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Blitzkontrolleure ließen in der Esslinger Urbanstraße den Motor an, um die Klimaanlage nutzen zu können. In Zeiten des Klimawandels stößt dies zahlreichen Menschen sauer auf.

EsslingenDer Motor röhrt laut, die Klimaanlage brummt leise und der Fahrer sitzt mit wachem Blick im stehenden Auto. Diese Szenerie, eine normale Blitzkontrolle gegen Temposünder, hat sich während der Hitzeperiode in der Esslinger Urbanstraße abgespielt – ein alltäglicher Anblick denken nun die meisten, doch ein Detail ist besonders präsent: Laufender Motor und stehendes Auto?

Die Urbanstraße gilt, laut Gerhard Gorzellik, Leiter des Esslinger Ordnungsamtes, als besonders gern genutzte Strecke für Raser, deshalb wurde dort auch Personal mit Tempomessgeräten zum Blitzen eingeteilt. Aufgrund der Hitze haben die Kontrolleure die Klimaanlage im Auto genutzt. Für diese kühle Erfrischung im Auto muss allerdings der Motor laufen, obwohl das Auto parkte.

Diese Situation hat Anwohner der Urbanstraße gestört, denn angesichts der Klimaschutzmaßnahmen und Feinstaubdebatten wird das Thema ohnehin schon viel diskutiert.

Entwicklung der Technik ist gefragt

„Ich erfülle nur meinen Auftrag, nämlich den Verkehr zu kontrollieren und Verkehrssünder aufzuspüren“, erklärt Gerhard Gorzellik, Leiter des Ordnungsamtes. Aber gibt es wirklich keine kreative Lösung im Zwiespalt „Verkehrskontrolle oder Klimaschutz“? „Meine Mitarbeiter bemühen sich bereits, die Autos zum Beispiel im Schatten zu parken, um nicht der prallen Sonne und Hitze ausgesetzt zu sein“, meint Gerhard Gorzellik.

Dennoch sei er als Leiter des Ordnungsamtes dazu verpflichtet, seinen Mitarbeitern ein gesundes Arbeitsumfeld zu bieten und gerade bei diesen Temperaturen gehe das nur mit Klimaanlage. Einzige Lösung des Widerspruchs sei Weiterentwicklung der Technik und insbesondere der Fortschritt der E-Mobilität, erklärt Gerhard Gorzellik.

Esslingen und das Klimabündnis

Dieser leichtfertige Umgang mit dem Klima ist für Esslingen ungewöhnlich, denn seit 2001 ist die Stadt Mitglied im Klimabündnis, mit dem Ziel 25 Prozent weniger CO2 bis 2020 zu produzieren. „Esslingen präsentiert sich regelmäßig als klimafreundliche Stadt, damit haben auch die Mitarbeiter der Stadt automatisch eine Vorbildfunktion“, meint Ulrich Schwarz von der Greenpeace Gruppe in Esslingen. Die Beschäftigten des Ordnungsamtes sollten deshalb gerade beim Thema Umweltschutz und klimaschonende Maßnahmen sensibel sein.

„Klimaschutz ist eine Thematik, die im Ermessen jedes einzelnen Menschen liegt, denn jede Minute in der ein Automotor unnötig läuft, ist eine unnötige Luftverschmutzung für unseren Planeten“, erklärt Ulrich Schwarz. Gerade als Mitglied im Klimabündnis seien kreative Lösungen gefragt.

Als Vorbild könne zum Beispiel die Stadt Konstanz dienen, schlägt Ulrich Schwarz vor. Seit in der Stadt am Bodensee im Mai 2019 der Klimanotstand ausgerufen wurde, werde dort in jeder Entscheidung der Stadt die Klimafreundlichkeit bedacht, beispielsweise bei Bauvorhaben.

Die Klimafrage immer im Hinterkopf behalten, dass solle der Grundsatz einer klimafreundlichen Stadt wie Esslingen sein. Dann müsste es, laut Ulrich Schwarz von Greenpeace, in der Urbanstraße aber auch heißen: Motor aus.

Klimabündnis

Zum größten Städtenetzwerk für Klimaschutz, dem „Klimabündnis“, gehören 1740 Kommunen und Kreise in 26 Ländern. Gegründet wurde es 1990. In Frankfurt am Main sitzt die europäische Geschäftsstelle. Das Motto zum Klimaschutz: „Eine globale Herausforderung, die lokale Lösungen erfordert.“

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