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Ein Hilfspfleger soll an verschiedenen Orten sechs alte Männer und Frauen ermordet haben. Im Landkreis Tuttlingen soll der Mann eine 88-Jährige getötet haben.

München (dpa/lsw)Ein Hilfspfleger soll an verschiedenen Orten in Deutschland, darunter auch im Landkreis Tuttlingen, sechs alte Männer und Frauen ermordet haben. Dies ergaben die Ermittlungen gegen den 36 Jahre alten Polen, der seit Februar in Untersuchungshaft sitzt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag in München mitteilten. Der Mann habe seinen Opfern tödliche Dosen von Insulin verabreicht. Drei Morde soll er zudem in Bayern, außerdem je einen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen begangen haben. Im Landkreis Tuttlingen wurde dabei den Angaben zufolge Ende Juli vergangenen Jahres eine 88-Jährige umgebracht.

Die Ermittler werfen dem Mann auch drei versuchte Morde vor - unter anderem an einem 90-Jährigen in Esslingen im Juni 2017. Hinzu kommen drei Fälle der gefährlichen Körperverletzung, darunter bei einem 82-Jährigen im Rems-Murr-Kreis im vergangenen Dezember. Zudem soll der Verdächtige etliche Klienten bestohlen haben. Anfang des Jahres war er unter Verdacht geraten, einen 87-Jährigen in Ottobrunn bei München mit Insulin getötet zu haben. Daraufhin wurde auch an seinen vorigen Einsatzorten nachgeforscht.

Dem selbst an Diabetes erkrankten Hilfspfleger wurde im Januar 2017 Insulin verschrieben. Mit einem sogenannten Insulin-Pen spritzte er seit April 2017 auch zwölf betreuten Senioren im Alter zwischen 66 und 91 Jahren das Medikament, obwohl diese das gar nicht brauchten - in den sechs Fällen war es eine tödliche Dosis. Der Beschuldigte gestand die Taten, bestritt aber eine Tötungsabsicht.

Seit Mai 2015 hatte der Hilfspfleger sich nach den Erkenntnissen der Ermittler in Deutschland um Pflegebedürftige gekümmert. Zur 24-Stunden-Pflege zog er bei den Patienten auch ein. Insgesamt war er an 68 Orten beschäftigt. Und bei dem Einzug in die Wohnungen ist den Ermittlern zufolge auch das Motiv des Mannes zu finden.

Denn in der Regel habe er nach kurzer Zeit festgestellt, dass ihm «dieser Arbeitsplatz nicht so liegt», sagte Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Die Gründe dafür seien unterschiedlich, beispielsweise «dass die Gepflegten häufig Besuch empfangen, und er sich dadurch kontrolliert fühlt». Andere Gründe: fehlendes W-Lan, Essen, das ihm nicht schmeckte, oder dass er mehrfach in der Nacht aufstehen musste.

Der 36-Jährige wollte demnach weg von den Arbeitsstellen, die ihm nicht gefielen. Im Falle einer Kündigung hätte er jedoch teilweise mit vertraglichen Strafen rechnen müssen. Um diesen zu entgehen, habe er das Insulin verabreicht, so die Ermittler. So wurden die Patienten zum Notfall, wurden ins Krankenhaus gebracht, und er konnte von einem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch machen. «Nach unserem Stand der Ermittlungen nahm er den Tod der Betreuten durchaus billigend in Kauf», sagte Wimmer.

Der Fall weckt Erinnerungen an den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel, der mehr als 100 Patienten auf dem Gewissen haben soll. Seit zwei Wochen muss er sich erneut vor dem Landgericht Oldenburg verantworten.

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