Christian Dörmann Foto: bulgrin/ - bulgrin/

Die Stadt darf den Pfad gemeinsamer Bemühungen für eine Esslinger Kultur mit erkennbarer und typischer Handschrift nicht verlassen, kommentiert Christian Dörmann.

EsslingenIrgendwie steckt in dieser Kulturverwaltung der Wurm drin. Seit Peter Kastner als Garant für eine kontinuierliche Entwicklung der Esslinger Kulturlandschaft das Rathaus verlassen hat, kehrt keine Ruhe in einem Bereich ein, der getrost als wichtiges Identitätsmerkmal der Stadt gelten darf. Erst Barbara Maria Schierl und Christine Mast mit kurzen und daher wenig zielführenden Auftritten an der Spitze des Kulturamtes, und dann Benedikt Stegmayer. Der hat den Posten nun immerhin drei Jahre lang ausgefüllt.

Auch für ihn war aller Anfang in Esslingen schwer, weil sich sein Kulturverständnis gelegentlich deutlich von dem örtlicher Kulturschaffender und politischer Entscheidungsträger unterschied. Allerdings waren die Erwartungen an Benedikt Stegmayer nach der langen Zeit in unsicherem Fahrwasser groß – nicht zuletzt mit Blick auf eine längst übefällige Kulturkonzeption. Denn tatsächlich erscheint die Entwicklung der Esslinger Kulturszene derzeit eher beliebig denn konzeptionell durchdacht.

Es hat dann eine ganze Weile gedauert, bis die Kulturkonzeption vorlag, die aber mehr einer Bestandsaufnahme gleicht, als einer visionären Denkschrift. In der Diskussion um die Zukunft der Stadtbücherei hat Stegmayer aus seiner Vorliebe für einen Neubau nie ein Hehl gemacht und auch hinter den Kulissen konsequent für seine Meinung geworben. Nun also liegt die Kulturkonzeption vor und die Entscheidung, ob es für die Bücherei der alte oder ein neuer Standort wird, fällt in wenigen Tagen durch einen Bürgerentscheid. Höchste Zeit also, den vielen Worten Taten folgen zu lassen und die Projekte konkret anzupacken. Und ausgerechnet in dieser Phase geht der Kulturamtsleiter – und zur Mitte des Jahres geht mit Markus Raab auch noch der Kulturbürgermeister.

Das bringt die Kultur der Stadt in eine unsichere Situation, in der es gelingen muss, den Pfad gemeinsamer Bemühungen für eine Esslinger Kultur mit erkennbarer und typischer Handschrift nicht zu verlassen. Übrigens: Das dreitägige Kunst- und Kulturfestival „Stadt der Frauen“ im vergangenen Jahr war in dieser Hinsicht vor allem konzeptionell nicht gerade das beste Beispiel dafür.

Für Benedikt Stegmayer bedeutet der Wechsel nach Bayreuth einen Karrieresprung: Wagner und Merkel waren schon immer eine besondere Herausforderung.

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