht leicht der Überblick verloren. Foto: /Chalinee

Die EU will das Stecker-Chaos beseitigen. Ein Überblick über den Status quo – mit einer schlechten Nachricht.

Stuttgart - Einen Stecker des Typs „Universal Serial Bus“, kurz USB, hat jeder schon mal in der Hand gehabt. Der 1996 eingeführte Schnittstellenstandard findet sich an PCs, Festplatten, Routern und allen erdenklichen anderen Geräten. Kleine mobile Speicher verdanken ihm ihren Namen: USB-Sticks werden direkt angeschlossen und mit Daten bestückt. Während sich die Form des in das Ausgangsgerät eingeführten rechteckigen Steckers, „USB Typ A“ genannt, kaum geändert hat, nahmen die Übertragungskapazitäten für Strom und Daten immer weiter zu – von USB 1.0 mit maximal 1,5 Mbit/s bis zum kommenden USB 4.0 mit 40 Gbit/s.

Immer kompaktere Bauweise

Auch am anderen Ende des Kabels tat sich so einiges, die Form der in die Peripheriegeräte eingeführten Stecker änderte sich rasant. Das ist nicht zuletzt der immer kompakteren Bauweise geschuldet. Aufseiten der Nutzer verursacht das bis heute aber auch eine Menge Frust, da es praktisch unendliche Kombinationsmöglichkeiten gibt. Die Folge sind ganze Schubladen voller ausrangierter Kabel und Adapter. So ist der 2000 eingeführte Standard Mini-USB nur noch bei sehr alten Handys, Kameras und Playern zu finden. Es gibt einen trapezförmigen „Typ Mini A“ und einen rechteckigen „Typ B“, beide dienen ausschließlich dem Aufladen des Akkus. Mit seinem 30-Pol-Anschluss ging Apple einen Sonderweg. Und wie so oft war Apples Lösung technisch überlegen, funktionierte aber eben auch nur mit Apple-Geräten.

Ein sinkender Stern: Micro-USB

Ab 2010 etablierte sich Micro-USB – auch deshalb, weil die EU intensiv dafür warb. Die Übertragung funktioniert damit in beide Richtungen, man kann also ein Gerät aufladen und mit einem passenden Ausgabegerät oder einem Adapter Musik hören. Micro-USB ist heute an den meisten Android-Smartphones zu finden, während am anderen Ende des Kabels meist ein klassischer Typ-A-Stecker zu finden ist. Varianten gibt es bei anderen Gerätearten. So sind externe Festplatten häufig mit einem schnelleren zweiteiligen Anschluss namens „Micro B Super Speed“ ausgestattet.

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Micro-USB-Stecker gibt es wie den Vorgänger als rechteckigen „Typ A“ und etwas kleineren, trapezförmigen „Typ B“, der aktuell in den meisten Geräten verbaut ist. Sie sind auf 10 000 Steckzyklen ausgelegt und basieren auf USB 2.0, was die Übertragungskapazität einschränkt. Zudem passt der Stecker nur in einer Richtung in den Anschluss. Dürftig ist auch der Stromfluss, was für lange Ladezeiten sorgt. Schnellladegeräte schaffen hier Abhilfe, indem sie mehr Strom durchs Kabel leiten. Das erhöht allerdings die Gefahr von Überhitzung und Beschädigung, weshalb man unbedingt zu Markenqualität und nicht zu Ramsch unbekannter Herkunft greifen sollte.

USB C ist nicht gleich USB C

Mit dem damals wegweisenden Standard „Lightning“ ging der Apple-Konzern seinen Sonderweg weiter. Er ist noch heute in aktuellen iPhones und den meisten iPads zu finden. Er ist sehr kompakt, kann beidseitig eingesteckt werden und auch Musik übertragen. Ein Nachteil ist, dass die Kontakte offen liegen und nahezu alle anderen Hersteller inzwischen auf USB-C setzen. Auch Apple baut in einige seiner iPads wie etwa das iPad Air der vierten Generation USB-C ein. Die EU möchte den Standard sogar gesetzlich verpflichtend machen. Der Haken: Typ C ist mitnichten gleich Typ C. Zwar können alle so genormten Kabel Strom wie auch Daten übertragen, das Tempo, mit dem sie dies tun, variiert aber erheblich. Je nach Modell werden bis zu 480 Mbit/s (USB 2.0), 5 Gbit/s (USB 3.0), 10 Gbit/s. (USB 3.1, Gen. 2) oder 20 Gbit/s. (USB 3.2, Gen. 2x2) erreicht.

Ein kleiner Blitz

Hinter dem Tempozuwachs beim Aufladen steckt eine Technik namens „Power Delivery“, kurz „USB PD“. Leider ist er nicht an der Form des Steckers, sondern nur an einem kleinen schwarzen Batterie-Symbol auf der Verpackung zu erkennen. Zudem übertragen manche USB-C-Kabel auch Videosignale, man kann damit also etwa das Handy ans Notebook anschließen, um ein Video direkt zu übertragen. Diese Spezifikation trägt den Namen „Thunderbolt“. Auch hier sehen die Stecker für das unbedarfte Auge völlig gleich aus. Nur ein kleines Blitz-Symbol verrät, dass sowohl die Schnellladefunktion als auch die Videoübertragung an Bord sind.

Fazit: Es bleibt wohl unübersichtlich

Kabel und Stecker werden immer leistungsstärker und vielseitiger. Das ist die gute Nachricht. Doch selbst wenn die EU sich mit ihrem Willen zu Vereinheitlichung durchsetzt, bleibt den Nutzerinnen und Nutzern ein Blick ins Kleingedruckte auch künftig nicht erspart. Rettung naht in Form drahtloser Übertragungsstandards. Die werden wohl dazu führen, dass es in ein paar Jahren gar keine Buchsen oder Kabel mehr geben wird. Ob sich dabei ein einheitlicher Standard durchsetzen wird, darf angesichts bisheriger Erfahrungen allerdings bezweifelt werden.